Review
von Leimbacher-Mario
Gorige Giallogedenken
In „Night Caller“, den ich auf dem Hard:On:Line-Festival gemütlich daheim schauen konnte, sieht eine übernatürlich veranlagte Telefonseelsorgerin immer wieder vor ihrem geistigen Auge bestialische Morde - bis sie wenig überraschend und ganz in Giallotradition selbst in die blutige Schnittmenge des Killers gerät…
„Night Caller“ ist ein nahezu perfekter Friday Night Slasher. Modern, aber mit einem harten Punch und massiver Retroästhetik. Alles andere als neu oder innovativ, aber in sich durchaus rund, gekonnt und vor allem garstig. Zwischen Giallo und Schlitzer, zwischen Psychogramm und Psycho, zwischen „Laura Mars“ und „Maniac“. Man merkt, dass der Regisseur „einer von uns“ ist und dem Fansein noch sehr nahe steht. Mit allen Vor- wie Nachteilen. Die Vorbilder werden nicht verhehlt, die Zitate sind in your face, die Poster hängen tief und die Scream Queens von damals wie heute machen ihren Job bzw. können’s noch immer. Bai Ling stiehlt die Show. Sexy Overacting. Es wird skalpiert, fantasiert und halbiert, es wird zitiert, pariert und konterkariert, es klimpert, es schäppert, es deppert. „Night Caller“ ist etwas faul und flach, setzt zu wenig bis gar keine eigenen Akzente und bleibt deswegen kaum im Gedächtnis. Aber für die Zeit seiner Anwesenheit erledigt er den Job humorlos und heftig.
Fazit: stilistisch und dreckig, brutal und nasty - aber im Grunde eher eine süße Hommage im besten Fall, ein unselbstständiges Intermezzo im schlechtesten. Zitierwütiges Mitternachtskino der flacheren, fieseren und fallobstigeren Sorte. Wäre damals ohne Frage ein Video Nasty geworden. Aber auch in dieser Liste muss man ja mit viel (roter) Butter arbeiten, damit die Kacke schön glänzt…