Review

Eine atmosphärische Einleitung stellt zwar zunächst ein unkonventionelles Horrormärchen mit heidnischem Unterton in Aussicht, leider aber wird recht bald klar, dass zwischen "The Guardian" und Friedkins Glanzstück von 1973 in jeder Hinsicht Welten liegen. Und im Grunde könnte man schon durch die zwei Texttafeln zu Beginn vor der Oberflächlichkeit der ganzen Unternehmung gewarnt sein, weil man dem Zuschauer dort noch flugs eine ebenso hanebüchene wie überflüssige Erklärung fürs Druidentum reindrückt, weil der ja sonst den ganzen Film wahrscheins nicht kapieren würde.

Dabei kann dieser visuell immer wieder mal punkten, mit wirklich schönen und kontextbedingt auch ungewöhnlichen Bildern (ein Aufbäumen gegen die Beliebigkeit, um es mit einem Wortspiel auszudrücken), außer man hat grundsätzlich eine Abneigung gegen 80er Jahre Trockeneisnebel im Gegenlicht. Hin und wieder wird - wenn auch sparsam - sogar ganz ordentlich gesplattert. Was "The Guardian" jedoch völlig abgeht ist ein gescheites Pacing und jegliche Art von Spannung. Alleine schon die Voraussetzungen hierfür fehlen, denn entsprechend geeignete Szenen sind Mangelware und man merkt deutlich, dass die wenig vorhandenen rein funktional in den Film hineingebastelt wurden, ohne auf Stringenz im Hinblick auf die eigentliche Handlung zu achten. Bestes Beispiel ist eine kurze Sequenz im Park, wo Camilla von drei Punks bedroht wird, die dann im Anschluss sehr selbstzweckhaft massakriert werden. Andere Szenen, etwa eine sichtlich konstruierte Bedrohungssituation im Haus, verfehlen gänzlich ihre Wirkung. Unlogische und unglaubwürdige Verhaltensweisen tragen ihren Teil bei, so dass es der Handlung insgesamt oft auch an Kohärenz fehlt. Die literarische Vorlage merkt man dem Film jedenfalls nicht an.

Was das Niveau weiter runterzieht ist eine allgemeine Oberflächlichkeit, die sich vor allem gerade auch in den Dialogen ausdrückt. Die erreichen nämlich hin und wieder gar Softporno-Qualitäten. Als Kostprobe in Erinnerung geblieben(!) ist der Party-Anmach-Spruch des Jahres: "Ich baue gerade ein Haus... aber es ist ganz anders als dieses hier. Willst du nicht mal rüber kommen und es dir anschauen? Es ist wirklich interessant..." Ähnlich flach und plakativ wurden jedoch leider auch wesentliche Inhalte umgesetzt, auf denen nun mal die übersinnliche Hintergrundgeschichte fußt. Und selbst die Freizügigkeit mit der sich Jenny Seagrove vor über 20 Jahren inszenieren ließ, dürfte heutzutage weder besonders anrüchig noch besonders prickelnd anmuten.

Nur das recht derbe Finale rettet den Film somit insgesamt noch auf ein mittelmäßig durchschnittliches Niveau, der Unterhaltungswert bleibt indes selbst unter diesem Anspruch noch weit zurück, den heutzutage jede halbwegs ordentlich gemachte TV-Serie dramaturgisch erfüllt. Im Hinblick auf ein mögliches Remake hat Friedkin jedenfalls viel Luft nach oben gelassen.

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