Apfelkuchen americaine, letzte Runde.
Im dritten Durchlauf wurde nun geheiratet, damit ist die Trilogie komplett und der Fall kann zu den Akten.
Und, wie man konstatieren muss, es wird auch höchste Zeit.
Das soll nicht heiße, „American Wedding“ sei ein schlechter Film, aber die Abnutzungserscheinungen sind inzwischen zu echten Schleifspuren geworden und der Film wirkt gewollter als gekonnter und die Bemühungen um Gags kommen inzwischen mit dem Hämmerchen.
Wenigstens erzählerisch schließt sich der Kreis: Jim und Michelle wollen heiraten, das geht natürlich nicht ohne Pannen ab, selbstverständlich peinlicher und/oder sexueller Natur, komplett mit übertriebener Junggesellenparty und einem stets danebenhauenden Stifler.
Womit der Grund für den qualitativen Abstieg auch schon genannt wäre: der Film wird in zunehmenden Maße an dem peinlichen Großkotz Stifler alias Seann William Scott aufgehangen, der für den überwiegenden Teil der Scherze zuständig ist.
Und die gehen zumeist unter die Gürtellinie, kaum mal ein Satz ohne „Leck mich...fick dich...etc.“. Dazu macht er sich noch versehentlich über eine Oma her, mischt eine Schwulenbar auf oder frisst Hundekot. Spätestens diese letzte Aktion markiert einen absoluten Tiefpunkt der Serie, eine peinlich-schmerzhafte Ekelhaftigkeit, die auch noch bis zum Exzess ausgekostet wird.
Scott reißt den Film also an sich, so dass für die anderen leider so gut wie gar nichts übrig bleibt. Die üblichen Pannen für Jason Biggs wirken an den Haaren herbeigezogen (dass ihm Michelle im Restaurant einen bläst, mag noch durchgehen, aber dass sie ihm dabei komplett die Hose aufmacht und herunterzieht ist kaum zu glauben) oder nur dem Gesetz der Serie verpflichtet (die Schamhaare auf der Torte, die Hundenummer).
Natürlich haben sich einige Regulars verabschiedet (Tara Reid, Mena Suvari, Chris Klein, Shannon Elizabeth), doch der Film schafft es leider, die Verbliebenen noch kleinzuhalten.
Thomas Ian Nicholas scheint vollkommen funktionslos nur Kurzsätze zu liefern, Eddie Kay Thomas Duell mit Stifler um Michelles Kusine bleibt unterentwickelt und von Michelle sehen wir auch viel zu wenig.
Wie überhaupt der ganze Film starke Männerschlagseite hat (hatten auch die anderen Teile, aber hier kippt das Ganze), die Frauen kommen fast gar nicht mehr zum Tragen. Der Plot ist arg konventionell und bemüht, die üblichen Elemente zu enthalten, was dann ja auch geschafft wird. Nur leider wirkt Scott als Saubermann komischer als Party Animal und bei aller Geschmacklosigkeit hat der erste Teil sich sexuell noch mehr getraut, als alle Nachfolger zusammen. Da hilft auch nicht die dominatrix-aufgepushte Junggesellenparty (nur auf DVD zu sehen), die mit ein paar Silikontitten daherkommt.
Am witzigsten sind da noch Reminiszenzen an die Kussnummer der Jungs in Teil 2 oder die Dauererwähnung Finchs, dass er es mit Stiflers Mom gehabt hätte. Zweimal!
Der Abschluss ist versöhnlich und genug zu lachen gibt es auch (Eugene Levy macht aus jedem seiner Vatersätze ein Fest), aber insgesamt nähert sich das alles dem Durchschnitt an und sollte jetzt mit diesem Erfolg begraben worden sein. Danke, Jungs! (Und die Mädels natürlich auch!). (6/10)