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Gulag ist beinahe so etwas wie ein Synonym für Millionen von Opfern des Stalinismus. Der Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn beschäftigt sich in seinem Roman „Der Archipel Gulag“ ausführlich mit der Situation in den Straflagern, was rasch über Russlands Grenzen hinaus bekannt wurde. Vorliegendes Werk beruht ebenfalls auf einem Roman von Solschenizyn.

Ostfront 1941: Zunächst scheinen die drei Soldaten der Roten Armee erfolgreich zu sein, als sie einige Panzer der Nazis befeuern. Doch dann geraten sie in Gefangenschaft und Iwan und einem weiteren Kameraden gelingt die Flucht durch ein Minenfeld. Seine Vorgesetzten wähnen in Iwan jedoch einen Spion und versetzen ihn ohne Gerichtsprozess für zehn Jahre in ein sibirisches Arbeitslager…

Es benötigt schon ein Minimum an Action, um das Publikum für seinen Stoff zu gewinnen und so schickt Regisseur Gleb Panfilov ein paar Dutzend Gefangene über einen von Mimen gespickten Waldweg, was ähnlich fies wie Russisches Roulette abläuft. Erwähnenswert ist bei alledem, dass Panfilov beim Dreh bereits 85 Jahre alt war und dennoch ein gutes Gespür fürs Timing besitzt, um die Aufmerksamkeit auf die Hauptfigur Iwan Denissowitsch zu lenken.

Mit ihm geht es dann in das Arbeitslager, wo es betont zurückhaltend zugeht und beileibe nicht so garstig, wie man es eventuell von einem üblichen Gefängnisfilm erwarten könnte.
Zwar zündet die Atmosphäre in dieser komplett von der Außenwelt isolierten Umgebung, doch es fehlen etwaige Antagonisten und beklemmende Konfrontationen, mal abgesehen von den überaus widrigen Umständen wie Kälte und Hunger oder auch Einzelhaft.

So wird man rasch mit einigen Insassen um Iwan warm, doch zwischendurch gerät der Alltag reichlich eindimensional. Hier und da wird etwas geschmuggelt, Briefe der Töchter halten eine gewisse Hoffnung aufrecht, doch mitreißend gestaltet sich die Chose nicht. Dafür ist sie zu nüchtern aufgezogen und konzentriert sich im Verlauf mehr auf den Zusammenhalt unter den Gefangenen, was kaum mit spannenden Momenten einhergeht.

Im Gegenteil: Gerade, als es gegen Ende doch noch einmal prekär zu werden droht, wird die Sache relativ abrupt beendet und nur ein Foto nachgeschoben, um den Ausgang zu klären.
Auf dramaturgischer Ebene ist das nicht optimal gelöst und die „10 Jahre Hölle“ mutieren fast schon zu einem nicht allzu angenehmen Dasein mit kleinen Alltagsproblemen.
Handwerklich und darstellerisch ist zwar wenig anzukreiden, doch das Packende, was durch den langjährigen Aufenthalt im Gulag hervorstechen müsste, stellt sich hier nicht ein.
5 von 10

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