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Jordan Peele setzte 2017 mit seinem Debüt „Get Out“ einiges in Gang, was ihm seither manche Filmemacher gleich tun wollen: Horror auf verschiedenen Ebenen, gepaart mit Gesellschaftskritik gegenüber Rassismus. Auch Regisseurin Mariama Diallo feiert ihr Debüt mit einer Mixtur aus Drama und Horror, welche zuweilen deutlich auf den Spuren von Peele wandelt.

Neuengland: Das angesehene College Ancaster hat mit Gail (Regina Hall) den ersten farbigen Master, während Jasmine (Zoe Renee) zu den wenigen dunkelhäutigen Neuankömmlingen zählt. Sie erhält die Unterkunft Zimmer 302, in dem es bereits zu ungeklärten Todesfällen gekommen sein soll…

Alles schreit nach Diversität und feiert das Anderssein, doch kaum erreicht eine nicht weiße Person einen anständigen Posten, kippt einigen die Kinnlade herunter. Mit dieser Prämisse scheint Diallo an ihre Geschichte herangegangen zu sein, zumal sie als Afroamerikanerin womöglich auf eigene Erfahrungen zurückgreift. Anhand der zunächst parallel erzählten Stränge um die beiden Hauptfiguren wird rasch deutlich, dass der anberaumte Imagewandel des College nur Fassade zu sein scheint, denn einige Portraits und Fotografien sprechen eine deutlich andere Sprache.

Eine leicht beklemmende Grundstimmung ist zwar auszumachen, doch hinsichtlich des anberaumten Horrors und der vielfach angedeuteten Geschichte um eine Hexe kommt der Stoff rein gar nicht in die Puschen. Hier und da tauchen ein paar Maden auf und es gibt die eine oder andere Sinnestäuschung, doch es werden weder Hintergründe recherchiert, noch kommt es zu eindeutig paranormalen Erscheinungen. Leicht unheimlich sind nur einige Leute, die etwas entfernt vom Campus ein Leben wie vor 300 Jahren bevorzugen, während Schattenspiele in übergroße Dimensionen übergehen.

Insofern herrscht ein Mangel an Dringlichkeit und obgleich Hall und Renee recht ordentlich performen, hält sich das Mitfiebern in beiden Fällen in Grenzen. Auf visueller Ebene sind ebenfalls einige Parallelen zu „Get Out“ auszumachen, etwa, als eine bedrohliche Situation in Zeitlupe aus schräger Perspektive eingefangen wird oder Nahaufnahmen von Gesichtern eine gewisse Ausweglosigkeit symbolisieren. Handwerklich ist dem Debüt wenig anzukreiden.

Zwischen Themen wie Integrität, Vorurteilen und stiller Diskriminierung ergibt sich letztlich deutlich mehr Drama denn Mystery oder gar Horror und obgleich die düstere Stimmung einige atmosphärische Momente zutage fördert, langen die guten Absichten nicht aus, um die rund 98 Minuten latent ansprechend zu gestalten. Dafür mangelt es klar an Spannung und die Pointe fällt ebenfalls nicht sonderlich subtil aus.
5,5 von 10

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