"A friend brought the screenplay to me, and it was straight action. But I really wanted to try to imbue it with something a little deeper and explore things [that speak to] where we are in the world today. With all these divisions that we have, what would [the story] look like?"
“I studied the script, shot-listed the entire film. I didn’t want to shoot an empty action film, I wanted to dial in on who these characters are and make sure that all the action beats were true to them as characters. That way the audience would truly enjoy the action beats because they care about these flawed men.”
~ Wes Miller
Zur Freude aller ist Hollywoodstar Bruce Willis und Amerikas letzter Actionheld auch im Jahr 2022 so präsent wie zuvor nur 2021, vergeht kein Monat ohne weitere Ankündigung und Veröffentlichung, wobei neben den letzten festen Arbeitsverhältnissen zu EFO und 308 Entertainment bei A Day to Die tatsächlich noch jemand Junges, nämlich speziell Sweet Unknown Studios und Future Proof Films (verantwortlich auf für Millers vorherige River Runs Red, 2018, oder Hell on the Border, 2019) als Produktionsschmiede hinzukommt. Neues Wasser auf alte Mühlen sozusagen, frische Anreize für die Kundschaft, die dem Fleißarbeiter Willis aus der Hand fressen und die diversen Projekten in Pre- und Post-Production sehnsüchtig herbeisehnen; die feste Stütze wird hier wie zuletzt häufiger tat- und schlagkräftig ergänzt durch Frank Grillo und erstmalig den talentierten der beiden Dillon-Brüder, was für sich zusammensetzt die Erwartungen in ungeahnte Höhen schraubt. Berechtigt, oder doch nicht?:
Jackson, Mississippi. Nach einer horrend verlaufenen Polizeiaktion gegen rechtsextreme Aktivisten ist das dort von Verhandlungsführer und Chief of Police Alston [ Bruce Willis ] eingesetzte Ghost Team unter Führung von Captain Brice Mason [ Frank Grillo ] suspendiert bis aufgelöst. Als das ehemalige Teammitglied und nunmehr als Bewährungshelfer tätige Conner [ Kevin Dillon ] in Schwierigkeiten mit der lokalen Gangstergröße Tyrone Pettis [ Leon Robinson ] gerät, braucht er allerdings die Hilfe seiner 'Jungs', zu denen neben seinem Bruder Tim [ Gianni Capaldi ] u.a. auch Dwayne [ Vernon Davis ] und Steve [ Alexander Kane ] gehören.
"Everything changed for everybody that night…"
Eine Geiselnahme im großen Stil, seit 16 Stunden bereits am Dauern, eine Stadt in Anspannung und Aufruhr, das Special Ops - Team marschbereit. Gewartet wird auf beiden Seiten auf Befehle und Entscheidungen, jeder steht unter Beobachtung und zu verlieren haben alle etwas. Die Einsatztruppe hat eine Routine und eine Tradition vor dem Zugriff, diese wird auch bewahrt und diese wird auch durchgeführt, dann das besetzte Schulgebäude mit aller Gewalt gesprengt und von außen in das Chaos der Aula gestürmt. Die Operation ist nicht nur 'taktisch' (wenn man überhaupt von Taktik reden kann) eine Katastrophe, im Film, und auch filmisch, das Ganze stellt die Einleitung für mehr dar und die Voraussetzung für die eigentliche Geschichte 18 Monate später.
"It didn't end the way it started."
Es gibt Dinge, die hier gewollt sind und funktionieren, und Dinge, die es nicht tun und derb daneben gehen. Independent-Regisseur und Autor Wes Miller, ein ehemaliger Prozessanwalt mit Schwerpunkt Zivilrecht, der nicht speziell aus dem Genre kommt und vorher mit wesentlich weniger als den hier veranschlagten 5 Mio. USD auskommen musste und ausgekommen ist, bemüht sich eingangs um größere Bilder, deren Umsetzung man nicht leisten kann, Einschläge per Granatwerfer in Beton und Mörtel, die mehr Überzeugung haben als das anschließende tricktechnische Inferno (von Feuerszenen und einen durch Kollateralschaden herabstürzenden Hubschrauber), welches deutlich und überdeutlich aus dem Computer stammt und bloß nach Scheitern der Effektspezialisten aussieht. Trefferwirkung bei den Schießereien ist ebenso schwankend, die meiste Zeit digital einkopiert, ab und an spritzt das Blut wie seit Im Vorhof der Hölle nicht mehr. Ein gewisser Sinn für die Angleichung von Gezeigtem und Ton ist vorhanden, zuweilen werden gängige inszenatorische Mittel gerade der Montage geschickt und wirkungsvoll im Rhythmus eingesetzt; außerdem ist das Behandelte hier vermeintlich aktueller als üblich und hat nicht nur mehr Zeit zur Verfügung als üblich (22 Drehtage anstatt der gewohnten 8-9 Tage für Willis-Werke, inklusive einem ausufernden, aber auch albern angehauchten Showdown vor einer Bank in der Innenstadt), sondern auch einigen Raum für Analysen und Interpretationen, wobei gerade Willis im Setting selber aber großteils wirklich als Fremdkörper, wie copy & paste in einen kostengünstigen Verschnitt von eingangs Boyz in the Hood meets New Jack City wirkt. Dialogszenen scheinen seltsam außen vor, gekünstelt, statisch wie im Theater, im ersten Versuch aufgenommen und mit einigen darstellerischen Ausfällen, Willis selber wird zuweilen offenkundig von jemand anderem eingesprochen, zudem ist das ganze eher siffige Szenario (welches eingangs offen im Ausgang aufgezogen ist und erst nach und nach halbwegs Sinn ergibt) mit einem seltsamen babyblauen Farbanstrich versehen.
"They were dressed as DEA. Talked to the Feds, they haven't run anything around here. They scrubbed the walls and the buckets, took a million worth of dope off the streets. So my question is, are we looking to arrest them or commend them?"
Etwa am Ende des ersten Drittels wird eine Art Spiel oder auch Mission angeleiert und eine enge Frist gesetzt, die später auch im Abgleich filmische Zeit und gefilmte Zeit übergeht, eine Bewegung quer durch die Stadt ist nötig, ein Abklappern von Orten, deren Bedeutung der 'Handlungsreisende' noch ebenso wenig wie der Zuschauer als sein Begleiter kennt. Ein Smash & Grab soll folgend stattfinden, die ehemaligen Diener des Staates und Eigentum des Volkes jetzt in eigener privater Sache unterwegs, Waffengestus wird gefeiert und Bruderschaft der 'Rambo motherfuckers on steroids' im Stil eines preiswerten Sabotage zelebriert. Schneller und packender wird die Dramaturgie dadurch nicht, ein Überfall auf ein schmuddeliges Drogenhaus gelingt zwar, wird aber weiterhin eher kommuniziert und geschwafelt und diskutiert, gerne auch bei schwachen Rückprojektionen, die Autofahrten antäuschen sollen, aber sichtlich im Studio arrangiert sind. Das Umfeld ist elend, die Figuren wirken schmutzig und verschwitzt, der Machtkampf zieht sich durch alle Ränge und alle Hautfarben, und Drogen wirken gleichzeitig wie überall vorhanden als auch der einzige Stoff, der die Leute hier (neben der Gier nach Geld) am Leben und am Atmen und somit auch den teuren 'Amateur'-Film am Laufen erhält.