Hong Kong Version: 88:24mins
Für die meisten (westlichen) Zuschauer beginnt die Karriere von John Woo mit Heroes Shed No Tears, scheinbar kurz vor dem endgültigen Durchbruch mit A Better Tomorrow (1986) geschehen, scheinbar die erste richtungsweisende Arbeit, manchen bleibt noch ein Film aus den Siebzigern mit einem jungen Jackie Chan in Erinnerung, das sind aber dann schon die Liebhaber des Genres und des Hongkong-Kinos, die Meister. Der Fassungswirrwarr um diesen Film hier kam auch erst später zum Vorschein, dass die deutsche Version ursprünglich gekürzt war, war gang und gäbe und klar, aber dass es landeseigene Unterschiede, einen internationalen Cut und eine südkoreanische Ursprungsfassung gibt, ist erst seit wenigen Jahren bekannt und dann auch nur den Eingeweihten, mittlerweile wurde das Rätsel darum zumindest etwas gelüftet – jahrelang hiess es nur, dass Woo bei seiner Version vom Studio behindert wurde und die Produktion erst nach dem Durchbruch neu zusammengestellt –, etwas die offenen Fragen geklärt, sind die verschiedenen Fassungen mittlerweile doch regulär auf dem Markt und werden hinter mehr unter der Hand hin- und hergeschoben und kopiert. (Dass Woo zwischendurch Komödien à la Michael Hui gemacht hat, ist dann wieder eine andere Geschichte, aber nun an galt der Ruf nach "Action!", hier auch gleich zu Beginn und dann folgend präsentiert.):
Die thailändische Regierung heuert eine Gruppe chinesischer Söldner unter der Führung von Chan Chung [ Eddy Ko ] an, um den mächtigen Drogenbaron General Samton [ Jang Il-Shik ] aus dem Goldenen Dreieck nahe der vietnamesischen Grenze zu Laos gefangenzunehmen. Den Söldnern wie Chin [ Chin Yuet-Sang ] oder Chau Sang [ Ka Lee ] gelingt es auch, sich des Drogenbarons zu bemächtigen, doch seine Männer versuchen, ihn zu befreien. Auf dem Weg dorthin überqueren die Helden eine Grenzkontrolle und müssen sich dem sadistischen vietnamesischen Oberst Lt. Col. Nguyen [ Lam Ching-Ying ] stellen sowie die Familie von Chang Chung, seine Schwägerin Julie [ Lee Hye-Sook ] und seinen Sohn Kenny [ Ma Yingchun ] beschützen, die in einem Dorf in der Nähe der Grenze leben.
Ein Söldnerfilm also, wie man ihn zu damaliger Zeit eher von den Philippinen erwartet hätte, den Leuten um Teddy Chiu a.k.a. Teddy Page oder Cirio H. Santiago, hier mit einem Team aus verschiedenen Leuten und Ländern (wie Japan und vor allem Thailand in der Crew) zusammen geflickt und gepflügt, mit unterschiedlichen Interessen, HK selber war um die Zeit New Wave und Modern Age. Südkorea gerade erst beginnend, Taiwan probierte sich im Crime und im Antesten der Zensur aus, alles drin und alles dran hier, dazu ein Martial Arts Star in der Hauptrolle, mit Eddy Ko prägnant und das Gleiche im Gegenüber mit Lam Ching-Ying besetzt. Wie es der Wunsch der Klientel ist und wie es das Herz begehrt, fängt man auch gleich mit dem Groben an, dem Einstieg in eine Mission, der Rest ist dann der Weg zurück, der so gefährlich ist, nicht die erste Erstürmung, die erscheint brachial und trotzdem ein Kinderspiel, den Hinterhalt ausnutzend, das Überraschungsmoment, die Waffen Sekunden zuerst gezogen, ein Selbstmordkommando auf Erfüllung ihrer Mission, keine Action-Oper hier. Rabiat wird vorgegangen, die Montage noch etwas unstimmig, etwas außer dem Fluss und dem Rhythmus, Golden Harvest präsentiert.
