Südafrika zur Zeit der Apartheid: der militärische Flügel des African National Congress (ANC) verübt Anschläge gegen Infrastruktur-Einrichtungen, um das Regime zu schwächen. Nach einigen geglückten Sabotage-Akten ist eines der bewaffneten Teams diesmal jedoch offensichtlich von einem Überläufer aus den eigenen Reihen verpfiffen worden, und das Kleeblatt muß Hals über Kopf vor der auf der Lauer liegenden Polizei flüchten. Auf der Flucht wird der Fahrer erschossen, und nur mit knapper Not können sich Anführer Calvin Khumalo (Thabo Rametsi), Aldo Erasmus (Stefan Erasmus) und die Freundin des Toten, Mbali Terra Mabunda (Noxolo Dlamini) in eine Bank retten.
Trotz einiger Geiseln in ihrer Gewalt setzt sich bei dem Trio bald die Erkenntnis durch, daß sie dort nicht so leicht wieder herauskommen - der geforderte Hubschrauber samt Pilot stellt sich als Falle heraus, und auch die Geiseln machen teilweise Probleme. Währenddessen hat draußen der leitende Captain Johan Langerman (Arnold Vosloo) alle Hände voll zu tun, das Geiseldrama möglichst unblutig zu beenden, wobei ihm ein Vorgesetzter mit dem Spitznamen "kleines Krokodil" im Nacken sitzt, der die Bank am liebsten ohne Rücksicht auf Verluste stürmen lassen will.
In dieser verfahrenen Situation kommt Calvin eine ungewöhnliche Idee: statt für sich und seine Leute freien Abzug zu erreichen, bietet er sogar ihre Festnahme an - doch im Gegenzug müssen die weißen Autoritäten dafür Nelson Mandela freilassen...
Lose basierend auf der wahren Geschichte eines Bankraubs, der sich in dieser Form in Silverton, einem Vorort von Pretoria, so zugetragen hat, läßt Regisseur Mandla Dube sein Aktivisten-Trio (das im Original aus drei Männern bestand) in seinem Anti-Apartheids-Film Silverton Siege durchaus temporeich und actiongeladen ihre Geiselnahme durchziehen, vergißt dann aber zunehmend auf das eigentlich zugrundeliegende politische Motiv und verfällt mehr und mehr in bekannte Thriller-Konventionen: versteckte Waffen, ein Abhörmikro, gegenseitiger Vertrauensmißbrauch und die lange ungeklärte Frage, warum in den eigenen Reihen ein Verräter agiert, all dies kennt man bereits zur Genüge, und da auch die Filmcharaktäre eher holzschnittartig angelegt sind, mag man dem Treiben ohne große Anteilnahme folgen.
Immerhin können Calvin, dem es wirklich ernst mit der ausgegebenen Losung "keine zivilen Opfer" ist und sein Gegenpart Langerman (dessen markante Gesichtszüge man als Imhotep aus der Die Mumie-Filmreihe kennt), der ebenfalls an einer unblutigen Lösung des Geiseldramas interessiert ist, einigermaßen überzeugen, doch deren jeweilige Mitstreiter passen nicht so recht in den vorgegebenen Rahmen (wie die klischeehaft aggressiv und schießwütig auftretende Mbali, ein Kotzbrocken von Anfang an) oder fallen unter Comic relief, wie der Westentaschen-Napoleon "kleines Krokodil" oder auch Langermans Assistent, der mit zerknitterter Krawatte, Koteletten und Zigarette irgendeiner Kojak-Folge entsprungen sein könnte. Das alles verwässert natürlich die politische Aussage einer Anti-Apartheid-Geschichte, macht Silverton Siege aber zumindest einem breiterem Publikum zugänglicher.
Immerhin läßt das Drehbuch zwischendurch auch einige erfreuliche Ambivalenzen zu, indem es die Geiseln in der Bank unterschiedlich reagieren läßt: die anti-rassistische weiße Filialleiterin Christine beispielsweise, die es vorzieht, in der Bank zu bleiben, statt als erste Geisel freigelassen zu werden, oder die schwarzafrikanische Albinofrau Rachel, die unerschrocken gegen die Geiselnehmer argumentiert, genauso wie der dunkelhäutige US-Boxpromoter, der ganz unversehens zwischen die Fronten gerät. Gelungen ist auch eine ordentlich inszenierte Verfolgungsjagd zu Beginn mit zeitgenössischen Fahrzeugen hauptsächlich der Marke Ford.
Doch trotz dieser kleinen Positiva bleibt von Silverton Siege, der keine klare Botschaft vermittelt, sondern lieber ein durchschnittlicher Thriller bleibt und mit einem erwartbaren, pathetisch inszenierten Shoot-out endet, nicht allzuviel hängen: 5 Punkte.