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Ting (Tony Jaa/Panom Yeerum) wird von seinem Dorf nach Bangkok geschickt, um dort den Kopf der heiligen Buddhastatue Ong-Bak wiederzubeschaffen. Ganz zufällig trifft er in der Metropole den Ausreißer Humlae bzw. George (Petchtai Wongkamlao), der mit Trickbetrügerei und Wetten sein Geld verdient. Ting sieht in ihm eine Mögllichkeit, sein Ziel zu erreichen, geht aber sehr naiv vor und wird schamlos ausgenutzt. Am Ende vertragen sich die beiden jedoch und ziehen zusammen am Strang, Ong-Bak zu holen.

Die Story ist von vorne bis hinten absehbar und strotzt nur so vor Klischees. Tatsächlich ist sie nur Aufhänger für eine Reihe von actiongelagedenen Sequenzen, wobei hiermit hauptsächlich Kämpfe und zwei Verfolgungsjagden gemeint sind.

Die ausgelutschte Geschichte muss man dem Film aber gar nicht wirklich übel nehmen, da er sich nichts auf sie einbildet und immerhin bodenständig bleibt. Daraus resultiert sogar eine grundsolide Spannungskurve, ohne jetzt aber dem Film etwaige Längen abzusprechen. Diese sind nämlich durchaus vorhanden, was vor allem bei wiederholtem Ansehen auffällt. Die Einführung bleibt zwar betont oberflächlich, trotzdem dauert es ein wenig, bis man die erste handfeste Action bewundern darf. Des Weiteren missfällt die Tuk-Tuk-Verfolgungsjagd mit ihrem Überfluss und dezent überstilisierter Darstellung. Allgemein ist die darauf folgende Phase die schwächste im Film, die erst gegen Ende in unterhaltsames Haudrauf mündet.

Jenes Haudrauf ist nämlich die ganz große Stärke im Film: Tony Jaa, der sich angestachelt von seinen Vorbildern Bruce Lee und Jackie Chan seit seiner Kindheit mit dem Thema Martial Arts auseinandergesetzt hat und deswegen sogar in China selbiges studierte, ist Garant für eine der besten Choreographieen, die man überhaupt im heutigen Film bewundern darf. Hauptsächlich verwendet er in "Ong-Bak" die thailändische Nationalsportart Muay Thai, aber auch Anklänge von anderen Kampfsporten präsentiert er. Die Kämpfe kommen erstaunlich realistisch und überzeugend rüber, was vor allem am Ende beeindruckt. Nur ganz selten durchschaut man die Tricks der Darsteller. Was für eine Arbeit hier drin steckt, fällt natürlich erst bei Betrachtung des Making ofs auf. Ein weiteres Highlight stellt in dieser Beziehung natürlich die Verfolgungsjagd per pedes dar, in der Tony ganz besonders akrobatische Einlagen liefert, die einen durchaus staunen lassen.

Inszenatorisch wirkt der Film stark von ausländischen Werken inspiriert, entbehrt aber nicht jeglicher Originalität. Auffällig ist diesbezüglich die Marotte, gewisse Geschehnisse zwei- oder dreimal hintereinander zu zeigen. Dies betont zwar die Leistung des Protagonisten, kommt aber auch ein wenig eingebildet rüber. Man muss aber auch zugeben, dass der Film sich auf seine Artistik zu Recht etwas einbildet. Musikalisch trällert ziemlich uninspiriertes Zeug aus den Boxen, was dem Geschehen aber eine interessante Note verleiht.

Die Darsteller sind im vergleich zu anderen thailändischen Filmen erstaunlich gut, wobei Tony Jaa unten durchfällt. Er ist ein superber Kämpfer und wenn man mit ihm Filme macht, sollte man sich auf diese Stärke konzentrieren. "Ong-Bak" schafft dies ganz gut, weshalb Jaas schauspielerisches Defizit nicht weiter auffällt. Petchtai Wongkamlao hingegen ist in Thailand ein bekannter Komödienstar. Diese Stärke rettet er ziemlich gelungen zu "Ong-Bak" und vermag es, dem Zuschauer das eine oder andere Schmunzeln zu entlocken. Er ist auch einer der wenigen Faktoren, die den Dialogen Dynamik verleihen.

"Ong-Bak" ist ein durch und durch puristischer Film, der seine Stärken von vorneherein kannte und sich auf diese verlässt. In einer Welt voller Klischees ist eine tolle Choreographie zusammen mit viel Action ein Garant für Unterhaltung. Schade, dass es trotzdem zu Längen kommt.

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