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Satire, Groteske, Hommage, Selbstbeweihräucherung, längst fällige Huldigung, Actionkomödie mit Metaebene, Abbild des Filmgeschäftes und Abgleich vom Sein und dem Schein, all dies ist (The Unbearable Weight of) Massive Talent, eine Vorwegnahme von Dream Scenario mit anderen Mitteln, eine Wiederholung von Adaption, eine Variation von Being John Malkovich, hier mit einem ähnlich gebildeten Darsteller, einem ähnlich facettenreichen Schauspieler, in der Kunst erfahren, der Kultur vorneweg schreitend, teilweise mit gleichen Problemen (bei Malkovich schlechte Berater, bei Cage bei Ausgaben als Einnahmen und eine Steuerschuld) und gleichen Lösungen, dem Spielen um des Spielens willen und müssen, als Brötchenverdiener, zur Finanzierung des Lebensunterhaltes, zur Ableistung. Cage hat sich wieder nach vorne gespielt, vollkommen zu Recht auch, The Surfer in den Startlöchern, Pig oder Mandy im Rücken, beeindruckende Leistungen in ebensolchen Werken, hier eher als Luftikus der Film, unterstützt durch einen derzeitigen Star, dem es mal ähnlich 'dreckig' ging und nun gerade seine 15 Minuten Ruhm erlebt:

Hollywood-Schauspieler Nicolas "Nick" Cage [ Nicolas Cage ] kämpft mit seiner Karriere, nachdem er bei mehreren großen Filmrollen übergangen wurde und ständig von "Nicky" [ Nicolas Cage ] belästigt und gequält wird, der ihm als sein jüngeres (und erfolgreicheres) Ich erscheint. Auch seine Beziehung zu seiner Ex-Frau Olivia Henson [ Sharon Horgan ], eine pensionierte Filmmaskenbildnerin und seiner Tochter Addy [ Lily Mo Sheen ] ist von jahrelanger emotionaler Vernachlässigung geprägt. Nach dem Verlust einer Schlüsselrolle in der Filmbranche und einem peinlichen Vorfall auf Addys Geburtstagsfeier kündigt Nick an, sich von der Schauspielerei zurückziehen zu wollen. Er beschließt, ein vages Angebot seines Agenten Richard Fink [ Neil Patrick Harris ] über 1 Million Dollar anzunehmen, das vorsieht, nach Mallorca zu reisen, um den Milliardär und Playboy Javi Gutiérrez [ Pedro Pascal ] zu treffen, um der Ehrengast an seinem Geburtstag zu sein. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als es kommt, wird er doch bald von den CIA-Agenten Vivian Etten [ Tiffany Haddish ] und Martin Etten [ Ike Barinholtz ] kontaktiert.

Lionsgate sitzt hier am Drücker, Con Air wird eingespielt, im Fernsehen laufend, "Der Typ ist eine echte Legende", der Film kann nicht zu Ende genossen werden, das Wichtigste hat man aber schon gesehen, dann steigt ein Überfall aufs Traute Heim, eine Home Invasion, ein Kidnapping, Überblende zu Nic. Referenzen werden hier gezeigt, David Gordon Green zum Vorsprechen gedrängt, ein Vorspielen in der Öffentlichkeit, eine Ekstase, eine Offensive, ein Spiel mit sich selber, ein Überbleibsel zum jüngeren Ich. Der Unterschied zwischen Schauspieler und Filmstar wird hier gemacht und gezeigt, über die Karriere wird reflektiert, über den Job, der Beruf als Berufung, der Verlust der künstlerischen Begabung angesprochen, eine Psychologin heimgesucht. Ein Gespräch mit sich selber und mit anderen, mit der Familie und dem Mann selber, über "Die Insel der Doktor Calamari", über "Das Kabinett des Dr. Caligari", der Film selber draufgängerisch, es wird die eigene Laufbahn an erster Stelle gestellt, es gibt ein paar Gastauftritte, mal höchstpersönlich, mal in einer anderen Figur.

Um das Ändern des Bewusstseins geht es hier, man will wieder in die Öffentlichkeit, auf den Hollywood Boulevard, in die Wahrnehmung der Zuschauer und der Kritiker, man kämpft darum, es ist das Wichtigste für ihn, für alle anderen ist es eine Obsession. Cage macht das mit Spielfreude, er tobt sich aus, er spielt auch eine Figur, die zufällig heißt wie er selber und er selber sein soll, aber natürlich nicht ist, ein Blick in den Spiegel, herauskommt eine 30 Mio. USD teure Komödie, die mal die Pointe findet und mal nicht, die kräftig gehalten ist im Ausdruck, es geht um Talent und Beobachtung, um Bedeutung und Verschwendung, um das Hier und Jetzt, um die Vergangenheit und die Zukunft. Ein bisschen Gefühl kommt auch hinein, Gefühlsseligkeit, mit den Clowns kamen die Tränen, ein Zwiespalt zwischen Wollen und Können, zwischen Wissen und Werden, es wird über das Aufhören der Schauspielerei gesprochen, hier im Film und auch in der Realität, Cage selber hat zur gleichen Zeit von einem absehbaren Ruhestand, dem Retirement Plan gesprochen.

