Review

Wenn eine Filmproduktion über Jahre mit Querelen zu kämpfen hat, das Konzept nach dem eigentlichen Dreh noch einmal komplett umgekrempelt wird und selbst eine Erscheinung wie Jean Reno wie ein völliger Fremdkörper wirkt, mag man sich ausmalen, dass das Ergebnis alles andere als überzeugend ausgefallen ist.

Die fast 12jährige Polina lebt bei ihrer garstigen Tante und findet über Umwege eine Kiste mit einem zerrissenen Foto, auf dem ihr Vater abgebildet ist. Um das Foto zu vervollständigen und somit etwas über das Schicksal ihrer Eltern zu erfahren, begibt sich Polina auf das Gelände eines Filmstudios, wo sie direkt in eine Filmwelt eintaucht…

Der Dreh der ukrainisch-französischen Koproduktion begann bereits 2017 und auf dem Papier liest sich das an „Alice im Wunderland“ erinnernde Prinzip durchaus tauglich: Ein Mädchen taucht nach und nach in diverse kleine Filmwelten ein, lernt Freunde und Wegbegleiter kennen und löst mit der Zeit das Rätsel um den Verbleib ihrer Eltern.
Die Umsetzung ist allerdings so chaotisch ausgefallen, dass selbst Erwachsene an die Grenzen ihrer Logik stoßen dürften.

So tritt Polina durch eine Tür und landet direkt auf einem Trümmerfeld mit zerbombter Kulisse und einem Panzer, der kurz darauf sein Zielrohr auf sie und ihren frischen Partner richtet. Der wenig kindgerechte Ausflug ist danach sogleich abgehakt, als sich hinter der Tür von Studio 2 eine Musikklasse befindet, der eine fiese Lehrerin vorsteht.
Bei alledem erschließt sich weder, um welchen Film es sich handeln soll, noch, in welcher Form diese miteinander verbunden sein könnten. Alles wirkt wahllos, willkürlich und ohne Kontext.

Bis auf einen Muskelmann fallen die Wegbegleiter ebenfalls dürftig und wenig markant aus, zumal einige weder einen Namen, noch eine unterstützende Funktion erhalten. Sie bilden halt ein Kollektiv fürs Gute. Jenes wird allerdings oftmals mit Gewalt durchgesetzt, was angesichts der anberaumten Zielgruppe ziemlich deplatziert daher kommt. Das mündet irgendwann in einem Wikingerkampf, der mittels billiger Arcade-Game-Optik mit Gesundheitsbalken umgesetzt wird, während an anderer Stelle ab und an Kraftausdrücke zu vernehmen sind.

Lediglich das Tempo wird von Beginn an konstant flott gehalten und ein Mangel an Bewegung besteht beileibe nicht, was der passable Score stets angemessen zu untermalen vermag. Demgegenüber sind die wenigen Spezialeffekte schwach umgesetzt und was ein erwähnter Jean Reno als Wegweiser per Hologramm hier zu suchen hat, erschließt sich nie so wirklich. In seinen wenigen Szenen performt er leider kaum besser als die übrigen Mimen.

Magisch ist hier letztlich rein gar nichts, denn es mangelt an Charme, Humor und einer klaren Botschaft. Beim Drehbuch hakt es an allen Ecken und Enden, zuweilen geht der rote Faden komplett verloren. Lediglich die Abwechslung aufgrund diverser Schauplätze hält das Ding am laufen, etwas davon mitnehmen kann jedoch weder jung noch alt.
Knapp
3 von 10

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