iHaveCNit: Ach du Scheiße! (2022) – Lukas Rinker – Neopol Film
Deutscher Kinostart: 20.10.2022
gesehen am 24.10.2022
Capitol & Palatin Mainz – Palatin 4 – Freie Platzwahl – 20:30 Uhr
Ich stehe auf abgefahrene Filmideen. Vor keine Ahnung wie langer Zeit habe ich irgendwann Anfang des Jahres eine Nachricht über einen Film gelesen, der mein Interesse definitiv geweckt hat und für mich zu einem der meist erwarteten Filme des Jahres gezählt – und mich definitiv nicht enttäuscht hat. Es geht hier um den Debütfilm des aus dem Raum Rhein-Main stammenden jungen Filmemachers Lukas Rinker, der den treffenden Titel „Ach du Scheiße!“ trägt. Warum der Film sogar für mich am Ende des Jahres einer der besten deutschen Filme ist, darauf komme ich noch zu sprechen.
Gerade noch im Traum ein zu Münchner Freiheits „Ohne dich“ tanzendes Erotikmodel gesehen, wacht der Architekt Frank benommen und verletzt in einem umgestürzten Dixiklo auf. Einfach aufstehen geht nicht weil einer seiner Arme ist von einer Metallstange durchbohrt ist. Als er langsam zu Sinnen kommt, bekommt er über Lautsprecherdurchsagen und Beobachtungen mit, dass sein Dixiklo mitten auf einer Abbruchsstelle liegt, auf dem in einer halben Stunde eine Sprengung stattfindet. Ihm bleibt nur noch wenig Zeit herauszufinden, wie er in diese missliche Lage gekommen ist und wie er wieder aus dieser Lage rausfindet.
Überlebenskämpfe auf engem Raum sind filmisch gesehen sehr effektiv. Bei der Idee des Films könnte einem klar „Buried“ mit Ryan Reynolds in den Sinn kommen – nur eben in einem Dixiklo. Doch mir kam bei der Sichtung ein anderer Film in den Sinn – Danny Boyles „127 Hours“, der einen auf wahren Begebenheiten beruhenden ähnlichen Überlebenskampf auf engem Raum liefert.
„Ach du Scheiße!“ ist eine großartige Genreperle geworden, die eine Mischung wunderbar ausbalanciert – Von sowohl ernstem Survivalthriller als auch Provinzkomödie und Splatter-Body-Horror-Trash-Film – all das balanciert der Film großartig in seinen 90 Minuten aus und er schafft es sogar, dass man in den witzigen, überzeichneten und durchaus übertriebenen Exzessen inmitten von Dreck, Blut, Schweiß und Fäkalien den Film immer noch mit einer Prise Ernst betrachten kann und der Film sich durchaus auch Ernst nehmen darf und kann. Der Film nutzt im Rahmen seiner Möglichkeiten ebendiese vollumfänglich aus und lässt das Dixiklo selbst zu einem lebendigen Set werden, dass seine ganz eigene Rolle im Film spielt. Darstellerisch nimmt man dem von Thomas Niehaus gespielten Architekten Frank den verzweifelten, ideenreichen Überlebenskampf zu jeder Minute ab und Gedeon Burkhard funktioniert prächtig als potentieller Bürgermeister, Bauunternehmer und Antagonist des Films, der gleichwohl ernst als auch als humoristische Karikatur gesehen werden kann. Die blutigen, brutalen, überzeichneten Gewaltexzesse können genauso Ernst genommen und nicht als Fremdkörper betrachtet werden und die letzten Konsequenzen im Überlebenskampf haben die Härte eines „127 Hours“ und dagegen sind selbst die Überlebenskämpfe der Saw-Reihe meiner Meinung nach harmloser. Mein Schlussfazit kann bei dem Film nur die Fortsetzung des Filmtitels mit dem Ausspruch „... ist der Film gut und unterhaltsam“ lauten.
„Ach du Scheiße!“ – My First Look – 9/10 Punkte.