Ellie wohnt mit ihren drei Kindern in einem heruntergekommenen Apartmentkomplex, viele Wohnungen sind hier nicht mehr belegt. Ihre Schwester Beth schaut vorbei und wird bald Zeuge eines Erdbebens, welches das Haus ordentlich durchrüttelt. Dabei öffnet sich in der Tiefgarage eine Verbindung zu darunterliegenden Räumlichkeiten – in welchen sich unter anderem ein geheimnisvolles Buch findet.
Und spätestens ab da weiß der geneigte Genrefreund eigentlich schon, wie das hier weitergeht. Die Idee, die in der Serie etablierte Hütte im Wald zu verlassen und das Geschehen in eine urbane Gegend zu verlegen, ist erst mal nicht verkehrt. Andererseits bleibt auch der von Lee Cronin inszenierte und geschriebene „Evil Dead Rise“ dem begrenzten Bereich treu. In dem Wohnhaus, das überwiegend leer steht, dienen ein paar Schauplätze als Kulisse für den wohlbekannten Albtraum aus Besessenheit und dämonischem Treiben. Wieder ist es das Buch, man ersetzt das Tonband durch Schallplatten und schon nimmt der Horror seinen Lauf.
Cronin variiert die Formel nur auf den ersten Blick, überwiegend bekommt man typisches „Evil Dead“ mit neu gemischter Figurenkonstellation. Hier eben die urbane (Teil-)Familie mit Kindern. Letzteres bedeutet im Genre dann auch bestimmte (schon oft gesehene) Verfahrensweisen, vor denen auch dieser Film nicht Halt macht. Aber da muss man dann eben durch. Auch wirken die einzelnen Szenen bzw. Vorkommnisse nicht richtig miteinander verbunden, mehr wie einfach einzeln passierende Abschnitte und dies quasi direkt nebeneinander.
Immerhin spielen sich die beiden Hauptdarstellerinnen ansehnlich durch das Szenario, Alyssa Sutherland zieht als Ellie eine schöne Show ab, Lily Sullivan hält als Schwester Beth dagegen. Dazwischen spielt sich mit den verbleibenden Figuren allerlei blutiger und effektreicher Kram ab, es werden auch mal Erinnerungen an „The Shining“ (1980) und „The Thing“ (1982) wach. Ein sich ankündigender Jumpscare hier, ein flackerndes Licht dort, dämonische Stimmenvariationen, Cronin spielt die Klaviatur routiniert runter. Das ist in der Gesamtbeschau nicht schlecht, wiederholt sich aber auch innerhalb des Films in seinen Abläufen und zieht dadurch und ob fehlender Figurenbindung die Spannungsschraube auch nicht sonderlich fest an. In der zweiten Hälfte freut man sich am meisten über Anspielungen auf die klassischen Teile der Reihe – was nicht das beste Zeichen ist.
„Evil Dead Rise“ ist ein effektvoller und routiniert durchexerzierter Genrebeitrag mit einigen aus der Serie bekannten Versatzstücken. Jedoch fügt er neben dem verändertem Schauplatz der Formel zu wenig Neues hinzu, um sich aus der Horrormasse abzuheben. Recht suppige und mit ordentlichen Effekten bedachte, aber auch witzlose Variation des bekannten Themas, immerhin aufgrund der Laufzeit überwiegend kurzweilig. Kein schlechter Film, aber aufgrund der hauseigenen Konkurrenz unterwältigend.