Evil Dead Rise verlagert das blutige Treiben der Evil Dead-Reihe aus der typischen Waldhütte diesmal in ein heruntergekommenes Hochhaus in Los Angeles. Nachdem ein Erdbeben den Boden eines alten Parkhauses aufreißt, stoßen Geschwister auf ein verborgenes Gewölbe – darin: das Necronomicon, Schallplatten mit finsteren Beschwörungen und jede Menge Ärger. Kaum ist das Buch geöffnet, beginnt der gewohnte Albtraum: Dämonische Kräfte ergreifen Besitz von einer jungen Mutter, und was folgt, ist ein intensiver Horrortrip voller Wahnsinn, Blut und Körperhorror – und das mitten in einer kleinen Familienwohnung.
Meinung
Evil Dead Rise wird als inoffizielle Fortsetzung zum Evil Dead-Remake von 2013 gehandelt und zielt ganz klar darauf ab, ein neues, eigenständiges Evil Dead-Universum zu etablieren. Und das gelingt – zumindest stilistisch – ziemlich gut. Der Film fühlt sich an wie ein moderner Evil Dead, der den Geist der Reihe aufgreift, ihn aber in ein neues, urbanes Setting überträgt. Die Hütte im Wald war gestern, jetzt wird die Hölle eben in einem verfallenden Apartmentkomplex entfesselt.
Der Einstieg macht direkt Laune: Die Eröffnungsszene mit der Drohne ist kreativ und gleichzeitig ein schöner Verweis auf die berühmten Kamerafahrten der alten Filme. Die erste Gewaltspitze lässt nicht lange auf sich warten und setzt gleich mal das Level, auf dem sich der Rest des Films bewegen wird.
Storytechnisch ist das Ganze allerdings ziemlich generisch. Dass ausgerechnet durch ein Erdbeben plötzlich ein altes Gewölbe im Parkhaus freigelegt wird, in dem wie durch Zauberhand das Necronomicon wartet, ist schon hart an der Grenze zur Absurdität – aber genau da liegt auch der Reiz: Evil Dead war nie für Logik berühmt, sondern für Eskalation. Und genau das liefert Rise. Trotzdem bleibt festzuhalten: Die Story ist schwach durchdacht, es gibt einige logische Brüche und Ungereimtheiten, über die man hinwegsehen muss, um den Film genießen zu können.
Schauspielerisch hingegen gibt’s nichts zu meckern. Alyssa Sutherland als besessene Mutter Ellie ist absolut überzeugend – ihre Performance ist intensiv, körperlich und einfach nur creepy. Auch der Rest der Familie ist glaubhaft und angenehm bodenständig dargestellt, was den Horror umso härter wirken lässt, weil es eben keine austauschbaren Slasher-Teens sind, sondern eine greifbare Familiendynamik dahintersteht.
Inszenatorisch ist Evil Dead Rise stark: Das Setting ist klaustrophobisch, der Terror baut sich gut auf und eskaliert von Minute zu Minute mehr. Die Gewalt ist explizit, ekelhaft, kreativ – genau wie es sein soll. Besonders das Finale mit dem grotesken Fleisch-Monster und dem industriellen Häcksler bleibt im Gedächtnis und steht dem berüchtigten Blutregen-Finale aus dem 2013er-Remake meiner Meinung nach in nichts nach. Es ist abartig, übertrieben – und macht genau deswegen Spaß.
Fazit
Evil Dead Rise ist ein würdiger, moderner Beitrag zur Reihe, der die DNA von Evil Dead in ein neues Setting transportiert. Er macht vieles richtig: intensiver Terror, starke Darsteller, kreative Gewalt und ein klares Gespür für Atmosphäre. Leider schwächelt die Story durch klischeehafte Elemente und Logiklöcher, was ein paar Punkte kostet. Aber für Horror-Fans mit stabilem Magen definitiv eine Empfehlung.
Handwerklich stark, atmosphärisch dicht, storytechnisch ausbaufähig.