Review

International Cut 85:04mins

"Heroes Shed No Tears was a disaster to shoot. That was my first attempt on making gunfire movies. Things were not ideal. I had to keep tweaking the stories as I shot."

~ John Woo

Grobschlächtiger Kleinriegsfilm mit Zusammenarbeit aus HK, Südkorea und Thailand, zu einer Zeit, als Regisseur John Woo noch seinen Weg suchte und sich ausprobierte, trotz bereits einem guten Jahrzehnt eigener Arbeiten und der zwischenzeitlichen und anfänglichen Assistenz bei Chang Cheh. Woo drehte Martial Arts, er filmte eine chinesische Oper, er orientierte sich an dem Stummfilmkino um Charlie Chaplin, eine gleichzeitige Vielfältigkeit wie auch später, bei der Rückkehr aus Hollywood geschehen, mehrere Genres abgegrast,, aber nur als Filmemacher für Action ein Begriff. Die HK-Fassung Heroes Shed No Tears lehnt der Regisseur strikt ab, "war eine stupide Auftragsarbeit nach einem fremden Skript mit viel Sex und jeder Menge Albernheiten. Mir gefiel das überhaupt nicht, und so habe ich das Drehbuch erstmal umgeschrieben und den Film dann nach meinen eigenen Vorstellungen gedreht. Die Produzenten waren sehr wütend. Ihnen hat vor allem der Schluss, den man nicht gerade als Happy End verkaufen konnte, nicht in den Kram gepasst und auch nicht, dass ich den Beziehungen der Charaktere untereinander sehr viel Aufmerksamkeit widmete. Sie haben diesen Film einem anderen Regisseur übergeben, der ihn nach ihren Vorstellungen zur Hälfte neu nachgedreht hat. Heroes Shed No Tears ist nicht mein Film, ich will damit nichts mehr zu tun haben.":

~ Einleitung zu The Sunset Warrior a.k.a. Close Call With Death (1983/84)

"Für die meisten (westlichen) Zuschauer beginnt die Karriere von John Woo mit Heroes Shed No Tears, scheinbar kurz vor dem endgültigen Durchbruch mit A Better Tomorrow (1986) geschehen, scheinbar die erste richtungsweisende Arbeit, manchen bleibt noch ein Film aus den Siebzigern mit einem jungen Jackie Chan in Erinnerung, dass sind aber dann schon die Liebhaber des Genres und des Hongkong-Kinos, die Meister. Der Fassungswirrwarr um diesen Film hier kam auch erst später zum Vorschein, dass die deutsche Version ursprünglich gekürzt war, war gang und gäbe und klar, aber dass es landeseigene Unterschiede, einen internationalen Cut und eine südkoreanische Ursprungsfassung gibt, ist erst seit wenigen Jahren bekannt und dann auch nur den Eingeweihten, mittlerweile wurde das Rätsel darum zumindest etwas gelüftet - jahrelang hiess es nur, dass Woo bei seiner Version vom Studio behindert wurde und die Produktion erst nach dem Durchbruch neu zusammengestellt - , etwas die offenen Fragen geklärt, sind die verschiedenen Fassungen mittlerweile doch regulär auf dem Markt und werden hinter mehr unter der Hand hin- und hergeschoben und kopiert. (Dass Woo zwischendurch Komödien à la Michael Hui gemacht hat, ist dann wieder eine andere Geschichte, aber nun an galt der Ruf nach "Action!", hier auch gleich zu Beginn und dann folgend präsentiert.):"

~ Einleitung zu Heroes Shed No Tears, HK-Fassung (1986)

