Review

In Hatching geht es um die 12-jährige Tinja, die unter dem Druck ihrer streng-perfektionistischen Mutter steht. Als Tinja ein mysteriöses Ei findet, schlüpft daraus ein bizarr-wucherndes Wesen, das ihre inneren dunklen Gefühle und Ängste verkörpert. Während sich die Beziehung zu diesem Wesen intensiviert, entfalten sich zunehmend beängstigende Ereignisse, die das Leben von Tinja und ihrer Familie dramatisch verändern.


Bewertung und Analyse

Hatching ist ein Horrorfilm mit starkem Arthouse-Einschlag, der auf kreative Weise Elemente von Body-Horror und psychologischem Drama kombiniert. Die schauspielerischen Leistungen, besonders die der jungen Hauptdarstellerin, sind überzeugend und verleihen dem Film eine intensive Grundstimmung.

Die visuelle Umsetzung und die praktischen Effekte sind auf einem hohen Niveau und schaffen eine beklemmende Atmosphäre. Die Inszenierung bietet einige sehr starke und ungewöhnliche Bilder, die den Film trotz seiner Schwächen sehenswert machen.


Kritik

Trotz dieser positiven Aspekte scheitert der Film an einer sehr vagen und unbefriedigenden Erzählweise. Es gibt kaum klare Hinweise darauf, was das Wesen genau ist oder was es jetzt genau symbolisiert. Anders als bei Filmen wie The Babadook, der bewusst offen bleibt und sowohl eine psychologische als auch eine übernatürliche Interpretation zulässt, gelingt es Hatching nicht, diese Mehrdeutigkeit glaubwürdig zu vermitteln.

Der Zuschauer bleibt mit vielen Fragen zurück, weil weder ausreichend darauf hingewiesen wird, dass Tinja eine psychische Störung hat, noch dass das Wesen rein übernatürlich oder real existiert – außer durch die offensichtlichen physischen Auswirkungen.

Ein großes Manko ist, dass die Mutter im Film das Wesen scheinbar tatsächlich sehen und sogar aktiv mit einer Schere angreifen kann. Tinja stellt sich dabei schützend vor das Wesen und wird von der Schere getroffen, was letztlich ihr Ende bedeutet. Diese Szene macht deutlich, dass das Wesen eine reale physische Existenz hat, da es sonst nicht attackiert werden könnte. Das steht im klaren Widerspruch zu der vagen und symbolischen Erzählweise, die der Film zuvor versucht, aufzubauen.

Im Gegensatz zum Babadook, wo die Mutter im Laufe des Films psychisch immer weiter zerfällt und der Horror auf einer metaphorischen Ebene funktioniert, wirkt Tinja hingegen physisch gesund und zeigt keine eindeutigen Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Die klare physische Interaktion mit dem Wesen und der Angriff der Mutter machen es schwierig, den Film als reine psychologische Horror-Studie zu verstehen.

So bleibt Hatching in einer Art Zwischenwelt gefangen, die weder als klares Horror-Märchen noch als psychologisches Drama überzeugen kann. Es wirkt, als wollte der Film hip und mysteriös sein, verliert dabei aber den roten Faden und die erzählerische Stringenz.


Fazit

Hatching ist ein visuell interessanter und atmosphärisch dichter Horrorfilm mit einigen starken Effekten und einer guten jungen Hauptdarstellerin. Doch das unklare Storytelling, das fehlende eindeutige Narrativ und das unbefriedigende Ende hinterlassen eher Frust als Faszination. Der Film ist für Fans von experimentellem Horror vielleicht einen Blick wert, bleibt aber insgesamt hinter seinen Möglichkeiten zurück.

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