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Zu einer Zeit, in der die Briten noch als koloniale Besatzer über Indien herrschten, kreuzen sich die Wege zweier Männer. Bheem ist von seinem Dorf ausgesandt worden, nach einem Mädchen zu suchen, dass sich die Gattin des hiesigen Gouverneurs Buxton mit nach Hause genommen hat. Raju ist Offizier bei den Briten, gilt als besonders fähig und wird beauftragt, den als Terroristen betitelten Bheem daran zu hindern, seinen Plan durchzuziehen. Die beiden lernen sich kennen - ohne zu wissen, dass sie auf verschiedenen Seiten stehen.

Und bis sich das auflöst, dauert es natürlich eine ganze Weile. Die drei Stunden, bei denen man erst nach einer halben Stunde mal den Filmtitel bekommt, wollen ja gefüllt werden. Das ist aber keine Kritik, schließlich hat man mit „RRR“ einen indischen Blockbuster vor sich und da ist so etwas nicht abwegig.
Gleiches gilt für die Inszenierung, als Actiondrama bekommt man hier die üblichen Zutaten geliefert. Alles ist dramatisch, es fehlt nicht an den großen Gesten, dem Pathos, den Zeitlupen und den hanebüchenen Aktionen der Helden. Da muss man sich drauf einlassen, denn all das macht letztlich auch einen großen Teil des Unterhaltungswerts aus.
Dass die beiden Hauptfiguren so lange nicht mitbekommen, wer der andere denn nun wirklich ist, wirkt ob der gemeinsamen Aktionen zwar wenig glaubwürdig, aber auch das muss man eben aus dramaturgischen Gründen schlucken. Die Briten sind nahezu ausnahmslos fies, rassistisch und brutal, auf dieser Seite gibt man sich sehr klar. Anders sieht es da bei den beiden Protagonisten aus, bei denen zumindest von einem erst mit der Zeit die wahren Absichten ans Tageslicht kommen. Dies wird in Rückblenden auch derart ausgewalzt, dass ob der dröflzigsten Wiederholung mancher Phrase auch der Letzte kapieren soll, was denn hier nun Phase ist. Da haut der von S. S. Rajamouli inszenierte Bombastkracher dann doch zu viele Lagen raus.

Darstellerisch ist hier auch alles eine Spur drüber. Dabei ist es weniger das Spiel selbst, sondern eben die Aktionen, die von den Beteiligten in Wort und Tat vollführt werden. Wie gesagt, ist auch so erwartbar, wenn einem das dortige Kino nicht völlig fremd ist. Wer sich daran stört, dass einer der Helden Soldaten mit einem Motorrad verdrischt, das er per Tritt vorher aus voller Fahrt gestoppt hat, ist hier eben falsch.
N. T. Rama Rao  Jr. und Ram Charan geben ein stimmiges Duo ab, sowohl in der gegenseitigen Krise als auch beim Abfeiern ihrer Bromance. Auf Seite der Gegenspieler ist der leider nicht mehr unter uns weilende Ray Stevenson erwähnenswert, wenn er auch als eindimensionaler Fiesling unterfordert scheint. Die aus dem dritten „Indiana Jones“-Abenteuer bekannte Alison Doody gibt seine Frau, die man richtig schön abscheulich finden kann.
Dies trifft nicht auf die Tanzszene zu und es mag verwundern, dass es nur eine große hier gibt. Diese ist dafür zu dem Song „Naatu Naatu“ flott inszeniert und macht Laune. Ansonsten kommt der Gesang aus dem Off, eher kommentierend und beschreibend, erinnernd an die griechischen Theaterchöre anno dazumal. Ohne eine gewisse Anzahl an Effekten aus dem Rechner kommt das Ganze nicht aus, meist fügt sich das stimmig ins Gesamtbild ein, wenn die CGI auch oftmals als solche zu erkennen sind, im Kleinen sowie auch in kompletten Panoramen. Wirklich störend ist das ob des sowieso herrschenden maßlosen Tons aber nicht.

Besagt eine Texttafel zu Beginn auch, dass es hier rein funktional zugeht und man sozusagen niemandem auf die Füße treten will, so kann man den historischen Bezug nicht von der Hand weisen. So passiert ist das freilich nicht, „RRR“ nimmt sich eher grundsätzlich Geschichtliches und verarbeitet es in emotionaler und visuell überzogener Weise, lässt sich dafür feiern, hat im letzten Drittel aber auch eine lange Episode zum Hintergrund einer Figur, die auf die trotz der Thematik oft lockeren Stimmung völlig verzichtet. Überhaupt ist interessant, wie der Film diesen ganzen historischen Komplex versucht als Stimmung zu verabreiten, wobei daher eben aufgrund dieser Komprimierung die Kolonialisten eindimensional verachtenswert gezeigt werden.

Rajamoulis patriotische Geschichtsfantasy mit Action, Drama und Bromance ist ein vollgepackter Dreistünder mit den erwartbaren Zutaten eines Blockbusters aus Indien. Alles ist größer, pathetischer und bedeutungsschwanger. Dass der Streifen dabei trotzdem übersichtlich und, abseits einer zu langen Rückblickepisode, überwiegend kurzweilig bleibt, ist eine Leistung. Wenig Tanz und Gesang, dafür viele stilsicher eingefangene Bilder machen „RRR“ zu einer lohnenden Sichtung für Interessierte.

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