Der Schutz wichtiger Kronzeugen ist die Hauptaufgabe eines Erasers: durch dessen vorgebliches Ableben wird die Gegenseite - meist Schwerkriminelle aller Art - getäuscht und in Sicherheit gewogen. Der nach seinem inszenierten Tod meist in einer streng abgeschirmten Gegend lebende und mit neuer Identität ausgestattete Zeuge bleibt bis zum Gerichtstermin offiziell verstorben, was eine gründliche Auslöschung (to erase) sämtlicher Spuren voraussetzt.
US-Marshall Mason Pollard (Dominic Sherwood) ist ein solcher Eraser und hat in seinem neuesten Fall die bislang undercover für das FBI arbeitende Robyn Nhi (Jacky Lai) verschwinden zu lassen. Als schöne Gattin Rina des Gangsterboss Kosta Kimura hatte diese in einem unbeobachteten Moment dessen Safe geöffnet und diverses Beweismaterial an das draußen wartende FBI weitergegeben, war jedoch dabei erwischt worden und hatte ihren Ehemann im darauffolgenden Handgemenge aus dem Fenster gestoßen. Dessen rechte Hand Marco Sari (Nathan Castle) hatte das Geschehen jedoch mitverfolgt und schwört der "Verräterin" nun Rache.
Rina jedoch hat genug von ihrer Tätigkeit für das FBI und will aussteigen, was sie sich jedoch noch einmal überlegt, als Marco schon am nächsten Tag mit seinen Killern auftaucht und ihre Anwältin erschießt, bevor - gerade noch rechtzeitig - Mason auftaucht und sie selbst retten kann. Vor die Wahl gestellt, entweder lebenslang in Angst zu leben und sich zu verstecken oder sich "löschen" zu lassen und ins Zeugenschutzprogramm zu gehen, entscheidet sich Rina für Letzteres. Fortan unter dem Tarnnamen Rachel Madison lebend wird die Asiatin ins südafrikanische Kapstadt verbracht, wo der Eraser sich um sie kümmern soll.
Dort trifft alsbald auch Masons Mentor Paul Whitlock (McKinley Belcher III) ein, denn offenbar haben die Gangster mitbekommen, daß Rina trotz fingiertem Sturz vom Hochhaus doch noch am Leben ist: Marco ist mit einem Killerkommando bereits am Weg nach Südafrika. Rina selbst spielt allerdings auch ein doppeltes Spiel, da sie aus dem Safe mehr entwendet hatte als die für das FBI wichtigen Dateien. Und noch jemand spielt falsch, sodaß es für Mason zunehmend schwieriger wird, seine Kronzeugin zu beschützen...
Eraser, da war doch was... richtig, so hieß ein kommerziell nicht ganz so erfolgreicher Titel von Arnold Schwarzenegger aus dem Jahre 1996. Und den hatte sich Regisseur John Pogue zum Vorbild genommen, um 26 Jahre später nicht etwa eine Fortsetzung, sondern ein Remake auf die Beine zu stellen: Eraser: Reborn. Leider übernimmt er dabei das seinerzeitige Drehbuch fast komplett und läßt nur in ganz wenigen, für die Handlung unbedeutenden Szenen eigene Ideen einfließen. Somit hat man es dann beim 2022er Eraser mit einem Wiederaufguß der Story vom Spurenlöscher zu tun, die einen fast schon zu Vergleichen mit dem Original zwingt - eine denkbar schlechte Idee, denn die Neuauflage kann in Punkto Ausstrahlung der Hauptdarsteller dem Vorbild in keinster Weise das Wasser reichen.
Besser wäre es daher, man vergißt oder ignoriert das ursprüngliche Werk und konzentriert sich auf einen Action-Thriller, der recht flott beginnt und mit sauber abgefilmten Kämpfen und Shoot-Outs anfangs durchaus Interesse zu wecken vermag. Als die Fronten in Südafrika dann allerdings geklärt sind, läßt die Spannung merklich nach, um sich anhand diverser Albernheiten wie einem um keinen blöden Spruch verlegenen früheren Kronzeugen Masons oder einem Leute killenden Nilpferd im letzten Drittel irgendwann ganz zu verflüchtigen.
Schauspielerisch machen Sherwood und seine beiden Hauptgegner dabei gar nicht mal so eine schlechte Figur, was erst recht für die attraktive Jacky Lai gilt, doch da sich das Drehbuch viel zu sehr an das Original hält und jeglichen Mut zu eigenen Ideen vermissen läßt (von Seedcodes für eine Cold Wallet einmal abgesehen, die es Mitte der 1990er natürlich noch nicht gab), bleibt der 2022er Eraser eben nur einer von vielen Actionern in der großen Masse dieses Genres. 4 Punkte.