Seine eigenen Filme guckt der Darsteller hier nicht an, er blendet sie weg, Mondsüchtig wird erwähnt, Face/Off, The Croods 2, Cage schon seit den frühen Achtzigern als Akteur tätig, eine lange Laufbahn, mal auf, mal ab, mal wieder auf, mal wieder ab, wie üblich in der Wirklichkeit, (fast) keiner bleibt für immer oben. Eine Fantasiewelt wird hier gezeigt, mal in Luxus auch geschwelgt, mal in die Witze im Dauerfeuer abgeliefert, mal gröber, mal feinsinniger Natur, eher bunt und draufgehalten, "Es muss toll gewesen sein, ein Star zu sein. Und jetzt...". The Rock wird auch erwähnt, die Blockbuster, die Klassiker, die Millionengagen, das "Stanislawski-Impro-Ding", der Film auch mal mit dem Holzhammer gezeichnet, immerhin in atemberaubender Optik, ein Urlaubs- und Ferienparadies, eine Reicheninsel, es werden auch die kleinen, die unterschätzten, die übersehenen Werke erwähnt, Cage kennt sie natürlich alle, er hat ja mitgespielt, sein Gegenüber kennt sie als Liebhaber und Fan, Woo wird gelobt, Treffer und versenkt, es wird über die Lieblingsfilme gesprochen, die Top 3 zumindest. Eine Freundschaft hier erst am Entwickeln, da weiß man aber noch nicht, wo und wohin und mit wem man spricht und gemeinsam ein Bad nimmt, die Gangsterklamotte kommt noch, erstmal wieder ein Gespräch mit dem jüngeren Ich, später die Standing Ovations.

Overacting wird hier betrieben, mit Absicht natürlich, alles hier ist mit Absicht, nicht alles funktioniert, vielleicht die Hälfte an Witzen, zu Beginn des zweiten Viertels werden die Karten auf den Tisch gelegt, die Prämisse offenbart, die schamanische schauspielerische Kompetenz gegen die Ermittlungen der US-Regierung, der Spionagefilm installiert, auf das Kidnapping zurückgesprungen, Cage als Geheimagent in Zivil dann, in einer gefährlichen Mission, mit Herumgeschleiche im Anwesen, die Kalauer im Hintergrund, eine Verschwendung von Talent quasi, "Action!", eine direkte Präsentation. Pascal ist auch wichtig als Begleiter und Gegenüber, er stellt das zweite Standbein dar, er wird angetrieben durch Tess und ihr Bodyguard, auch die kleinen Opfer erwähnt, die längst vergessene Vergangenheit, das Spielen um Tod und Leben, um starke Charaktere gehend, die Performance aufgeführt, eine Männerfreundschaft in Postkartenlandschaften installiert. Die Genres werden gewechselt wie andere die Kleidung, ein Buddy Picture, ein Psychothriller, ein Abenteuer, ein Zwischenspiel auf Acid, immer eine Nummer darauf und drüber, Gone in 60 Seconds, ein Autostunt nachgeahmt, eine Motorhaube als Rammbock genommen, gegen Blech geprallt. Ein schauspielerisches Duell wird erst später eingefügt, ein Ernstwerden der Beziehung, eine geheimnisvolle Tür, eine Sammlung, ein Schrein, ein Wachsfigurenkabinett, ein Zwiespalt gereicht, zwei Jobs auf einmal, ein "realistisches Erwachsenendrama" mit revolutionären Ideen und mit Quatsch im Sinne, (k)ein intelligenter Film, ein Spiel mit Vorahnungen und Durchsuchungen und Durchschauendem, plötzlich wird Eile geboten, die Inszenierung deutlicher, und ein kreatives Sterben. Der dritte Akt wird gemeinsam besprochen und durchgegangen, es gab einige böse Überraschungen, ein steter Lug und Trug, jetzt auf beiden Seiten, zwei Männer, zwei Freunde, mit Schuhtausch ohne Socken hier, eine große gleichgeschlechtliche Liebe, bald mit Schusswechsel und Motorradjagd und Autohatz, die Trailermomente im Panoptikum, die Aufmerksamkeit der Stunts für die Zuschauer, die breite Masse inszeniert.






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