Review

Das die Dreharbeiten Ende 2020 während der Hochzeit der Corona-Maßnahmen stattfanden, ist dem 75. Wilsberg deutlich anzusehen. Wie schon bei der Folge "Einer von uns" spielt sich das Geschehen nicht in Münster, sondern im Wasserschloss "Burg Bergenhausen" ab - beide Folgen wurden hier parallel gedreht. Somit blieb das Ensemble auf wenige Darsteller begrenzt - das Beste war, ein Kammerspiel zu produzieren. In leichter Abänderung des üblichen Schemas (es mußte kein Mörder gefunden werden, sondern ein Mord verhindert) entstand so ein Krimi, wie er auch von Agatha Christie hätte stammen können.

Das fing etwas holprig an: Wilsberg (Leonard Lansink) und Ekki (Oliver Korittke) wurden von der neuen Serienanwältin Dr. Tessa Tilker (Patricia Meeden) (was macht eigentlich Alex?) in das besagte Wasserschloss zu einem Essen, serviert von einem Sternekoch, eingeladen. Der taucht jedoch nicht auf, stattdessen aber der vor kurzem entlassene Gangster Sven Degen (Michael Pink), den Tessa vor sieben Jahren wegen mehrerer Raubüberfälle als Staatsanwältin angeklagt hatte. Die Vermutung liegt nahe, daß er sich an ihr rächen möchte.

Und da fangen die Ungereimtheiten an: Tessa versteckt sich und Wilsberg und Ekki treten als Portier und Geschäftsinhaber auf - jeder Depp hätte gemerkt, daß das nicht stimmt. Der mutmaßliche Rächer kommt gar mit Freundin und möchte übernachten - er hat online gebucht, wundert sich aber nicht, daß davon keiner was weiß. Zu allem Überfluß kommen auch noch der Minikommissar Drechshage (Safan Haschke) aus Bielefeld und natürlich Overbeck (Roland Jankowsky) hinzu - alles äußert wahrscheinlich und logisch.

Die schlimmen Befürchtungen ob der Logiklöcher und der Albernheiten haben sich dann aber zum Glück nicht bewahrheitet. Es kam insgesamt doch noch ein ansehnlicher Krimi heraus, der von den zahlreichen unerwarteten Wendungen lebte. Bis zum Schluß waren die Dinge im Wandel inklusive vertauschter Opfer- und Täterrollen, wenn auch der "Humor" hier und da etwas übertrieben wurde. Ich würde es allerdings begrüßen, wenn die Figuren in Zukunft nicht immer mehr ins Lächerliche abdriften würden. Die Ernsthaftigkeit früherer Wilsbergs möchte ich dann doch nicht missen.

Man muß diesen Krimi im Zusammenhang mit Corona sehen, sonst wird man ihm nicht gerecht. Fehlendes Personal, Abstand und der ungewöhnliche Ort machen einen normalen Wilsberg einfach nicht möglich. Unter diesen Voraussetzungen war es gut. (7/10)

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