Eine kurze Vorstellung, ein zusammengewürfeltes Team, manche aus Idealismus, manche für das Geld, manche, weil sie nichts Besseres zu tun haben und gut darin sind, wofür sie hier engagiert wurden, Immigranten aus China, knapp ein halbes Dutzend gegen den Rest der Welt. Wong Jing hat um die Zeit einen ähnlichen Film mit Mercenaries from Hong Kong (1982, für die Shaw Brothers) gedreht, zu empfehlen schon wegen der Darsteller um Ti Lung, Michael Chan, Lo Lieh etc. und der Seltenheit und allgemeinen Qualität übrigens, auch dort knallt und rummst es im Dauerakt, wird dort wie hier auch mit Zeitzündern, Sprengsätzen, Tretminen und Handgranaten engagiert. Eine brennende Karte, ein Blick auf die Uhr, das Maschinengewehr fast größer und schwerer als der Mann, der es trägt, Mensch und Tier unter Beschuss, selbst der Flammenwerfer eingesetzt, und das nicht bloß zur Vernichtung der Drogen, ein brennendes Schlachtfeld, einem die Knie durchschossen, Blut spritzt in die Kamera, eine Flucht steht an, den General im Gepäck. Im Goldenen Dreieck wird sich ausgetobt, ein Teil des Teams verloren, die Natur zerstört, dafür andere Formen der Schönheit gefunden, wenn auch nur für einen Moment, die Familie des Hauptdarstellers, mitten in der Landschaft lebend. Nachgefragt wird, nachgehakt, eine kurze Idylle, dann die Verwandtschaft angegriffen, eine Bedrohung im trauten Heim, eine Erpressung, eine Schießerei auf engstem Raum, große Löcher in die Gegenüber geschossen oder geschlitzt, eine Flucht nach vorn wird angetrieben, nun mit zusätzlichem 'Ballast', die Verfolger nah und fest auf den Fersen, etwas die Truppe vorgestellt.
Das Schauspiel eher rudimentär, hier aber passend, viele Mimiken, viele Gestiken, die Wunden am Körper und nicht in der Seele tragend, melodische Klänge auf der Tonspur, emotional versuchend, eher vergeblich. Dass die Ehefrau gerade ihren Vater vor ihren eigenen Augen verloren hat, zählt irgendwie gar nicht, kein Wort des Trostes oder anderweitig der Zuneigung; es ist passiert und geschehen, es wird hingenommen, die Grenze nah, die Wachmannschaften informiert. Eine Patrouille auf dem Posten, ein übles Spiel mit einem ausländischen Team gespielt, eine Reportertruppe in Gefahr, der Commander reagiert nur wegen seines Sohnes, eine Frau in Bedrängnis, weiter fallen die Toten, riesige Explosionen in nächster Nähe, ein Auto detoniert, ein Auge zuvor durchschossen, Massaker auf Massaker hier. Ein lokaler Stamm wird als Fährtensucher 'angeheuert', mit der gezückten Waffe und weiteren Leichen natürlich, ein grobes Gebaren überall, ein Niemandsland ohne Regeln und Gesetze, nur das Recht des Stärkeren zählt. Aus der Froschperspektive werden zuweilen die Versteckten oder die Angreifer erschossen, fallen in Richtung der Kamera, von Bäumen herunter, man hat es mit unterschiedlichen Gegnern zu tun, mit Ureinwohnern, die horrorartig in Zeitlupe aus der Erde oder dem Wasser auftauchen. Ein gewalttätiges Gehabe, Pistole gegen Sperre und Messer, zwischendurch etwas Nahkampf, auch das Kind wird als Geisel genommen.
