Review

Manchmal erweckt eine interessant klingende Prämisse unglaubliche hohe Erwartungen, nicht zuletzt, weil im Zusammenhang mit „Persona“ häufiger der Überraschungserfolg „Battle Royale“ erwähnt wird.
Nicht nur einige Darsteller wirken in beiden Filmen mit, auch die Ausgangssituation verspricht eine Story außerhalb gängiger „Ringu“ -Kinder.
Doch leider entwickelt sich aus dem Mysterium hinter den Masken rasch ein belanglos dahinmäandernder Thriller mit einschläfernder Wirkung.

Dabei steigt man recht flott ein und veranschaulicht Interesse weckend, wie der einheitliche, japanische Schulalltag mit dem Tragen einer Halbmaske zu chaotischen Verhältnissen führt.
Immer mehr Schüler kommen maskiert in den Unterricht und agieren kalt und aggressiv, während die Lehrer machtlos sind.
Schülerin Yuki, die sich strikt gegen die Maskierung ausspricht und dem Persönlichkeit verändernden Tragen skeptisch gegenüber steht, will dem Drahtzieher hinter dieser durchs Land gehenden Welle auf den Grund gehen und gerät dabei selbst in Gefahr.

Während zu Beginn noch eine übernatürliche Komponente eingeflochten wird und einige düstere Szenen von maskierten Gruppenversammlungen leichtes Gruseln auslösen, verkommt die Handlung im Verlauf immer mehr zu einem schnöden Krimieinerlei, wer denn nun die mächtige Person `D` sein könnte.
Da forschen Yuki, ihr Onkel und ein Kumpel bei einem dubiosen Maskenmacher, während ein Schüler vom Dach springt und einem Model das Gesicht verätzt wird.
Letztlich schleust sich Yuki als Maskenmodel in die Szene ein, da sie hier den ominösen Drahtzieher erwartet.

Jedoch ergibt sich daraus keineswegs der mitreißende Stoff, den man sich nach den ersten Minuten noch erhofft.
Die Figuren bewegen sich ohne Charakterzeichnung durch die Gegend, sich wiederholende Dialoge dominieren das Geschehen, während der Score viele besinnliche Klänge liefert, die das ohnehin kaum vorhandene Erzähltempo noch weiter drosseln.
Ferner stoppen unnötig ausgeschmückte Szenen ein Vorankommen, wie die Familiengeschichte des Maskenmachers oder Laufstegaktionen, bei denen außer einer langweiligen Präsentation überhaupt nichts geschieht.

Auch mit der hanebüchenen Auflösung mag man sich bei dieser spannenden Ausgangsposition kaum zufrieden geben. Zudem bleiben viele Aspekte im Dunkeln oder werden allenfalls oberflächlich abgehandelt.
Gerade aus der Tatsache des Masketragens hätte man stärker auf psychologische Beweggründe eingehen können, die hier teilweise in kompletten Widerspruch zueinander stehen (einerseits der gesellschaftliche Ausstieg, um sich vor Demütigungen zu schützen und andererseits soll die Maske die freie Entfaltung der Persönlichkeit fördern?).
Das will sich alles nicht so recht zu einer plausiblen Einheit zusammenfügen, und so darf man schon mal abwinken, wenn ein Psychologe das Tragen von Masken mit einer äußerst unangemessenen Argumentation öffentlich befürwortet.

Am Ende offenbart sich „Persona“ als ziemliche Enttäuschung, die mystische Komponente verschwindet zusehends und man sieht sich einem recht irdischen Täterratespiel ohne Überraschungen ausgeliefert.
Dass dabei einige visuelle Schnörkel und ein brauchbare Darstellerleistungen positiv zu bewerten sind, rettet das miese Gesamtbild kaum.
Unglaubwürdig, ohne Grund und Boden und vor allem reichlich unausgegoren.
3 von 10

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