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Es hört sich nach einem Mädels-Wochenende an, als Beth (Leighton Meester) von ihrer Freundin Kate (Christina Wolfe) ins kroatische Split eingeladen wird - die beiden von ihrem Wesen her so unterschiedlichen Frauen sind ziemlich beste Freundinnen. Die blonde Amerikanerin Kate, gerade frisch geschieden, sucht an der Adria etwas Abwechslung, während die in London lebende Beth seit der Geburt ihrer kleinen Tochter aus dem Stress nicht mehr herauskommt und einen Tapetenwechsel durchaus gebrauchen kann. So harmonisch das Wiedersehen verläuft, so unterschiedlich sind allerdings die Erwartungshaltungen, denn Kate schleppt ihre Freundin in eine Disco, wo sie auch prompt von zwei Männern angesprochen werden. Während die auf einen Aufriss spekulierende Blonde das Anbaggern sichtlich genießt, ist es der verheirateten Mutter peinlich, sich von fremden Männern einladen zu lassen. Die beiden Freundinnen geraten darüber fast ins Streiten, doch dann tut der Alkohol seine Wirkung.
Als Beth am nächsten Morgen im Hotel erwacht, ist Kate verschwunden. Als sie am Boden Glassplitter und Blutspuren entdeckt, verständigt sie die Polizei - doch die zeigt wenig Interesse an der westlichen Touristin und meint, diese tauchen meist innerhalb von 24 Stunden wieder auf. Dafür erfährt Beth Hilfe von Seiten des Taxifahrers Zain (Ziad Bakri), der sie am Vorabend in die Disco gefahren hatte - der nämlich spricht mit dem dortigen Personal und bekommt heraus, daß die beiden Männer in der Disco bezahlte Callboys waren, die dort oft ihrem Geschäft nachgingen. Noch mysteriöser wird die Sache, als sich herausstellt, daß die verschwundene Kate höchstpersönlich die beiden angeheuert hatte...

Seichte Krimi-Unterhaltung auf TV-Niveau bietet Netflix mit seiner speziell auf ein weibliches Publikum ausgerichteten Produktion The Weekend Away, bei der eine weibliche Hauptdarstellerin in einem fremden Land ihre verschwundene Freundin suchen muß. Abgesehen vom Fehlen jeglicher Charakterentwicklung (so erfährt man nicht, was die beiden Freundinnen eigentlich verbindet, zumal die eine nach wenigen Minuten Screentime auch gleich verschindet) spielen Männer hier entweder servile Softies (Beths Ehemann Rob), verklemmte Voyeure (der Hotelbesitzer) oder böse Machos (der Polizist Pavic), einzige Ausnahme ist der - allerdings ohne erkennbaren Grund - äußerst hilfsbereite syrische Taxifahrer Zain.

Unter diesen wenig authentischen Vorzeichen beginnt das übliche whodunit-Spielchen, wobei hier im Minutentakt fast jedeR verdächtigt wird, um kurz danach wieder entlastet zu werden. Daß dabei vielfach logische Zusammenhänge außer Acht gelassen werden (z.B. wann jemand mit dem Flugzeug nach Split gereist ist scheint niemanden zu interessieren), einige wenige Subplots komplett im Nichts verlaufen (Kates Ex-Mann, die überzogene Kreditkarte etc.), billigen Klischees gehuldigt wird (überall sind Spycams installiert und eine absolut unglaubwürdige Affäre wird so nebenbei auch noch aufgedeckt) und am Ende ein riesiger Zufall, nämlich eine Perle aus einer Perlenkette (ja, wie kam die bloß dorthin?) die ebenso bodenständige wie biedere Beth auf die richtige Spur führt, verstärkt den negativen Eindruck, den der keinerlei Spannung erzeugende Streifen The Weekend Away beim Zuseher hinterläßt.

Fazit: ein lieblos verfasstes Drehbuch, in dem einige erfolgsversprechende Frauenthemen ohne jegliche Raffinesse wahllos zusammengemischt wurden, wenig überzeugende Darsteller, zu denen man keine Verbindung aufbauen mag - das einzig Positive sind ein paar malerische Ansichten des sommerlichen Split, doch hierfür muß man sich diese gähnend langweilige Krimi-Dutzendware nicht anschauen. 3 Punkte.

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