Review

iHaveCNit: Liebesdings (2022) – Anika Decker – Constantin Film
Deutscher Kinostart: 07.07.2022
gesehen am 07.07.2022
Kinopolis Main-Taunus-Zentrum – Kino 4 – Reihe 9, Platz 19 – 20:10 Uhr

Irgendwann Anfang des Jahres wurde man im Werbeblock vor dem Trailerblock im Kino meines Vertrauens über Wochen mit einem sehr schlechten, komplett aus dem Zusammenhang geschnittenen Teaser-Trailer zum neuen Film mit Elyas M´Barek malträtiert. Eigentlich wäre ein Start bereits im Februar vorgesehen gewesen, aber vermutlich hat man sich aufgrund dem zeitgleich bereits im Kino laufenden deutschen Publikumsmagneten „Wunderschön“ entschieden, dass sich beide mögliche Publikumsmagneten nicht gegenseitig kannibalisieren, aus „Liebesdings“ das große Kinodings des Sommers 2022 zu machen, das dann mit seinem eigentlichen Trailer ein wenig mehr Kontext zum Teaser geliefert hat und ohnehin von mir gesichtet werden sollte – und irgendein Filmdings habe ich dann auch erhalten.

Marvin Bosch ist der große Schauspielstar Deutschlands, doch der Ruhm und der Kult um seine Person hinterlassen genervte und gelangweilte Spuren. Als im Rahmen der Premiere seines neuen Films „Traummann“ ein Interview mit der Enthüllungs- und Klatschreporterin Bettina Bamberger außer Kontrolle gerät, zieht sich Marvin komplett zurück und er flüchtet in ein kleines Theater, dass sich als ein queerfeministisches, vom Aus bedrohtes Theater der Feministin Frieda entpuppt. Inmitten des Medienrummels und dem drohenden Abstieg ist er gezwungen unterzutauchen. Dabei scheinen sich Marvin und Frieda näherzukommen.

„Liebesdings“ von Anika Decker ist eine bunte Mischung. Er ist eine sehr seichte, unterhaltsame und harmlose Romantic Comedy, die sicherlich aufgrund der Starpower von M´Barek zu einem kleinen deutschen Sommerhit des Jahres 2022 werden könnte. Dazu könnte er sehr oberflächlich als Meta-Kommentar über den Kult um Hauptdarsteller Elyas M´Barek betrachtet werden, wobei natürlich auch das Thema Privatsphäre im Leben von Stars und Schauspielstars sowie die Sensations-Geilheit der Medien und Klatschspalten hier ein wenig kritisch betrachtet wird. Unabhängig davon, wie interessant und gut es natürlich ist, dass der Film ein wenig Diversität und Themen wie Queerness und Feminismus integriert, umso schwieriger ist es dann, dass es hier nur als Mittel zum Zweck scheint und der Film auch komplett ohne das Ganze funktioniert hätte. So bleibt ein unschöner Eindruck zurück, wenn hier auf oberflächliche Art und Weise Klischees, Mythen, Irrtümer und Plattitüden eingebunden werden, damit man sich eben den Stempel aufdrücken und ein wenig moderner scheinen kann als man tatsächlich ist, da es im Kern doch um eine in dem Sinne heteronormative Liebesgeschichte geht, in der es dann doch eher behauptet wirkt, wenn eine Feministin und ein Schauspielstar so schnell bereits Gefühle füreinander entwickeln. Auch die dunklen Ab- und Hintergründe, die im Film als dramatischen und charakterlichen Unterbau integriert werden, sind relativ schnell und oberflächlich abgehandelt worden. Dazu hat eine große Enthüllung im Leben von Marvin Bosch keinen richtigen Payoff, da es hier in die Richtung harmloser Wohlfühlmoment geht und den Film eher in die Richtung eines Wohlfühlfilms enden zu lassen. Das mag für mich im Kino unterhaltsame, harmlose und seichte Kost sein, die ganz großen Potentiale hat er für mich entsprechend liegen gelassen.

„Liebesdings“ – My First Look – 6/10 Punkte.

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