kurz angerissen*
Mit dieser Verfilmung eines Romans von Dan Greenburg mag William Friedkin - für seine Verhältnisse - weit ins Kommerzielle eingedrungen sein, weil er sich beherzt allerhand Zutaten bedient, die zu jener Zeit in der großen Horrorkiste für jedermann zugänglich waren. Er jagt durch dunkle Wälder und leuchtet offene Wohnräume unheimlich aus, um den unsichtbaren Schmetterling des Okkulten einzufangen, wie es vor und nach ihm nur den Wenigsten gelungen ist. Vor allem aber spielt er sehr vordergründig mit den Ängsten junger Eltern um ihr Kind und verknüpft sie mit dem Modell der Nanny, einer Person aus dem äußeren Kreis, der man Zugang in den persönlichen Bereich gestatten muss, damit sie ihre Arbeit erfüllen kann.
Man kann dem Regisseur des so wegweisenden „Exorzist“ dadurch natürlich viel vorwerfen, nicht aber, dass er die vielen Einzelteile nicht zu einer schaurigen Gruselmär zusammensetzen konnte. Und das ist gar nicht so einfach wie es klingt: Wie will man das so fern wirkende Druidentum so verpacken, dass es den durchschnittlichen Zuschauer erreicht? In diesem Fall mit einer Menge Physis. Man hat das Gefühl, Entwürfe und Vorbereitungen für den ursprünglich als Regisseur geplanten Sam Raimi seien beibehalten worden, da sein „Tanz der Teufel“ im Sinne eines Naturschauspiels durchaus gewisse Spuren in dieser Produktion hinterlassen hat. Es sind letztlich keine Zaubersprüche oder magischen Wirbel, die das bedrohliche Moment in einen Käfig bannen, sondern der handfeste Einsatz einer Kettensäge. Beeindruckende Spezialeffekte sind über die gesamte Laufzeit mit dem Baumwesen und seiner umliegenden Saat verbunden; Friedkin ist sich nicht einmal zu schade, den dunklen Mächten ein Trio von Klischee-Bullies zu opfern, um die von einen Mainstream-Horrorfilm dann doch wieder beachtliche Härte unter Beweis zu stellen. Hinzu gesellen sich Koyoten, die ein Haus auf durchaus beängstigende Weise umstellen und nicht zuletzt das mysteriöse Kindermädchen, das von Jenny Seagrove mal vertrauensvoll, mal mysteriös-verführerisch und mal offen alienesk verkörpert wird.
Inzwischen, 27 Jahre später, leuchtet niemand mehr Filme in dieser Art und Weise aus und wählt derart obskure, traumartige Kameraperspektiven, um die Realität mit der Phantastik zu überrollen. Mag „Das Kindermädchen“ zum Zeitpunkt seiner Entstehung nichts Besonderes gewesen sein, sondern bloß solides Handwerk, in einer Reihe mit heutigen Filmen betrachtet bleibt er einer der wenigen überzeugenden Vertreter des okkulten Horrorfilms.
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