Was gerne als Frühwerk eines bis dato unerfahrenen und in die Mühlen der Produzenten geratenen Anfänger von Regisseur gesehen wird, ist die Arbeit eines Mannes, der im Grunde bereits ein Dutzend Produktionen im Köcher hat, dazu Produktion oder Beratung oder Co-Regie bei den Hui-Brothers um Michael, Ricky und Samuel, und sowieso ein Ausbrechen und Ausprobieren verschiedener Genres, darunter (erfolgreiche) Komödien, Martial Arts Dramen um The Young Dragons (1973) und Hand of Death (1975) oder Last Hurrah for Chivalry (1979) und Chinesischen Opern wie Princess Chang Ping (1976). Es gibt auch keinen Grund, sich vollständig von später als Heroes Shed No Tears betitelten, nach dem Erfolg von A Better Tomorrow veröffentlichten Werk abzugrenzen, es sind andere Szenen drin, die Gesamtfassung ist aber erahnhbar, es wird nicht etwa zur Hälfte neu gedreht, sondern vielleicht 10 bis 20 %. Zur allgemeinen HK-Fassung gab es noch einen Internationalen Schnitt, der hier unter die Lupe genommen wird, ansonsten hat das Werk sowieso Unikatswert, es gibt außer Sammo Hungs Eastern Condors und dem so gut wie unbekannten Mountain Warriors kein inländischer Film, der derart mit dem Kriegsgenre spielt:

Die thailändische Regierung heuert eine Gruppe chinesischer Söldner unter der Führung von Chan Chung [ Eddy Ko ] an, um den mächtigen Drogenbaron General Samton [ Jang Il-Shik ] aus dem Goldenen Dreieck nahe der vietnamesischen Grenze zu Laos gefangen zu nehmen. Den Söldnern wie Chin [ Chin Yuet-Sang ] oder Chau Sang [ Ka Lee ] gelingt es auch, den Drogenbaron in Gewahrsam zu bringen, doch seine Männer versuchen, ihn zu befreien. Auf dem Weg dorthin überqueren die Helden Vietnam und müssen sich dem sadistischen vietnamesischen Oberst Lt. Col. Nguyen [ Lam Ching-Ying ] stellen sowie die Familie von Chang Chung, seine Schwägerin Julie [ Lee Hye-Sook ] und seinen Sohn Kenny [ Ma Yingchun ] beschützen, die in einem Dorf in der Nähe der Grenze leben.

Selbst für einen John Woo ist die Setzung der Waffen in Szene hier auffällig, in der Nahaufnahme präsentierter, ein eigener Gegenstand, der sich im Kampf zum verlängerten Kampf des jeweiligen Kriegers auswirkt; gerade der einleitende Überfall auf den Drogenbaron und seine Labor hat diese besondere Art des Gestus, das Setzen von Aufmerksamkeit in Vorbereitung, der Herausfordern und Erzwingen von brutaler Gewalt. Halbtotalen und Totalen wechseln sich später noch ab, etwas grob montiert, nicht so im Feingefühl wie ein Jahrzehnt später, hier eher im Hauruckverfahren, mal stockend, dann kurz flüssig.

In Augenschein genommen werden Angreifer und Verteidiger, kurze Vorrede, paar Sekunden nur, dann schon der Überfall auf die Kriminellen, kurzer Prozess gemacht auch, aus der Nähe mehr gefeuert als aus der Distanz, mit Großkaliber, mit der Pistole, mit dem Flammenwerfer, musikalisch rau bestückt, noch nicht ganz die Einheit findet, den Rhythmus, eher das Mayhem, eine alte Tempelbaute mitten im Nichts von allen Seiten überrannt. Beidhändig gefeuert mit den Revolvern wird auch hier schon, viel Schaden durch Granaten angerichtet und durch Minen, es gibt nur ein Ausweichen nach links oder rechts, und selbst diese Seiten sind abgedeckt, die Männer wissen, wie man tötet, man wie Missionen erledigt.

Mensch und Tier in Gefahr gebracht, dazu 'brennende Fackeln', den Gegner angezündet und bei lebendigem Leibe verbrannt, dann schnell die Flucht, in der Eile liegt die Not. Eine Actionszene, die wie die vielen noch kommenden eher durch ihre Brutalität aufwartet und Wirkung zeigt als durch die Montage, teilweise als Horrorfilm gezeichnet, ein Eindringling in ein bis dato friedliches Heim, die englische Sprachfassung entsprechend in Hauptsätzen, "Drop your gun!".

