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Knapp vier Jahre nach dem Erfolg der TV-Serie wurde Escaflowne noch einmal für den Einsatz im Kino mobilisiert. Ob das unbedingt hätte sein müssen, darf man nach Begutachtung des Ergebnisses durchaus fragen. So sehr ich mich als Fan der Serie auch auf den Film gefreut hatte, so sehr wurde ich hier enttäuscht. Woran hängt es? Dazu gleich mehr, erst mal kurz zur Story.

Alle Geschehnisse der Serie haben nicht stattgefunden, wir bekommen eine alternative arg zusammengestauchte Kompaktversion der Geschichte vorgesetzt. Hitomi, eine Schülerin mit Todessehnsucht wird in die Welt Gaia versetzt, wo sie von einer Rebellengruppe (schon dabei: Van, Allen, Millerna und Merle) aufgenommen wird, welche sich gerade des Kampfpanzers Escaflowne bemächtigt hat und nun den Kampf mit den bösen Drachenkriegern sucht, die Gaia terrorisieren.

Das ist alles, Gut gegen Böse, die guten finden Escaflowne, die Bösen, unter dem Kommando von Oberschurke Lord Volken, einen weiteren Kampfpanzer. Es kommt zum vorhersehbaren Showdown zwischen Van und Dilandau in den beiden Mechs, dann zur finalen Konfrontation zwischen Van und seinem Bruder Volken. Die Guten siegen, die Festung der bösen zerbröselt auf unerklärliche aber spektakuläre Weise, danke fürs mithelfen Hitomi und tschüss. Das ist alles! Fast alles was die Serie so gut gemacht hat fehlt, die Mysterien der Vergangenheit welche im Laufe der Episoden ergründet worden, die Plotentwicklung, die Beziehungen der Figuren und was am wichtigsten ist, die Vielfalt der Welt Gaia. Man bekommt kaum etwas von Gaia zu sehen, fast wie ein Endzeitstreifen, nette unbelebte Landschaften, erst im Finale geht’s in eine Stadt. Hallo ich bin Van, der Nachfahre des Drachenvolkes, du musst Hitomi die Auserwählte sein, lass uns den Imperator killen. Die Beziehung der beiden ist völlig unglaubwürdig die beiden kennen sich vielleicht ein paar Stunden und schon kennt Hitomi sein Innenleben perfekt und würde für ihn sterben. Auch scheint ihr der plötzliche Weltenwechsel nicht viel auszumachen. Figuren wie Allen und Millerna haben zusammen vielleicht fünf Minuten Screentime. Und da gibt es noch viel mehr solcher Probleme, zum Beispiel die Schwachsinnsidee mit den Superkräften (Volken benimmt sich wie Darth Vader beim Einsatz des Force Grabs). Fassen wir das mal so zusammen, die Story wird unglaublich platt und vorhersehbar und durch das Komprimieren des Handlungszeitraumes und der praktisch nicht vorhandenen Charakterentwicklung agieren die Figuren des Öfteren völlig unglaubwürdig.

Okay, kommen wir zu den gestalterischen Aspekten, wobei mein Urteil wesentlich positiver ausfällt. Der Zeichenstil ist wesentlich erwachsener als in der Serie, die Figuren sind realistischer und die Nasen anatomisch korrekter. Die Animationsqualität ist superb und jederzeit absolut realistisch, bis hin zur Bewegung der Kleidung und der Haare. Escaflowne The Movie besticht durch unzählige wunderbare Bilder in bestechender Farbqualität. Die Musik ist ein zweischneidiges Schwert, die Stücke aus der Serie haben nichts an ihrer Genialität eingebüßt und untermalen Szenen, wie z.B. den Kampf zwischen Van und Dilandau perfekt. Die neuen Musikstücke sind dagegen meist ziemlich mies und unpassend, wie das orientalische Gedudel in der Eröffnungssequenz oder seichte Popmusik während der Streiterei zwischen Merle und Hitomi im Pferdestall. Das Design Figuren und Maschinen hat sich nach meinen Geschmack verbessert, die Luftschiffarme, die biologischen Mechs oder die Rüstungen der Soldaten sind sehr detailliert und schick geworden.

Fazit: Die meisten Kritikpunkte ergeben sich aus dem Vergleich mit der grandiosen TV-Serie. Der Kinofilm ist lediglich ein lascher Abklatsch, Escaflowne-Light. Die Übertragung der großen Pluspunke der 26 teiligen Serie in einen 95 minütigen Film ist gründlich misslungen, was bleibt ist eine simple Gut gegen Böse Story die ebenso klischeehaft wie vorhersehbar ist und die dafür wirklich grandiose Optik. Ich habe keine Ahnung wie eine Bewertung ausfällt wenn man die Serie nicht kennt, aber ich zumindest kann hier nicht so tun als hätte ich nicht jede einzelne Folge gesehen. Wer Escaflowne noch gar nicht kennt sollte sich vielleicht erst den Film, quasi als Appetizer, anschauen und sich dann die volle Fantasy-Dosis in Form der Serie geben. Ich wage mal zu behaupten, dass Fans der Serie mit diesem viel zu kurzen Film nicht glücklich werden können.

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