Die Wunden häufen sich, die Totenberge sowieso, ein scheinbar undurchdringliches, unersichtliches Gelände, ohne den Hauch von Zivilisation. Ein Kind soll verbrannt werden, kein Anstand, keinerlei Moral, Benzin in den Gräsern und Wiesen verstreut, Ko reagiert noch passend, jahrelange Schauspielerfahrung, heute noch beschäftigt, hier als Recke eingesetzt, als Heroe aus der zweiten Reihe, schon Hauptrollen gehabt, aber nie ganz der A-Lister, immer eher die präsente Ergänzung, die wichtigen Nebenrollen, hier mal in den Fokus gesetzt, in das Scheinwerferlicht, zurecht. Der Rest neben ihm und Lam, welcher das folgende Jahr mit Mr. Vampire (1985) die Rolle seines Lebens finden sollte und ab da an tagein, tagaus in der derartigen Weise besetzt, ist eher einfach gehalten, vielleicht noch Chin Yuet-Sang, keine Leute, die (bis dahin) bis Massen in die Kinos zogen, der Film auch erst im Giftschrank gehalten, dann erneut herausgezogen und auch schnell für die internationale Auswertung angelegt. Dabei wird auch ein Russisches Roulette hier gezeigt, ähnlich wie in Die durch die Hölle gehen (1978), ähnlich wie später in Bullet in the Head (1990) die Filme aber nicht miteinander zu vergleichen, der hier ist haudrauf, simpel gehalten, mit mittig unnötig scheinenden Szenen, mit etwas groben Humor auch, 'HK-typisch'. Eine wirkliche Orientierung ist auch nicht vorhanden, mal ist man hier, mal dort, mal abgegrenzt vom Team, mal wird nur gemeinsam vorangeschritten, manche Szenen – wie die mit dem Glücksspiel, oder die Sexorgie – wirken tatsächlich im Nachhinein eingefügt, ein Menschenleben hier jedenfalls nichts wert. Mal etwas grundgütige Komik, dann wieder Gewalt um der Gewalt willens, dazu komplett verschiedene Parteien, die meisten nur hinter Geld und Golde her.
Das Maß an Gewalttätigkeit erreicht dabei einige selbst für das HK-Kino und Woo-Verhältnisse – Woo war nicht umsonst Assistant von Chang Cheh – einige ungeahnte Ausmaße, ein armer Geselle wird von Sperrspitzen mit Widerhaken schlichtweg durchbohrt, das kommt trotz bereits gesehener Attacken überraschend grausam, eine Reise durch das Elend hier, mit einigen abstrusen Schauplätzen, die wie aus Apocalypse Now (1979) und Heart of Darkness stammend wirken, inklusive Kriegsscharmützel in der Erinnerung und einer Art Pardiesort zur kurzen Erleichterung, ein Lebemann mit vielen Frauen als Blickfang, ein paar Nackedeiszenen als Anreiz, auch die Erklärung für das Schaffen des Helden hier, ein Green Card für Amerika, einer ist von dort 'geflohen', einer will dort einkehren, die "triviale Konversation" wird unterbrochen durch weitere Illusionen bis Halluzinationen, es wird geflirtet, eine kurze Auszeit genommen, dem Publikum mal etwas anderes als Blut präsentiert, ein Liebesakt angedacht, durch Laos marschiert und mit Badeschaum hantiert, etwas Drogen zur Erleuchtung genommen, zum Stillen des Blutdurstes, ein anderer Film plötzlich präsentiert, viel Barbusiges, Erotik ersetzt die Action, als Traumsequenz im Rausch fast, optisch einfältig, musikalisch nicht zum Besten.
Lange hat man hier keine Auszeit, ein weiterer Anschlag erfolgt im Morgengrauen, die Augen noch gläsern vom Opium, Gewehrkugeln, durchschlagen den Rückzugsort, die Sandsäcke zur Verteidigung, es wird zurückgeschossen und Deckung gesucht. Ein böses Erwachen, ein Ballett des Todes, von der Wucht der Mörser nach hinten geworfen, ganze Einrichtungen zerstört und weggebombt, längst keine Rücksicht mehr auf den Gefangenen, die 'Geisel' genommen. Im Kugelhagel wird gezappelt, den leblosen Kameraden im Arm, das Blut ketchupfarben, dennoch wirksam genug, die Einschüsse deutlich eingefangen, die Bomben nah an den Darstellern, die Second Unit um Chin Yuet-Sang auf Hochtouren. Ein Kriegsfilm wie später Windtalkers (2002, zumindest im DC) eindeutig in der Aussage, aber ebenso simpel in der Erzählung, ein Gräuel und ein Horror, die Maskerade leistet ganze Arbeit, längst vom 'normalen' Actionfilm weg, längst in einem anderen Genre, einer anderen Sphäre angekommen. Stolz war Woo nicht auf 'seinen' Film, stolz war er erst auf A Better Tomorrow, ihm hier die Handhabe entrissen und zusätzliches Material eingebunden, nun zu einer Art Cannibal Mercenary (1983) nebst Sequel (1989) bis fast zur Übersättigung geworden, das Treiben hier kennt nur Verlierer, das Kämpfen wird zur grotesken Obsession, haarsträubende Stunts und Unfeinheiten auch in den Martial Arts Aktionen.