Eine Szene in dem bislang traute Heim sieht fast aus wie später bei Cohen & Tate (1989) a.k.a.Hitman – In der Gewalt der Entführer, der Überfall auf das Safehouse, das Zeugenschutzprogramm, mehrfach gefeuert, bis der Mann rücklings und blutüberströmt aus dem Fenster, hier aus der Bambuswand stürzt; ob Zufall oder nicht, entscheidend ist das Wissen um Wirkung und Effekt, Woo hier einigen seiner Landsleute voraus, gerade zu dem Zeitpunkt, und wo er nicht einmal zur Neuen Welle dazugezählt wird. Ansonsten eine Reise wie die zu Colonel Kurtz, durch befeindetes, fremdes, undurchdringliches Niemandsland, teilweise neblig auf den befahrbaren Straßen, dann wieder Rauchschwaden und Kanonaden.

Die neuen Szenen, die 'lustigen' und Gambling-Einheiten zwischen meist Ka Lee und Chin Yuet-Sang sind hier natürlich auch inkludiert, ansonsten wenig Ruhepausen, speziell nach dem Zwischenfall an der Grenze nicht mehr, dann von verschiedenen Parteien gejagt, alle mit demselben Ziel, dem gleichen Auftrag. Eine Enthauptung und ein Kopfschuss später greift das Selbstmordkommando ein, ein direkter Treffer ins Auge, die Brille zersplittert, die nächste Übermacht überrannt, mittlerweile in der Übung und auch besser ausgebildet und bewaffnet, hier nun die Explosionen ins Visier genommen, die Flammenbälle, die Detonationen, die Destruktionen, eine offensive Gangart mit viel Zerstörung bis zur Materialschlacht gleich, zwischendurch neue 'Freunde', sprich viel mehr Feinde als eh schon gewonnen.

Erinnern tut der Film in seiner zuweilen ausschweifenden und ausführlich eingefangenen Gewalttätigkeit eher an frühes Kino von Tsui Hark, an dessen Grenzgänge an der Gesellschaft entlang und gegen die Gesellschaft, Dangerous Encounter of the First Kind bspw., hier wird überall blutig draufgehalten und es entwickelt sich ein Sog der rohen, ungeschminkten Gewalt und verbrannten Erde, der in seinem späteren Werk derart deutlich nicht anzutreffen war, vielleicht am ehesten von der Wirkung her noch in Bullet in the Head, aber dort auch erst spät und nur gen Ende hin. Menschenleiber werden von Sperrspitzen durchbohrt, von Widerhaken, werden mittig aufgeschlitzt oder durchlöchert, die Kamera hält immer darauf, selbst die neu ergänzten Szenen – dessen Regisseur nicht genannt wird und leider nicht bekannt ist; ansonsten sind viele Assistant Director wie Woosche Bekannte um Yeung Wa, Patrick Leung, und Shin Wi-Gyoon: Shin war auch für die koreanische Fassung von Postman Strikes Back (1982) mit zuständig und werkelte mit Woo bei The Dragon Tamers (1975) zusammen arbeiten mit dieser Methode des Alles Zeigen, ohne Rücksicht auf Verluste, ohne 'falsche' Hemmungen. Es wäre zu einfach, diesen Blutzoll mehr der Assistenz bei Chang Cheh herzuleiten, vorher und nachher ward dies(er Sadismus) nicht mehr gesehen und nicht mehr geschehen.

Hauptdarsteller Eddy Ko ist übrigens mehr als passend in der Rolle des einsilbigen Protagonisten, ebenso wie Lam als Antagonist hier eindrücklich Präsenz auch ohne Worte, einfach nur mit Blicken und seiner Mimik zeigt; beides Schauspieler, die zum Entstehungszeitpunkt keine Stars waren, aber schon ihre jahrelang, seit den frühen Siebzigern bestehende Erfahrung hatten und hier mehr als deutlich ihre Wirkung zeigen. Und: Die Stuntarbeit ist auch wahnwitzig, Bomben, und Granateinschläge aus nächster Nähe, dazu Frauen und Kinder mittendrin.

Details
Ähnliche Filme