Wer auf Wikingerfilme steht, die aussehen, als sei schon das Filmmaterial in einer dunklen Höhle in einem Bad aus Schweiß, Blut, Tränen und glühender Lava entwickelt worden, der wird sich in Robert Eggers drittem Film suhlen können wie in einer wohltuenden Fangopackung.
Wer jedoch keine größeren ethnologischen Interessen hat und schon bei Assassins Creed Valhalla jede Dialogszene genervt weiterskippt, wird mit diesem Werk kaum warm werden.
Robert Eggers angemessen gewalttätiger Arthouse-CONAN (oder, je nach filmischer/literarischer Vorbildung: GLADIATOR, bzw. HAMLET) legt großen Wert auf Authentizität (wobei die Zähne der Darsteller überraschenderweise ebenso unberücksichtigt bleiben wie die konsequente Einhaltung von Dialekten) und präsentiert daher vor allem im ersten Dreiviertel des Films viel Folklore. Gesänge und Tänze, Schamanenzauber und Mannesriten sowie zwei Minuten Björk als Seherin mögen als exotische Schauwerte gedacht sein und sollen das wirklich wahre Wikingerleben portraitieren, der Dramaturgie des Films nehmen sie Tempo und Richtung.
Ganz so bleischwer wie Nicolas Winding Refns VALHALLA RISING oder rein metaphorisch wie David Lowerys THE GREEN KNIGHT (mit dem er sich nicht nur die Atmosphäre sondern auch fast 1:1 eine Szene teilt) wird THE NORTHMAN glücklicherweise nie, schließlich wird ja doch noch eine klassische Wikingersaga von tragischem Ausmaß erzählt und im letzten Viertel nimmt der Film dann etwas an Fahrt auf. Bis dahin kann man sich zumindest am schönen Island erfreuen.