Review
von Leimbacher-Mario
Ellenbogengesellschaft
Ich bin in einer kampfsportaffinen Familie aufgewachsen - kann man so sagen. Bruce Lee ist der Grösste, Judo gehörte schnell zum Leben & Martial Arts-Filme liefen oft genug rauf & runter. Doch die meisten Meisterwerk des Genres habe ich natürlich nicht zu ihrem Release kennengelernt, da diese in den 90ern eher schon wieder verblassten & deren Quantität abnahm. Der Kung Fu-Hype war lange verhallt. Bruceploitation & Bahnhofskino kannte man nur vom Hörensagen. Aber als "Ong Bak" nun vor fast 15 Jahren erschien, war sofort klar, dass ich nun endlich selbst Zeuge eines solchen Haudrauf-Klassikers wurde.
Tony Jaa ließ uns mit offenem Mund stehen, Muay Thai zog einen weltweiten Siegeszug nach sich & so etwas Unmittelbares & Knochenhartes war einfach fantastisch. Hatte man lange lange nicht mehr gesehen. In meinem Kopf war der kleine Kampfkünstler aus Thailand schon der neue Bruce Lee, eine riesige Karriere ala Jackie Chan malte ich ihm aus... ich hätte wohl kaum falscher liegen können :(. Doch Tony Jaas Werdegang soll hier nicht Thema sein. Und von der Kraft & Wucht des ersten "Ong Bak", nimmt das wenig. Mit Abstand sein bester Film. Der Durchbruch im rauesten Sinne.
Die Story ist schwach & kaum der Rede wert, was nicht schlimm ist & auch nicht der Sinn der Sache war. So mies, dass ich früher oft direkt zur Action spulte, hätte die spirituelle Geschichte zwar nicht sein müssen, doch sie tut zumindest ihren Zweck. Es geht um den Kopf einer heiligen Statue, der gestohlen wird. Nun schickt das arme Dorf ihren besten Kämpfer, um diesen wiederzuholen & den Gangstern mal gehörig den Pop zu versohlen. Slapstick trifft Glauben trifft Langeweile. Der Humor funktioniert recht selten & die Inszenierung wirkt arg fremd für westliche Fans. Und trotzdem bzw. nochmal: deswegen guckt man diesen Film nicht, diese Mängel könnten kaum eine kleinere Rolle spielen.
Die Kämpfe, die Action, das Arschtreten sind der absolute Wahnsinn. Hart, brutal, fein. Pumpt Adrenalin & Testosteron bis an den Anschlag. Wie der kleine Kämpfer austeilt, hat man so seit Bruce Lee nicht mehr gesehen. Bewunderung pur. Kein guter Schauspieler & sein Charisma ist ebenfalls noch ausbaufähig, nett gesagt. Aber sein Skills, seine Stunts, sein Mut & die Akrobatik gepaart mit knochenzerberstener Härte, setzte schlicht neue Maßstäbe. Deswegen kommt man zur Show, da liefert "Ong Bak" erbarmungslos ab.
Die Fortsetzungen sind nicht nur noch miesere Filme (storytechnisch), sondern kommen auch an die unmittelbare Action nicht ganz heran. Trotz viel mehr Spektakel & Budget. Die Verfolgungsjagd in wahnsinnigster Parcour-Tradition ist unvergessen & setzte Trends, die Kämpfe im Nachtclub sind killer & sogar die Verfolgungsjagd auf den motorisierten Rikschas macht einfach Bock. Der an westliche Geschmäcker angepasste Soundtrack trägt seinen Teil dazu bei.
Fazit: ein Grundpfeiler des internationalen Martial Arts- & Actionkinos der letzten 20 Jahre. Tony Jaa verblüfft die Welt & wurde allein mit diesem Knock Out von Film zur Legende... vielleicht lag dies dann immer zu schwer auf seinen Schultern. "Ong Bak" ist Zelluloid-Kampfsport in einer neuen Direktheit & Härte.