Review

Diese Serie wurde ja in höchsten Tönen gelobt und ist auf Apple TV+ sehr erfolgreich. Zunächst konnte ich das nicht nachvollziehen, fand die Serie nach den ersten Folgen eher durchschnittlich, wurde dann aber doch recht schnell abhängig. Nach lahmen Start und einer nicht ganz so tollen ersten Staffel, nimmt die Serie dann aber Fahrt auf und macht schnell süchtig. Zu Gute kommt dem, dass eine Staffel nur 6 Episoden hat, genau die richtige Zeit, um ihre jeweilige Agentenstory zu erzählen. 

Worum gehts? Die Slow Horses sind die Verlierertruppe des MI-5. Wer immer auch Mist baut, wird dann dorthin versetzt. In einer heruntergekommenen Zweigstelle oberhalb eies Restaurants mit klemmender Eingangstür. Und wer dort ist, wird zum Akten wälzen und Nichts tun verdonnert. Chef der Truppe ist Jackson Lamb, ein völlig heruntergekommener Säufer. Früher mal Top-Spion, heute ein Wrack. Faul, verlottert, aber geistig noch immer ein Genie und seinen Bossen viel zu unangepasst. Zum Team gehören dann moch Catherine, zugeknöpfte ältere Frau, Ex-Alki und früher mal Sekretärin des damaligen MI-5-Chefs. Dann Louisa, völlig gefrustet über ihr Dasein, Roddy, der Computer-Nerd und schliesslich River, Enkel eines ehemaligen hohen Tieres beim Geheimdienst. Nach einem verpatzen Einsatz jetzt neu im Team. Daneben noch 2-3 weitere Agenten, von denen auch immer mal einer das zeitliche segnet oder gefeuert wird und dann wieder durch einen anderen Looser ersetzt wird.

Man braucht etwas Zeit, um mit diesen Charakteren warm zu werden. Währen sie sympathisch, wären sie ja auch nicht dort. Die erste Staffel ist auch etwas tempoarm, alles wirkt etwas zäh, aber es wird besser werden.

Staffel 1 beschäftigt sich mit rechtem Inlandsterrorismus und mit den Intrigen innerhalb des MI-5. Immer wenn Schuldige gebraucht werden, schiebt man es gerne den Deppen in die Schuhe, aber die wissen sich zu wehren. Und so kämpft man in Staffel 1 auch gegen die eigenen Leute, um nicht Opfer einer Vertuschungsaktion zu werden, für die ihre Vorgesetzten auch über Leichen gehen.

In Staffel 2 dann eine echte altmodische Agentenstory: eine russische Schläferzelle wird aufgespürt.

In Staffel 3 geht es wieder um eine Vertuschungsaktion innerhalb des MI-5. In Sachen Härte legt man jetzt um einiges zu.

Staffel 4 bietet einen Angriff von ausserhalb auf Mitglieder des Teams. Der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt in der Vergangenheit von River und dessen Grandpa.

Staffel 5 kommt dann wohl noch dieses Jahr, 6 wird gerade gedreht, 7 ist in Planung.

Die einzelnen Saison-Geschichten sind nicht besonders realistisch, bieten aber grundsolide Spannung und können sehr gut unterhalten. Und wenn man mit Lamb erst mal warm geworden ist, wird man ihn lieben. Harte Schale, weicher Kern. Aber Vorsicht - der Typ ist auch ein eiskalter Killer, wenn es sein muss. In Staffel 4 gibts wenigstens mal einen neuen Mantel und man sieht nicht ganz so verlottert aus. Dennoch ein supergeiler Charakter!

Dass diese Serie so ein Erfolg ist, kann ich mittlerweile nachvollziehen. Erst mal angefangen, bleibt man hängen und man will immer mehr Lamb-Futter. Obwohl sie sehr von den Dialogen und den komplexen Handlungssträngen lebt, gibt es doch auch recht viel Action, Tempo und harte Gewalt. Erinnert mich ein wenig an die britische Agentenserie "Spooks"...

Sehr zu empfehlen!

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