Alter Plot, neue Wirkungsstätte
Lange ist's her, das die Teufel weitertanzen durften; mit dem 2013 Remake dachte ich nicht mehr an ein weiteres Reboot der Reihe.
Und tatsächlich: Sam Raimi reanimierte sein 1981er Gedankengut erneut,allerdings fungiert er diesmal nur als Produzent. Den Regiestuhl überliess er dem irischstämmigen Lee Cronin, der bis dato mit weniger bekannten Titeln aufwarten konnte.
Mit "Evil Dead Rise" gelang ihm der erste grössere Wurf und das mal gar nicht erstaunlich schlecht. Kenner der Evil Dead Reihe werden gleich Parallelen zum Original ausmachen, die lange Kamerafahrt durch den dickichten Wald aus der Egoperspektive, Nostalgieschwelgerei pur also.
Die kleine Vorspannstory im Wald ist praktisch das Ende der nun gesetzten Haupthandlung, die dann nach deren Ende dort ansetzen soll.
Ellie lebt mit ihren drei Kindern in einem völlig heruntergekommenen und teilweise unbewohnbaren Wohnhauskomplex in L.A. Ihre Schwester Beth, die bis dato ein zügelloses Groupieleben führte und zudem unfreiwillig geschwängert wurde, zieht zu ihr, um Hilfe zu erhalten. Währenddessen tobt ein Erdbeben und legt in der Tiefgarage des Komplexes ein Loch im Boden frei, das zu einer unterirdischen Tresoranlage führt, die verlassen ist. Der älteste Sohn von Ellie findet in einer Schatulle ein altes Buch,das "Necronomicon" und ein paar alte Platten, die er zuhause abspielt; nichtsahnend, das dort Beschwörungsformeln aufgesprochen wurden und er somit einen bösen Dämon heraufbeschworen hat, der in Ellie eindringt und mit ihr den Kindern und Beth, sowie einigen verbliebenen Nachbarn das Leben zur absoluten Hölle macht.
Klar kommt dem ein oder anderen Gorehound die altbackene Story bekannt vor, das liegt wohl daran, das Cronin den Originalplot von der verlassenen Waldhütte in die moderne Grossstadt verlegte und so manche Szene 1:1 kopierte.
Das klingt gar nicht so schlecht, zumal dieses Schema bereits bei Poltergeist 3 funktionierte. Natürlich ist "Evil Dead Rise" nicht "Evil Dead", aber unterhalten mag der splattrige Dämonenfilm trotzdem, auch wenn kaum Spannung aufkommen mag, was aber daran liegt, dass das Fadenkreuz nie auf der Spannung aufgebaut war, sondern lediglich ein Plot um die Ekel-und Bluteffekte aufgebaut worden war, was niemals das kultige Filmvergnügen schmälern sollte.
Praktisch simple Handlung, blutige visuelle Gewalt= Kultfilm.
Diese Rechnung ging nicht mehr ganz so auf, da man schon alles kennt, wird aber durch den Settingwechsel nochmals frisch aufgebrüht. Blutig wird es allemal, da kann der Gorebauer zufrieden aus dem Kino gehen; bierernst nimmt sich der Streifenauch; im Gegensatz zum Serienableger "Ash vs Evildead", die sich im Grunde genommen als Splattergoof gefeiert hatte. Somit kann das Reboot durchaus mit dem 13er Remake mithalten, soundtechnisch, visuell und auch der streichige Soundtrack von damals wird miteinbezogen.Es wird gestochen, gesägt, gehackt und verbrannt was die Kunstbluttüte hergibt.
"Evil Dead Rise" lässt zwar keine neuen Erkenntnisse gewinnen und wer auf mehr Atmosphäre steht, sollte sich den "Oldschoolschinken von anno 1981" reinziehen,trotz allem bringt dieser Gorevertreter frischen Wind in den verstaubten Dämonenkeller.
Fans werden den hier auf jeden Fall mögen, alle Mainstreamglotzer sollten fern bleiben, den "EDR" ist wahrlich nur was für Magenstabile und nichts für Nervenschwache.
7/10
Ist die 18er Freigabe gerechtfertigt?
Allerdings, heftige und grausig blutigeGore-Slasherszenen inklusive Skalpierung dürften ausreichend sein, um diesen Film nur Erwachsenenpublikum zumuten zu lassen.
In einer Zeit, als noch die SPIO herrschte, wäre dieser Film womöglich indiziert bzw beschlagnahmt worden.