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An den Werken des britischen Regisseurs Alex Garland scheiden sich zuweilen die Geister. Vor allem sein vorheriger Streifen „Auslöschung“ wurde recht unterschiedlich aufgenommen und dies könnte bei „Men“ ähnlich ausfallen, denn mit Mainstream hat sein surreal angehauchter Horror-Trip wenig am Hut.

Nach dem vermeintlichen Selbstmord ihres Mannes versucht Harper (Jessie Buckley) das Trauma zu überwinden, indem sie sich in einer einsamen, ländlichen Gegend ein altes Landhaus mietet. Doch schon bei einem Erkundungsgang in einem alten Eisenbahntunnel scheint sie verfolgt zu werden, kurz darauf schleicht ein nackter Mann um das Haus…

In diesem Zusammenhang könnten „Die Ärzte“ gut und gerne nochmal ihr „Männer sind Schweine“ anstimmen, denn diese Erfahrung dürfte Harper jüngst gemacht haben. In diversen Rückblenden erhält man einen Einblick in die toxische Beziehung mit James (Paapa Essiedu), der im Falle einer Scheidung mit Selbstmord droht. Ob der tödliche Sturz aus dem Fenster ein Suizid oder ein Unfall war, spielt für Harpers Trauma jedoch keine Rolle, denn die Schuldgefühle bestehen ohnehin.

Bei ihrer Ankunft schleicht sich der Verdacht ein, dass es für Harper ungemütlich weiter gehen könnte, denn der Vermieter (Rory Kinnear) beweist einen sehr eigenwilligen Humor und der nackte Herumtreiber (ebenfalls Rory Kinnear), welcher unter einer Hautkrankheit zu leiden scheint, macht auch keinen vertrauenswürdigen Eindruck. Insofern gelingt es Garland besonders im ersten Drittel, eine latent unbehagliche Atmosphäre zu schüren, die mit simplen Mitteln erzielt wird. Obgleich ein offener Tunnel kein Echo in dieser Form zuließe, kommt es an dieser Stelle zu einem netten, melodiösen Gimmick, welcher sich im Verlauf noch einige Male wiederholt.

Überhaupt offenbart sich der teils schräge Score als eine der Stärken des auf Stimmung setzenden Streifens, der fast ohne Blutvergießen und ohne die üblichen Jump Scares auskommt. Zwar driften einige Szenen während des Showdowns arg ins Groteske ab, doch am Ende schließt sich gewissermaßen der Kreis. Dabei macht es durchaus Sinn, auf symbolische Momente zu achten, was nicht erst mit dem Pflücken des Apfels der Erkenntnis einsetzt und sich in der heidnischen Mythologie fortsetzt.

Buckley meistert die Hauptrolle problemlos, doch der eigentliche Clou ist Kinnear, der hier sämtliche Bewohner des Dorfes in unterschiedlichen Aufmachungen bekleidet, teils unter Zuhilfenahme moderner Technik. Dabei wird ein wenig rabenschwarzer Humor eingebunden, was aufgrund des entsprechenden Timings meistens ins ebenso Schwarze trifft.

Garland präsentiert mit seinem dritten Spielfilm eine Mischung, die audio-visuell deutlich mehr hermacht als die Geschichte selbst. Die Bilder sind stimmig, es gibt einige auffallend lange Takes ohne große Worte, nur die erzählerischen Überraschungen bleiben weitgehend außen vor. Wer Werke abseits des gängigen Horrors sucht, könnte hier fündig werden, ein wenig Interpretationsfreude sollte man jedoch mitbringen.
7 von 10

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