Review

SCHRAMM
Der Film entstand als „Antwort“ auf DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER, weil Buttgereit den nach eigener Aussage für einen Werbefilm fürs FBI, aber nicht für einen Film über einen Serienmörder hielt. Das klingt vielleicht ein wenig großspurig, besonders weil SCHRAMM auf psychologischer Ebene auch nicht gerade besonders toll funktioniert. Es geht um den Serienmörder Schramm, der in seiner kleinen Mietwohnung vor sich hin vegetiert, seine Nachbarin (die Hauptdarstellerin aus NEKROMANTIK 2) begehrt, aber zu schüchtern ist, mit ihr etwas anzufangen, obwohl sie offenbar nicht abgeneigt wäre. Gelegentlich bekommt Schramm Besuch (z.B. von den Zeugen Jehovas), die er dann in die gute Stube lockt und eiskalt tötet. Warum er das tut, wird nie auch nur ansatzweise erklärt. Der Film beschränkt sich lediglich darauf, uns Schramms Unfähigkeit zur Knüpfung sozialer Kontakte sowie seine seltsamen Visionen zu offenbaren. Außerdem beginnt der Film mit dem Unfalltod des Mörders und schildert seine letzten Tage im Rückblick, wobei Wiederholungen kurzer Szenen oder wilde Kamerafahrten als häufiges Stilmittel eingesetzt werden. Wie für Buttgereit üblich, ist die Musik mal wieder sehr düster und unheilvoll. Aber das alles lässt nicht darüber hinweg sehen, dass es dem Film an Inhalt und Substanz mangelt. Schwindel erregende Kameradrehungen über einem Bett ersetzen eben keine tiefgründigen Dialoge oder eine aussagekräftige Mimik. Zu viele Flashbacks bleiben unverständlich. Und das Ende (im Himmel?) ist auch sehr merkwürdig. Künstlerisch mag SCHRAMM vielleicht sogar anspruchsvoll inszeniert sein, aber zu einem richtigen Serienmörderfilm gehört schon etwas mehr handfeste Aufarbeitung des Charakters der Hauptfigur. Seine Visionen und Träume reichen da nicht aus.
Der Film lief vor einigen Jahren mal auf VOX, aber leider zensiert (gepixelt). Ein paar harte Szenen sind schon drin. Aber letztlich ist es nur ein weiterer relativ langatmiger Kunstfilm, der mir beim zweiten Ansehen schon nicht mehr so gut gefiel wie beim ersten Mal.
5 von 10.

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