Es ist grundlegend ärgerlich, wenn das Zielpublikum in die Irre geführt wird und bei vorliegendem Werk, schon aufgrund von Titel, Cover und Vermarktung auf einen Action-Thriller hofft. Vielmehr stellt sich der vierte Spielfilm von Autorin und Regisseurin Gigi Gaston als Roadtrip mit viel Drama heraus, welches sich zumindest auf die beiden Hauptdarsteller verlassen kann.
Soeben hat Gypsy (Lena Headey) ihre Karriere als Burlesque-Tänzerin an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Schreiben ihres Romans zu widmen, als ihr elfjähriger Nachbar Sam (Dean Scott Vazquez) völlig panisch und verzweifelt bei ihr auftaucht. Sein Vater hat den Gangsterboss Jack (Sam Worthington) um viel Kohle geprellt, woraufhin seine Schergen die komplette Familie erschossen. Gemeinsam tritt das ungleiche Duo die Flucht an…
„9 Bullets“ deutet zwar auf reichlich Action hin, doch Gaston setzt Schwerpunkte, die damit wenig am Hut haben. Der Titel bezieht sich auf eine beiläufige Erklärung von Gypsy, dass sie die neun Leben einer Katze habe und es entsprechend neun Kugeln benötige, sie auszuschalten. Tja, wenn die Flüchtenden denn überhaupt mal unter Beschuss stünden. Denn hier ist die Welt teils recht klein, weshalb Gypsy und Jack mal was miteinander hatten. Deshalb besucht sie den Tunichtgut in seiner Villa und nach kurzen Begrüßungsfloskeln landen die beiden in der Kiste. Womöglich hielt Gaston es für ihren Joker, Headey und Worthington miteinander schmusen zu lassen, doch handlungstechnisch und in Sachen Rationalität ist damit rein gar nichts gewonnen. Und es knistert auch nichts.
Stattdessen liegt der Fokus klar auf der Annäherung der Hauptfiguren, weil Gypsy Kinder und Hunde (Sam hat einen Chihuahua im Gepäck) nicht ausstehen kann, während Sam tatsächlich einige nervige Verhaltensweisen an den Tag legt, jedoch auf nachvollziehbare Weise Halt benötigt. Obgleich die meisten Dialoge eher oberflächlich anmuten, passt die Chemie zwischen den beiden, wobei sich im Verlauf ein wenig zuviel Kitsch einschleicht, was schon fast der reibungslos heilen Welt eines typischen Weihnachtsfilms gleicht.
Obgleich die beiden permanent mit diversen Autos unterwegs sind, stellen sich ihre Verfolger reichlich dämlich an und es entsteht nie der Einsruck von Dringlichkeit. Indes trifft man an einigen Stationen Nebenfiguren wie Barbara Hershey oder La La Anthony, während ständige Schauplatzwechsel immerhin ein wenig Abwechslung schaffen.
Die erhoffte Spannung bleibt jedoch weitgehend aus und die wenigen Versuche von Humor fallen zu brav aus. Dabei hätte es schon etwas ausgemacht, Gypsy noch ein wenig zynischer zu zeichnen, anstatt sie auf vorhersehbare Weise Schritt für Schritt weich zu kochen.
Während die Geschichte also oftmals ziellos vor sich hin mäandert, sind zumindest das Schauspiel, die musikalische Untermalung mit einigen treffenden Songs und das passable Handwerk recht tauglich ausgefallen. Das rettet die unausgegorene Mischung jedoch nur bedingt, denn überrascht oder emotional mitgerissen wird man bei alledem eben nur unzureichend.
4 von 10