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Um nach dem Selbstmord ihres Ehemanns James, für den sie sich selbst die Schuld gibt, wieder auf andere Gedanken zu kommen und ihr Trauma zu verarbeiten, nistet sich die Londonerin Harper in dem geräumigen Landhaus Cotson Manor ein. Mit Ruhe und Frieden ist es allerdings nicht weit her, denn schon kurz nach ihrer Ankunft dämmert es der Großstädterin, dass das Mannsvolk in dem nahe gelegenen, pittoresken Örtchen doch irgendwie ziemlich schräg drauf ist... und während ihr Vermieter Geoffrey nur einen etwas versponnenen Eindruck macht, begegnen ihr ein paar andere Kerle doch beinahe schon feindselig. Die größten Sorgen macht Harper jedoch ein scheinbar geistig verwirrter Herumtreiber, der sich spliiterfasernackt auf ihr Grundstück schleicht und sie zu stalken scheint... Wenn man sich vor Augen hält, dass Alex Garland mit "Ex_Machina" und vor allem "Auslöschung" bewiesen hat, dass er durchaus in der Lage ist, anspruchsvolles und vielschichtiges Genre-Kino zu fertigen, dann handelt es sich bei "Men - Was dich sucht, wird dich finden" doch um einen der enttäuschendsten Filme der letzten Zeit, denn das Ganze ist leider nicht viel mehr geworden, als ein weitestgehend belangloses Folk- und Body-Horror-Pastiche, das inhaltlich kaum in die Tiefe geht und leider auch in seinem bizarren Schluss-Akt immerzu an der Oberfläche kleben bleibt. So ergeht sich der Streifen über weite Strecken vornehmlich in der Beschreibung der ominösen Landei-Idylle, die das Ganze wohl eher in der Tradition eines "The Wicker Man" oder "Midsommar" verortet als in der von David Cronenberg, mit dessem "Neuen Fleisch" hier allerdings auch ganz schön kokettiert wird... nur halt eben auf eine ziemlich plumpe Art und Weise, bei der hinter dem zum Schluss gereichten, kruden Visual halt eben doch nichts Bedeutsames steckt. Okay, das Bild, das Garland da schließlich findet, um - unter Zugabe von ein wenig britischer Folklore - die "Vererbung" und Weitergabe toxisch-maskuliner Eigenschaften von einer Generation zur nächsten zu versinnbildlichen, ist (gerade in heutigen, gender-fluiden Zeiten, höhö!) nicht so verkehrt, leidet allerdings erheblich unter der tricktechnisch dürftigen Umsetzung einiger digitaler Effekte, denen jedweder Impact fast völlig abgeht. Wie viel wirkungsvoller waren da noch die Schleim- und Latex-Spielereien, mit denen ein Screaming Mad George vor nunmehr 35 Jahren das Finale von "Dark Society" ausstaffiert und dadurch so richtig tief ins Langzeit-Gedächtnis des Zuschauers gedrückt hatte? Was bei "Men" zumindest konzeptionell aber wohl noch sowas wie ein horribler Höhepunkt der Geschichte sein soll, verabschiedet sich im Nachhinein aber doch recht schnell wieder aus den Hirnwindungen, ohne groß Spuren zu hinterlassen. Okay, darüber könnte man noch hinwegsehen, wenn da zumindest im Vorfeld noch ein wenig die Spannung forciert worden wäre, aber stattdessen köchelt das Ganze nach Slow-Burner-Manier (kein Wunder: Ist ja ein A24-Streifen!) mehr so vor sich hin und erweist sich erzählerisch da schlussendlich im wahrsten Wortsinn als schwere Geburt. Einen ähnlichen Stellenwert im Genre wie "The Wicker Man" wird "Men - Was dich sucht, wird dich finden" darum auch nie erreichen. Also, um es nochmal klipp und klar zu sagen: Eine Enttäuschung!

5/10

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