Review

Wenn ein gestandener Regisseur wie William Friedkin einen Film macht,
der weitesgehend unbeachtet sein Dasein fristet, schellen Alarmglocken
und man kommt zu dem ( meist richtigem ) Vorurteil, dass dieser Film
berechtigterweise nicht in Taglines ala "Vom Regisseur von ...."
auftaucht. Da "Das Kindermädchen" jedoch vom Macher solch Klassikern
wie "Der Exorzist" oder "French Connection" stammt, ignoriert man die
warnenden Bauchgefühle und stellt nach Betrachtung überraschend fest,
dass die These von der Leiche im Kellers des Regisseurs in diesem Fall
nicht zutrifft und Befürchtungen unbegründet sind.

Größere Schwächen fallen nicht auf, Stärken aber auch nicht. "Das
Kindermädchen" profitiert weitesgehend von der routinierten
Inszenierung Friedkins sowie einer glaubwürdig agierender
Schauspielerschar. Die Spannung befindet sich aufgrund des
Wissensvorsprung des Zuschauers, wie die Story an sich im gemäßigtem
Bereich, lediglich die Gewaltszenen liegen über dem Durchschnitt. Die
Heftigkeit der Abgänge der 3 Rowdys im ungekürzten Original kommt doch
recht unerwartet und das Ende spart nicht nur mit Einsatz von
übermässig viel Kunstblut sondern zeigt auch das Kindermädchen als
Quasi-Vorab-Version der X-Men Mystique. Neben Jenny Seagrove, die eine
kühl-sexy Nanny Camilla gibt und viel nackte Haut zeigt sind
Ex-Bondgirl Carey Lowell und Miguel Ferrer in einer kleinen Nebenrolle
zu sehen. Der Showdown ist kurz und flüssig wie der Rest des
unspektakulär hingestrickten Drehbuchs und somit vergehen die knapp 90
Minuten, ohne dass erwähnenswerte Längen aufkommen.

Zugegeben, Friedkins zweiter Ausflug ( "Bug" wird wohl 2006/2007 sein
dritter Horrorfilm ) ins Fantastische wird keinen Vergleich mit "Der
Exorzist" standhalten können, aber um einen Abend gemütlich mit Chips
und Bier ausklingen zu lassen reicht es allemal.

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