iHaveCNit: The Northman (2022) – Robert Eggers – Universal
Deutscher Kinostart: 21.04.2022
gesehen am 21.04.2022 in Dolby Atmos
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 10 – Reihe 16, Platz 18 – 20:00 Uhr
Es ist schon eine interessante Entwicklung, die sich einem eröffnet, wenn man einen Blick auf Robert Eggers wirft. Der für die größtmögliche historische Akribie und dem Hang für spannende, mystische und symbolische Slowburner bekannte Autorenfilmer hat sich zunächst im Horror-Geheimtipp „The Witch“ mit Hexensagen und danach im Arthouse-Hit und Kammerspiel „The Lighthouse“ mit Seemansgarn auseinandergesetzt bis er nun mit einem großen Budget von 90 Millionen Dollar arbeiten und ein Wikinger-Rache-Epos umsetzen kann und damit durchaus einen großen Sprung macht. Und ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, „The Northman“ im Kino anzusehen, natürlich auch, weil mich bereits „The Witch“ und vor allem „The Lighthouse“ begeistern konnte. Und Eggers hat es mit „The Northman“ erneut geschafft.
Im Jahre 895 kehrt der Wikingerkönig Aurvandil gemeinsam mit seinen Kriegern und seinem Bruder Fjölnir in die Heimat zurück. Sehr zur Freude seines Sohnes Amleth, der die gemeinsame Zeit mit seinem Vater genießt. Sein Vater plant nach einer Verletzung im Kampf die Machtübertragung an seinen Sohn, doch soweit wird es nicht kommen, denn Aurvandil wird bei einem Hinterhalt von Fjölnir und einem Teil seiner Krieger getötet. Der kleine Amleth schafft es zu fliehen – sein einziges Mantra für den Rest seines Lebens wird lauten: „Ich werde dich rächen Vater, ich werde dich retten Mutter, ich werde dich töten Fjölnir“.
„The Northman“ ist trotz seiner eher düsteren und tristen Optik ein audiovisuelles Ereignis. Nicht nur die visuelle Umsetzung mit den Kameraeinstellungen und Kamerafahrten, sondern auch die Ausleuchtung mit größtenteils natürlichem Licht und die Farbgebung sehen einfach großartig aus, auch das Sounddesign und der Soundtrack wissen mir zu gefallen. Zur optischen und visuellen Umsetzung ist natürlich auch das großartige und sicherlich sehr stimmige und authentische Kostüm- und Setdesign zu loben. Die Action in diesem Film ist auf den Punkt und bietet einige sehr brachiale, blutige und archaische Kämpfe, die in ihrer visuellen Umsetzung intensiv und extrem sind. Dazu kommt auch noch der interessante und auch symbolische Einfluss von Mystik und Aberglaube, der in „The Northman“ auch sehr präsent ist und eine Rolle spielt. Das gesamte Ensemble, aus dem durchaus eine interessant ambivalente Nicole Kidman und ein gestählter, getriebener Alexander Skarsgaard sowie ein interessant aufspielender Claes Bang herausstechen können, tragen den Film gekonnt und so wie es aussieht kommt es auch bei Eggers dazu, dass er gerne mit vertrauten Gesichtern zusammenarbeitet – so sehen wir in einer Rolle Willem Dafoe, mit dem er bei „The Lighthouse“ zusammengearbeitet hat und sowohl Anja Taylor-Joy als auch Ralph Ineson und Kate Dickie aus „The Witch“ sind hier wieder zu sehen, wobei Anja Taylor-Joy und Willem Dafoe von den Genannten die wichtigsten Rollen übernehmen. Die Story und Handlung selbst basiert auf den Notizen, die bereits auch Grundlage für Shakespeares „Hamlet“ gewesen sind. „Hamlet“ ist filmisch und seriell bereits sehr präsent vertreten gewesen. Die bekannteste filmische Umsetzung des Stoffes war unter anderem die entschärfte Disney-Fassung „Der König der Löwen“ wohingegen „The Northman“ wenn man es aus Serienperspektive betrachtet die perfekte Kombination aus „Vikings“ und „Sons Of Anarchy“ ist – wie die geführten Waffen also „Heavy-Metal pur“. Bei der Sichtung und auch sonst kamen mir ein paar weitere filmische direkte und indirekt vergleichbare Einflüsse in den Sinn. One-Take-Sequenzen wie in „The Revenant“, eine symbolische, episodenhafte Reise eines Mannes wie in Nicolas Winding Refns „Valhalla Rising“, eine weitere symbolische, episodenhafte Reise wie in David Lowerys „The Green Knight“ aus dem letzten Jahr als auch die Kombination aus Coens als auch Kurzels Versionen von Shakespeares „Macbeth“. Alles ausnahmslos Beispiele, die mir auch sehr gut gefallen. Hier wird sich „The Northman“ definitiv auch einreihen. Jedoch ist die Story selbst nichts wirklich Neues und trotz der intensiven und extremen Reise stellt sich partiell ein wenig Redundanz und Leerlauf im Mittelteil ein, so dass die Faszination und der Sog den der Film entwickelt hat nicht komplett durch die gesamte Laufzeit des Films für mich gehalten werden konnte. Trotz allem ein ganz großer Film dieses Jahres, den ich auch noch ein zweites Mal sehen werde.
„The Northman“ - My First Look – 9/10 Punkte