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Speziell in Gefilden eisiger Höhen gibt es einige Überlebensfilme, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Auch erfahrene Bergsteiger unterschätzen zuweilen die Tücken der Natur, was zahlreiche Bergretter bestenfalls zu Lebensrettern macht. Naomi Watts mutiert zu einer solchen und verleit dem Drama jene kraftvolle Performance, die man sich gleichermaßen im Bereich der prekären Rettungsaktion gewünscht hätte.

Pam (Watts) ist Bergretterin und Krankenschwester. Früh morgens macht sie sich zu einer Routinetour auf den Mount Washington auf, als sie ein Schneesturm zur vorzeitigen Umkehr zwingt. Auf einem Hügel verharrend entdeckt sie einen halb erfrorenen Mann (Billy Howle), den sie fortan John nennt. Um zu überleben, müssen sie es bis Einbruch der Dämmerung ins Tal schaffen…

Der Stoff basiert auf den Erinnerungen der real existierenden Pam, welcher von der polnischen Regisseurin Malgorzata Szumowska zu einem Survival-Drama umfunktioniert wurde und der es leider versäumt, die Hauptfigur von Beginn an etwas genauer zu durchleuchten. Zwar wird irgendwann eine Rückblende bemüht, die ein Familientrauma andeutet, doch mit einem genaueren Hintergrund wären Pams Motivationen deutlich besser nachzuvollziehen gewesen.

Dabei arbeitet die Kamera ohne Tadel, die raue und teils von Schneetreiben durchzogenen Landschaften sind übersichtlich gefilmt und auch bei den wenigen Temposzenen wird stets auf Höhe der Protagonisten gefilmt, etwa beim Sturz in eine Spalte und beim Lesen einer Fußspur, was mit der Egosicht einer Skibrille einhergeht. Die Eiseskälte wird spürbar und dennoch will der Funke nie so recht überspringen. Die wirklich prekären und brisanten Situationen werden zu selten für spannende Einlagen genutzt, hinzu kommt der Mangel an Dialogen, weshalb die vermeintliche Opferrolle von John nur bedingt funktioniert. Zumal er mit Turnschuhen ausgestattet anfangs kaum Anstalten macht, aktiv zur Rettungsaktion beizutragen.

Zwar helfen diverse Zeiteinblendungen, um die Tragweite der Rettungsaktion einordnen zu können und mithilfe soliden Make-ups zeichnen sich im Verlauf körperliche Defizite ab, doch unterm Strich bleibt der Überlebenskampf zu anonym und austauschbar, obgleich die beiden Mimen einige Stunts selbst übernahmen und einiger Strapazen ausgesetzt wurden. Watts ist in jeder Hinsicht in Topform und mit vollem Körpereinsatz unterwegs, doch erst in den letzten Minuten, als der eigentliche Rettungseinsatz bereits hinter ihr liegt, kann sie mit emotionalen Einschüben ihre schauspielerische Klasse unter Beweis stellen. Auch hier hätte man sich eine derartige Szene deutlich früher gewünscht, während dem Überlebenskampf bezeichnenderweise zum Finale hin die Puste ausgeht.

Somit kommt der Kampf gegen die Naturelemente leider nie über Mittelmaß hinaus und trotz versierten Handwerks und einem toll abgestimmten Score fühlt sich das kalte Treiben nie so dramatisch an wie es sich womöglich über einige Stunden abgespielt hat.
Die Szenerie schürt zwar Atmosphäre, doch der Thrill bleibt weitgehend aus.
5,5 von 10

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