Im August 2020 überlebt der russische Oppositionschef Alexei Navalny nur mit Glück einen Giftmordanschlag. Die Doku folgt ihm und seinen Vertrauten auf der Suche nach den Hintermännern. Und sie werden leichter fündig, als gedacht.
Ich kann den Wahrheitsgehalt dieser sehr spannenden Thriller-Dokumentation nicht eingehend beurteilen, mein gesunder Menschenverstand sagt aber, dass die Dinge, die hier ans Tageslicht geholt werden, zumindest weitgehend der Wahrheit entsprechen dürften und vor allem, das ist dabei besonders wichtig, Putin und seiner Regierung absolut zweifelsfrei zuzutrauen sind.
Und leider ist das so ziemlich das Erschreckendste daran, denn 2024 starb Nawalny in einem russischen Straflager unter höchst umstrittenen Umständen. Von russischer Seite wird von einem natürlichen Tod gesprochen, geleakte Dokumente und Laboruntersuchungen von biologischen Material deuten erneut auf eine Vergiftung hin.
Die Dokumentation von 2022 beleuchtet aber natürlich nur die erste Vergiftung, die der charismatische Nawalny knapp überlebte. Neben ihm selbst, kommen seine Familie, Vertrauten und sogar mindestens ein seither vermisster Chemiker, der an dem Anschlag beteiligt war, zu Wort.
Das Ganze ist höchst spannend aufbereitet und zeigt vor allem sehr schön auch die Recherchearbeiten des Teams, die anschaulich und nachvollziehbar durchgeführt wurden.
Regisseur Daniel Roher war bei all dem dabei und verwendet neben seinen eigenen Aufnahmen auch Handyvideos von Nawalnys Team und Zeugen sowie Aufzeichnungen von Nachrichtensendern. Einige Interviews und Talksendungen des russischen Fernsehens werden ebenfalls gezeigt und entlarven sich in ihrer Plumpheit selbst direkt als reine, dumme Propaganda. Das ist so lächerlich und durchschaubar, dass man mit offenem Mund dasitzt und sich fragt, ob Putin sein Volk wirklich für derart dumm hält. Das macht wirklich fassungslos.
Ähnlich fassungslos macht die Vorhersehbarkeit Putins. Menschen die Nawalny am Flughafen bei seiner Rückkehr erwarten werden verhaftet, er selbstredend auch, seine Anwältin darf nicht mit, sein Tod im Straflager, das Verschwinden des Chemikers, alles fühlt sich nach Aktionen mit Ansage an.
Es ist sehr bedauerlich, denn das russische Volk hat etwas besseres als Putin verdient. Und die Welt auch.
Hochspannende, sehr aufschlussreiche Dokumentation über einen staatlich beauftragten Giftanschlag. Extrem sehenswert.
Der Film wurde 2023 sowohl bei den British Academy Film Awards als auch bei der 95. Oscarverleihung als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.