Review

Ong-Bak war sicher eines der meisterwarteten MA Filme in letzter Zeit. Um es mal vorweg zu nehmen: Ong-Bak mag nicht die von vielen Seiten erwartete Revolution des Martial-Art-Kinos sein, trotzdem ist es in meinen Augen ein solider und unterhaltsamer Film geworden, den man auf jeden Fall auch mal gesehen haben sollte. Schon allein die Tatsache, dass der Film von Fans und Medien sehr kontrovers diskutiert wurde, sagt eigentlich schon aus, dass er gar nicht so schlecht sein kann, denn: „Das unterste Niveau bedarf keiner Diskussion“.

Ich werde mal kurz die allgemein verbreiteten Kritikpunkte aufgreifen:

- Flache Story: Die Geschichte um den Kämpfer, der das arme Bauerndorf verlässt, um eine heilige Reliquie – in diesem Fall Ong-Bak, der Kopf einer Buddha Statue – wieder zu beschaffen, da ansonsten das Dorf dem Untergang geweiht ist.
Nichts wirklich neues also.
Kurz gesagt: Die Story wird keinen Oscar für das beste Script gewinnen, jedoch trifft das auch viele andere Eastern zu, die von der Fangemeinde wesentlich besser bewertet wurden. Das nötige an Story wurde reingepackt, alles ausschmückende oder überraschende wurde weggelassen. Na ja…

- Szenario/Requisiten: Die Lokalitäten sind grösstenteils stimmungsvoll und glaubwürdig aufgebaut. Egal, ob man den Darstellern durch das Nachtleben von Bankog folgt, ob man die Wohnung eines der Darsteller mustert, oder ob Szenen in befüllten Hintergassen spielen – man hat hier nicht das Gefühl, dass hier mit Pappe und Bluescreens gearbeitet wurde.

- Hauptdarsteller: Spielt glaubwürdig den Bauerntrottel. Bei den Kampfszenen lässt er allerdings keinen Zweifel daran aufkommen, dass er diese Techniken auch beherrscht. Seine Schnelligkeit und seine Leichtfüssigkeit machen es zu einem wahren Vergnügen, seine Körperakrobatik zu verfolgen. Apropos Akrobatik: Es gibt auch die eine oder andere Szene, die Slapstick und Akrobatik verbindet, und zwar im Stile von Jackie Chan. Auch wenn er an den „Altmeister des Bodenturnens“ nicht ganz heranreicht, ist hier doch deutlich Potential vorhanden. Ich bin gespannt darauf, ob er in Zukunft vielleicht die Möglichkeit hat, selber die Choreographie zu organisieren.

- Nebendarsteller/Statisten: Grösstenteils sind die Leistungen der Nebendarsteller recht ordentlich. Ob Schlitzohr, Geldhai oder Gangsterboss: Alle werden recht glaubwürdig dargestellt. (Worüber man sich aber mit einigen anderen Kritikern streiten könnte…) Auf der anderen Seite kommen die Nebendarsteller aber auch nicht über ihre eingefahrenen Rollen hinaus, d. h. Überraschungen bleiben in der Hinsicht aus.

- Soundtrack: Ich habe bereits Stimmen gehört, die den Soundtrack als sehr schwach bezeichnet haben. Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen. Grösstenteils handelt es sich bei den performten Tracks um groovige Hip-Hop Styles, die einem bei vielen actionlastigen Szenen zu einem unbewussten Kopfnicken veranlassen. Die eigentliche Begleitmusik des Films ist durchschnittlich, aber auf keinen Fall schlecht.

- Kampfszenen: Auf jeden Fall beeindruckend, wenn auch nicht überragend phantasievoll. Die Choreographie ist glaubwürdig und flott. Natürlich hat man diese Kampftechniken bisher noch nicht so oft verfilmt gesehen, was wahrscheinlich auch einen Teil der Faszination ausmacht.

Vielleicht an dieser Stelle noch ein kurzes Wort zu der leidigen "Echt-Nicht-echt-Kontakt-keinKontakt-Diskussion": Es ist - soweit ich das auch beurteilen kann - keine Szene vorhanden, an der man wirklich eindeutig erkennen könnte, dass die Kämpfe gestellt sind. Natürlich sind sie das, keine Frage, vielleicht von einigen wenigen speziellen Szenen abgesehen. Aber kein normaler Mensch wird seinen Filmpartnern wirklich ernsthafte Verletzungen zufügen. Wer das denkt oder sogar voraussetzt, hat wahrscheinlich ein paar zuviel aufs Hirn bekommen.

Die Kämpfe sind hart, schnell und beeindruckend. In einigen Szenen ist es sogar mehr als klar, dass hier richtiger Kontakt vonnöten war, um auch den Effekt des Schlages realistisch in Szene zu setzen. Dabei kommt der Film ohne die ansonsten manchmal sehr nervigen Seiltricks aus, was ich persönlich sehr stark honoriere.

- Schnitt: Sehr actionlastig mit vielen Zeitlupeneinstellungen, wobei diese vielleicht ein klein wenig zu exzessiv eingesetzt wurden. Weniger wäre hier mehr gewesen. Nichtsdestotrotz ist die Kameraführung als überdurchschnittlich zu bezeichnen, im Gegensatz zu der statischen 08/15-Kameraeinstellung, die man in den meisten Eastern beobachten kann.

Fazit: Ong-Bak wird den hohen Erwartungen vielleicht nicht ganz gerecht. Trotzdem ist es ein überdurchschnittlicher und grösstenteils sehr unterhaltsamer Eastern, den man sich auf jeden Fall einmal ansehen sollte, schon allein wegen dem Hauptdarsteller und seiner Performance. Asiatisches Popcorn-Kino für die Freunde von leicht verdaulichem Martial-Arts-Action Filmen.

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