Der Gag des Stars, der eine – meist unsympathischere oder erfolglosere – Variante von sich selbst spielt, hat vor allem im Comedygenre Tradition, am längsten hielten dies bislang wohl Jerry Seinfeld (9 Staffeln) und Larry David (aktuell bei Staffel 11) durch, Deutschland hatte Pastewka. Anfang der 80er konnte man Roger Moore dabei zusehen, wie er in THE CANNONBALL RUN genüsslich sowohl seine Schauspielerpersona als auch seinen James Bond-Charakter durch den Kakao zog. Unter den Filmstars war Jean-Claude Van Damme zuletzt prominent auf der Metaebene unterwegs – in JCVD (2008) und der TV-Serie JEAN CLAUDE VAN JOHNSON (2016/17).
Auf dem Papier las es sich daher wie ein naheliegender und längst überfälliger Schachzug, diesen Dreh mit dem verrückten Vielfilmer Nicolas Cage zu erleben. Das Erstaunlichste dabei: Das Ergebnis ist noch besser geworden, als man dies erwartet hätte – nicht umsonst ist dies der auf der IMDb am besten bewertete wirkliche „Nicolas Cage-Film“ seit 2005.
Nicolas Cage spielt Nicolas Cage, der sich zudem gelegentlich in Zwiesprache mit seinem Mentor Nicky Cage wiederfindet, der wiederum die jüngere Nicolas Cage Version aus WILD AT HEART darstellt. Zwischen Comebackversuch („Not that I went anywhere!“) und Karriereende lässt er sich für eine Million von Megafan Javi (Pedro Pascal – obwohl Cage wohl versucht war, auch diese Rolle noch zu spielen) als Geburtstagsgast engagieren und wird überraschend von der CIA zu Spionagezwecken eingespannt. Klingt kompliziert, macht aber Spaß.
MASSIVE TALENT bietet genau die richtige Menge Meta für intelligente Unterhaltung, bei der es zudem nicht schaden kann, wenn man sich etwas in Cages Oeuvre auskennt. Denn Javi und Nick (!) verstehen sich prächtig (Javis Lieblingsfilme: 1. FACE/OFF, 2. DAS CABINET DES DR. CALIGARI, 3. PADDINGTON 2) und entwickeln gleich ein Filmskript zusammen, dessen Struktur der Film, den wir gerade sehen, dann auch prompt folgt. So bekommen wir nicht nur eine Buddy-Comedy, sondern auch noch Gangsteraction und was fürs Herz geboten – köstlich (wenn auch nicht ganz so schön wie PADDINGTON 2).
In den Deleted Scenes der DVD gibt es dann auch noch ein echtes Kabinettstückchen, das im Film wohl zu viel Raum eingenommen hätte: Ein Best of aus Cage-Filmen, inszeniert im Stil von CALIGARI. Ein Fest für aufgeschlossene Filmfans.