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Er wäre von Kindesbeinen an eigentlich viel lieber Sänger oder Entertainer geworden, doch dies wußte sein autoritärer Vater stets zu verhindern - heute ist Stuart Long (Mark Wahlberg) Mitte Dreißig, blickt auf eine mäßig erfolgreiche Amateurboxer-Karriere zurück und bekommt gerade die ärztliche Diagnose, daß er aus gesundheitlichen Gründen einen Berufswechsel anstreben sollte. Was also bleibt dem am Land bei seiner Mutter Jacki (Kathleen Long) aufgewachsenen, impulsiven, bisweilen jähzornigen Stuart anderes übrig, als sich vollkommen neu zu orientieren?
Los Angeles heißt sein nächstes Ziel, und die Nähe zu Hollywood beflügelt Stuarts Phantasie, hier eine Schauspielkarriere zu starten, während er ohne größere Berufserfahrung die harte Realität kennenlernen muß, die da lautet, an einer Fleischtheke Kunden bedienen zu dürfen. Aber auch hier, im goldenen Kalifornien, gerät Stuart bald mit dem Gesetz in Konflikt, da er sich nach wie vor gerne einen hinter die Binde gießt und zum anderen Verkehrsdelikte grundsätzlich für nicht so wichtig nimmt. Als er einen Vorstellungstermin bekommt und diesen mangels vorübergehened beschlagnahmtem eigenem Auto nicht wahrnehmen kann, überwindet er sich sogar und sucht seinen verhassten, schon lange von der Familie getrennt lebenden Vater Bill (Mel Gibson) auf - nur um sich dessen Pick-up auszuleihen. Vater Bill, ein hart arbeitender, alkoholsüchtiger Berufszyniker, ist nicht einmal sonderlich überrascht, seinen Sohn nach Jahren wieder auftauchen zu sehen - er teilt ihm nur lapidar mit, wie sehr er von ihm enttäuscht sei. Den Wagen aber leiht er ihm.
Dann aber ändert sich Stuarts Leben doch noch grundlegend - nämlich als er sich Hals über Kopf in eine Frau verliebt, die bei ihm einkauft. Zwar hat diese Carmen (Teresa Ruiz) weder an ihm, noch an einer fixen Partnerschaft Interesse, doch das ficht Stuart nicht an - er findet schnell heraus, daß sie in einer christlichen Gemeinde tätig ist. Dort wird er dann auch vorstellig - er, der Religionshasser, der nicht an einen Allmächtigen glauben will, seitdem er in der Kindheit seinen Bruder verlor, welcher im Alter von 6 Jahren verstarb, wofür Stuart, und mit ihm damals seine Mutter und sogar sein Vater, allein Gott die Schuld gaben. Doch nun ist alles anders: für Carmen entflammt, ist Stuart sogar bereit, diese seine grundsätzliche Einstellung zu ändern. Er will die streng katholisch lebende Lateinamerikanerin beeindrucken, lernt zu beten und wendet sich langsam der Religion zu - doch ganz so einfach, wie er sich dies vorstellt, geht es nicht...

Action-Star Mark Wahlberg mal in einer ungewohnten Rolle - die Filmbiographie Father Stu von Regisseurin Rosalind Ross zeichnet den Lebensweg des realen Stuart Ignatius Long (1963 - 2014) nach, eines amerikanischen Boxers, der zum Priester wurde. Seine gewohnt große Klappe gepaart mit einer gewissen Arroganz kann Hauptdarsteller Wahlberg somit nur zu Beginn zelebrieren, doch trotz seiner Bekehrung mutiert er nicht zum lammfrommen Betbruder, sondern bleibt fast den ganzen Film über unruhig und voller Zweifel. Denn mit der plötzlichen Hinwendung zum Glauben (hier: der Taufe) aus relativ naheliegenden Gründen ist es freilich nicht getan, erst ein schwerer, beinahe tödlicher Unfall (natürlich selbst verschuldet unter Alkoholeinfluß) sorgt bei Stuart für eine innere Umkehr. Die fällt allerdings radikaler aus, als es sich der ex-Boxer zunächst vorstellen kann: er verzichtet auf die Heirat, um ein höheres Ziel zu erreichen - er will Priester werden.

Die Frage, die sich stellt, lautet: ist das zweifellos ungewöhnliche Leben des Father Stu denn auch für ein größeres Publikum interessant? Denn zu einem Biopic gehört nicht nur die Sturm- und Drangperiode früherer Jahre, sondern auch der spätere Lebensabschnitt, und dieser bedeutet für Stuart, bei dem eine unheilbare Krankheit diagnostiziert wird, vor allem einen langen Leidensweg. Zunächst wegen körperlicher Gebrechen als Priester abgelehnt, erhält er über Umwege später dann doch noch die ersehnten Weihen, bis er schließlich mehr und mehr zum Pflegefall wird. 14 Kilo hatte Wahlberg für diesen Filmabschnitt zugelegt, und es ist keine Freude, diesen Verfall mitanzusehen.

Insgesamt ist Father Stu somit dann doch eine recht zwiespältige Angelegenheit, die erste Filmhälfte ist noch einigermaßen nachvollziehbar, dann jedoch wird es immer zäher. Darstellerisch bleibt vor allem Mel Gibson mit seinen ebenso trockenen wie zynischen Kommentaren im Gedächtnis, während man sich bei Wahlberg fragt, was Carmen-Darstellerin Teresa Ruiz, deren  Optik und Ausstrahlung in etwa derjenigen einer Scheibe Toastbrot entspricht, für ihn so begehrenswert macht. Während er so ziemlich alles über Bord schmeißt, nur um sie ins Bett zu kriegen, lehnt Carmen standhaft ab, doch als er verletzt im Krankenhaus liegt, ergreift sie dann die Initiative zum Vögeln - wtf? Eine Szene, die ich zugegebenermaßen nicht verstanden habe, die man aber vielleicht auch nicht verstehen muß.
Das Schlußdrittel des Films - wenn es ums Leiden geht - mag man mit einer Vorliebe für Katholizismus, ersatzweise einer Portion Masochismus, eventuell goutieren, es darf jedoch bezweifelt werden, daß das glaubensbedingte Akzeptieren dauerhafter körperlicher Schmerzen und Gebrechlichkeit mehr als nur einem winzigen Nischenpublikum zugemutet werden kann. Daß angesichts des tragischen Schicksals Stuarts auch seine Eltern nach vielen Jahren bewußter Trennung wieder zueinander finden, ist dann nur das Sahnehäubchen auf dem zum Schluß schwer auf Harmonie setzenden Streifen.

Die Angehörigen und das nähere Umfeld des echten Stuart zeigten sich mit dem Film immerhin großteils zufrieden, auch Wahlbergs Leistung, der aus dem Skript herausholt, was sein Filmcharakter eben hergibt, macht seine Sache diesbezüglich gut, doch im Großen und Ganzen ist Father Stu aufgrund seiner sehr speziellen, religionslastigen Thematik alles andere als unterhaltsam. 4 Punkte.


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