Review
von Leimbacher-Mario
80s Flashback Deviluxe
Die 80er sterben nicht. Meiner Meinung nach ist das auch gut so. Dennoch kann ich die mittlerweile ziemlich angeödeten und genervten Leute verstehen, die das Jahrzehnt von Anfang an nicht derart gefeiert haben wie die Popkultur seit nun bestimmt auch schon wieder fast zehn Jahren. Ein Werk wie „My Best Friend's Exorcism“ gibt den augenrollenden „Was-Neues-Wollern“ definitiv recht und allen Grund zum Schütteln des Kopfes. Zu offensichtlich bis schlichtweg plump sind die Anspielungen und das Anbiedern an die Achtziger und deren Neonmagie zwischen Aerobic und A-ha. Clever oder subtil ist hier leider nichts. Wirklich hochwertig oder beeindruckend auch nichts. Alles recht geleckt, glatt und berechnend. Und dennoch hielt mich die zaghafte und flache Exorzismushorrorkomödie über ihre knapp 90 Minuten bei Laune. Mit ein paar Höhepunkten zu wenig. Aber mit genug Details zum Schmunzeln und Wegsnacken. Wir folgen einer Highschoolclique in ein einsames Waldhaus, wo das Wochenende etwas in Drogen und Gezicke ausartet. Doch eines unserer Mädels bringt scheinbar etwas noch viel Schlimmeres als einen Kater und angekratzte Freundschaften zurück mit in die US-Vorstadt…
Der bescheuerte und kaum ernstzunehmende deutsche Titel gibt schon die Richtung an. „My Best Friend's Excorsim“ ist Teenklamauk mit Gruselüberstrich. Ein Coming-of-Age-Retrogasmuschen. In den besten Phasen mit Erinnerungen an „Fright Night“, „Evil Dead“, „Night of the Creeps“ oder natürlich jegliche Exorzismusklassiker. In seinen schlechtesten Phasen ein auf der Stelle tretendes Werbevideo von 80s-Fans ohne jeglichen Gehalt oder Mehrwert. Ich mag Elsie Fisher sehr, deswegen gibt’s einen Bonus. Man muss schon wirklich alles feiern, was auf 80er macht, um hier nicht den Kopf zwischen Rubikscubes zu verstecken. Und der grieselige VHS-Abspann (oder auch die humorvolle Titeleinblendung) versprechen zu viel für den eher bemühten Rest. Die hauptsächliche Mädelsfreundschaft hat noch ihre Momente und wirkt aufrichtig. Die religiösen Bodybuildersidekicks (!) sind eine ganz knuffige Idee. Es gibt meterlange Magenwürmer und Gollum-artige Dämonen die ausgekotzt werden. Doch leider klingt's oder liest's sich eben besser als es im Endeffekt ist. Da wirkt sowas wie „Beyond The Gates“ (trotz ganz eigener Probleme) dann doch irgendwie authentischer und strikter.
Fazit: wer wie ich eine unverwüstliche 80s-Bitch ist kann „My Best Friends Exorcism“ eine Chance geben. Unschuldig und kindlich, oberflächlich und jung, berechnend und on your nose. Ein leichtfertiger und eher lustiger Halloweensnack. Aber bitte nicht das Niveau von „Summer of 84“ oder „Stranger Things“ erwarten. Amazons Anbiederung an den Zeitgeist und das wohl angesagteste Jahrzehnt aller Zeiten. Okay, gerade noch so. Teilweise aber selbst für mich nervtötend. Und das will was heißen.