*** SPOILERWARNUNG ***
Nur Deppen hier. So in der Art ist die Erfahrung von Noa (Daisy Edgar-Jones) mit den Typen, die sie per Dating-App kennenlernt. Da kommt der gutaussehende, nette Kerl an der Gemüsetheke im Supermarkt gerade recht. Man tauscht Nummern aus und ein gemeinsames Date steigert die Begeisterung, denn Steve (Sebastian Stan) ist nicht nur schnieke, sondern auch noch Arzt. Klingt doch gut. Zu gut?
Aussagen kann man hier einige sehen, so man dies will. Diese sind nicht allzu subtil, die alltägliche Fleischbeschau der Damenwelt macht der Film recht schnell klar. Das transportiert Regisseurin Mimi Cave in Ihrem Langfilmdebüt recht plakativ, muss aber wohl wegen der Rollendefinition so sein. Die weitere Analyse dazu spare ich mir ebenso wie die meisten der sich aufdrängenden Koch-Wortspiele bezüglich der Inszenierung. Aber ganz ohne geht dann auch nicht.
Denn „Fresh“ ist wie ein Menü, das man aus bekannten Zutaten, die man alle in der Genreküche liegen hat, zusammenstellt. Und sich dann wundert, dass es so gewohnt schmeckt. Dabei beginnt die Chose noch recht interessant. Erst schlechte Erfahrungen, dann der nette Typ im Supermarkt und ein bisschen Romanze – und dann der Cut in Form der Titelsequenz, die nach knapp dreißig Minuten erst über den Bildschirm wabert. Das ist schon recht direkt, wobei die Tonalität schon vorher, trotz der romantischen Anwandlungen, irgendwie ein mulmiges Gefühl hinterlässt. So recht wollte man dem Braten nicht trauen und sieht sich im weiteren Fortgang nur bestätigt.
Daisy Edgar-Jones hatte meine Sympathien zwar schnell auf ihrer Seite und man schämt sich zwischendurch schon für seine Geschlechtsgenossen. Dass diese durchaus der Realität entsprungen sind, ist offensichtlich. Wirklich auseinandersetzen wollte man sich mit dem Thema aber scheinbar nicht. Das gilt auch für manch anderen Aspekt des Handlungskonstrukts, sodass die Spannungskurve dann doch eher auf Sparflamme bleibt.
Zwar bleibt der Fortgang von Interesse, letztlich ist das Wie mal wieder interessanter als das Was, aber fesselnd ist das dann doch nicht mehr. Trotz des erschütternden Szenarios, welches sich aber selbst mit diversen Kichererbsen untergräbt. So richtig konnte man sich wohl nicht entscheiden, ob das jetzt Horror, schwarze Komödie oder Drama sein soll. Nicht, dass das nicht funktionieren kann, aber hier wurde die Intention der Macherin einfach nicht klar.
Alles zusammen verkocht sich zu einer nur zeitweise genießbaren Matschepampe. Dabei ist „Fresh“ für die Thematik, abgesehen vom Ende, überraschend unblutig geraten. Fraglich auch, ob nicht mit etwas Straffung der Film doch noch zwingender geraten wäre.
Sebastian Stan spielt mal überzeichnet, mal berechnend. Wie seine Figur seinem Handwerk mit beängstigender Selbstverständlichkeit nachgeht, ist schon ansehnlich. Der Rest vom Cast ist mehr Beiwerk, schön nach Liste zusammengestellt.
Mit seinem langgezogenen Showdown, der mit einer sehr gewollten Überraschung aufwartet, endet „Fresh“ dann doch etwas abgestanden. Der Genremix wirkt unentschlossen, ist nur szenenweise stark und mit guten Darstellern auch streckenweise unterhaltsam. Er bedient sich aber eben auch vieler bekannter Mechanismen und bietet daher zu wenig Überraschendes.