Review

SCHRAMM – into the mind of a serial killer

Schramm mordet in der Anonymität der Großstadt. Er ist nach Außen hin ein ruhiger, zuvorkommender Mann; niemand würde je ahnen, dass er zurückgezogen in seiner eigenen kleinen Welt lebt und es für ihn zur Selbstverständlichkeit geworden ist zu morden.

Schramm ist tot - so beginnt Buttgereits Film. Er ist von der Leiter gestürzt, als er das Blut seiner Opfer an den Wänden überstreichen wollte. "Der einsame Tod des Lippenstift-Mörders" heißt es in der Zeitung. In dem Film erleben wir die letzten Tage in Lothar Schramms Leben. Wir lernen seine Gewohnheiten kennen, beobachten ihn bei seinen Morden, begleiten ihn durch seine ständigen Halluzinationen (Kastrationsangst) und erleben die vergeblichen Annäherungsversuche an seine Nachbarin, die als Prostituierte arbeitet.

Schramm wird weder als Monster dargestellt, wirkt auch nicht besonders cool oder ist sehr intelligent und gerissen, wie ein Hannibal Lecter. Mit diesen Eigenschaften wiederspricht er den gängigen Serienkiller-Typen der heuten Filme. Er vermittelt mehr das Bild eines kranken Mannes, der einem eher leid tut, als dass man ihn hasst.

Buttgereits Film hat eine sehr bedrückende Atmosphäre, die nicht zuletzt durch den genialen Soundtrack unterstützt wird. Die Anonymität, die Eintönigkeit des Alltags aus der sich Schramm durch seine Morde zu lösen versucht kommt perfekt rüber. Einen sehr wichtigen Punkt bei der Atmosphäre macht auch die ausgezeichnete, etwas ausgefallene Kameraführung mit ihren rasanten Drehungen und Spiralfahrten aus.
Die Darsteller sind alle recht gut, besonders die beiden Hauptdarsteller wirken teilweise schon sehr professionell. Nochmals zu erwähnen ist der absolut geniale Soundtrack, der perfekt auf den Hauptdarsteller abgestimmt ist (kommt besonders gut in den Szenen, in der die Kamera erst über Schramms Schulter fährt, als er sich auf die Waage stellt und dann trainiert).
Außerdem gibt es noch einige, für Buttgereits Verhältnisse gute Splattereffekte, auf die ich allerdings nicht näher eingehen will, da sich niemand den Film nur deswegen anschauen sollte.

Da der Film keine feste Handlungsreihenfolge hat, sondern größtenteils in Rückblenden erzählt ist, ist es sehr schwer ihn beim ersten Sehen gleich zu verstehn, also -> besser zweimal anschauen. Der ganze Film wirkt etwas surrealistisch (durch die Rückblenden, die ausgefallenen Kameraführung und die ständigen Halluzinationen), was ihn nicht für Jeden attraktiv macht.

Mein Fazit:
Ein schwer verdaulicher Film, von dem ich jedem abraten kann, der nichts für außergewöhnliche Filme übrig hat b.z.w. kein Fan von Buttgereit ist.
Für mich ein Meisterwerk, dass viel zu wenig Beachtung fand und findet.

10/10 Punkten

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