"Ganz Deutschland hat gleichgezogen. Nur in dem Kaff in dem ich lebe hat man noch nichts davon gehört.
Ich wohne in München."
Was hier Harry Pritzel (Tom Schilling) beschreibt, ist die "Neue Deutsche Welle".
Anfang der 80er Jahre beginnt die Ära einer neuen Musikrichtung: laut, eingehende Melodie, Krach vom Feinsten, Hauptsache spektakulär.
Harry Pritzel ist 17, er arbeitet als Azubi in einer Sparkasse. Sein biederer Job kotzt ihn schnell an, und sein jugendlicher Drang, etwas zu verändern, findet mit dem Beginn der NDW auch sein Instrument.
Er übernimmt das Management der Newcomerband "Apollo Schwabing", in der auch sein Kumpel Vince (Robert Stadlober) und dessen Freundin Melitta (Jessica Schwarz) mitspielen. Fortan setzt er sich voll ein für die Band, sein Hauptinteresse gilt längst nicht mehr seinem Job in der Bank.
Doch um auch den arroganten Musikreporter Wieland Schwarz (grandios skurril: Christian Ulmen) und den Rest der Welt von der Musik zu überzeugen, braucht er einen geeigneten Ort.
So kommt es, das er den Zirkus Krone anmietet, um dort die bekannte Band "D.A.F." (Deutsch Amerikanische Freundschaft) spielen zu lassen, mit "Apollo Schwabing" als Vorgruppe.
Doch ganz so einfach ist das für den jugendl. Heißsporn, der sich nur noch Harry Foyer nennt, nicht:
Nicht nur die Querelen innerhalb der Gruppe (Vince betrügt Melitta, Melitta betrügt Vince mit Harry, Harry liebt Melitta, freundet sich jedoch mit einem anderen Mädchen an), sondern nicht zuletzt die horrenden Summen, die endlosen Kosten drohen Harrys Traum zerplatzen zu lassen....
Ich denke, der Film wird getragen von Tom Schilling. Nach "Crazy" und "Herz im Kopf" übernimmt er in "Verschwende deine Jugend" wieder eine tragende Rolle.
Man geht durch die Welt, sieht sie durch seine Augen, ist selbst desillusioniert und betrübt von dem tristen Grau Münchens, fühlt die Angst und Hoffnung, die er als Harry Pritzel abwechselnd erlebt.
Sein Gefühlszustand ist eigentlich immer himmelhochjauchzendzutodebetrübt, nach einem unglaublich naiven Höhenflug fällt er sekundenspäter doppelt so tief. So bekommt der Zuschauer das Gefühl der Figur, er strengt sich an, er hängt sich rein, er verkauft sogar Platten, seinen Fernseher etc..er raubt eine Bank aus, verliert seinen Job, riskiert Kopf und Kragen.
Und das nur um seinen Traum zu erfüllen.
Umso wirksamer geht Harrys Schlusssatz ins Herz:
"Ich bekam 1 Jahr auf Bewährung. Ich bekam es als Quittung für das Geilste was ich je in meinem Leben gemacht hatte."
Der Film zeigt Harry nicht als Verbrecher, sondern als sympathischen, hochhinauswollenden Naivling, der alles tut, um richtig zu leben.
Und dadurch wird er für uns zum Vorbild:
Wer würde nicht gerne mal alles stehen und liegen lassen, um sich seine größten Wüsche zu erfüllen?
Harry tut es, und das ist das Wunderbare an dem Film. Alles ist keine traurige Selbstbemitleidung, sondern ein gelungenes melancholisch angehauchtes Portrait einiger Menschen, die alles tun für ihre Ideale.
Robert Stadlober spielt routiniert, doch kommt ihm seine natürliche Arroganz, die er schon in bei Auftritten bei Stefan Raab oder Harald Schmidt darstellte, zugute für seinen egomanischen Charakter Vince. Er betrügt ohne mit der Wimper zu Zucken seine Freundin, und fühlt sich nachher selbst als das Opfer.
Eine runde Darstellung.
Jessica Schwarz spielt sehr einfühlsam, sie zeigt sich auf der Bühne als toughe Frau, doch zu Harry ist sie sehr sanft und zärtlich. Der absolute Gegenpol zu Vince. Am liebsten hätte sie beide als Freund, Vince für das Image und Harry fürs Herz.
Der Film schafft es zu unterhalten, ist sehr gelungen.
Mal abgesehen, davon, dass deutsche Filme heutzutage mit Argwohn zu betrachten sind muss ich sagen, dass der Film mir unheimlich gefallen hat, die Leute, die Atmo, die Story, die ganze Umsetzung (besonders die Idee).
Fazit: 8/10 Punkten.