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Natürlich gibt es vereinzelt noch Gründe, Filme im Stil von Found Footage herauszubringen. Ein geringes Budget ist ein häufig angeführter Aspekt, aber auch die Tatsache, dass Menschen rasch zum Mobiltelefon greifen und an manchen Orten immer mehr Überwachungskameras anzutreffen sind. Eine Möglichkeit, das Publikum mal so richtig zu fordern, liefert Autor, Regisseur, Cutter, Kameramann und Darsteller Robbie Banfitch.

Zwei Paare um die Brüder Robbie und Scott unternehmen einen Ausflug in die Mojave Wüste, um hier einen Musikclip im Stil der 60er zu drehen. Doch bereits in der ersten Nacht nehmen sie in ihren Zelten unnatürlich laute Geräusche wahr, kurz darauf verschwinden Menschen…

Bereits die ersten zwanzig Minuten lassen auf eine harte Geduldsprobe schließen. Es gibt jede Menge Alltagsschnipsel und Ausschnitte von Banalitäten, welche rein gar nicht zur Charakterzeichnung der vier beitragen. Da werden Geschenke am Geburtstag verteilt, Mutter besucht oder ein Lied angestimmt und all das, bevor der Trip überhaupt erst losgeht.

Doch auch die Reise mit kleinen Zwischenstationen wie die kurze Erkundung einer Mine lässt keine interessanten Impressionen einfließen. Erst als man an einigen Einstellungen für das Musikvideo arbeitet, lassen vereinzelte Perspektiven darauf schließen, sich hin und wieder doch von der Willkür etwas fortzubewegen. Es sieht für den einen Moment tatsächlich stylisch aus, wenn sich eine der Damen im Wind zur Sonne hin bewegt, während die Kamera am Boden positioniert ist.

Doch diese Ausnahme steht im totalen Kontrast zu dem, was einem im letzten Drittel erwartet und das ohnehin nicht allzu übersichtliche Szenario komplett in diffusen Momentaufnahmen mündet. Es gibt sehr viel Blut, genauso viel Dunkelheit und über die meiste Zeit den schwachen Schein einer Taschenlampe, die immer nur einen Bruchteil des Ganzen einfängt, wonach man wahlweise puzzeln oder nur den Kopf schütteln kann. Beides geht auch.

Und selbstverständlich gibt es keine einleuchtende Erklärung für das blutige Unterfangen, bei dem sogar kurzfristig auf eine Art Zeitschleife zurückgegriffen wird. Da könnten extraterrestrische Parasiten genauso am Werk sein wie der Einfluss eines verseuchten Territoriums, selbst plötzlich auftretende Paranoia eines einzelnen Individuums ist nicht gänzlich auszuschließen. Im Grunde kann man sich das aussuchen, denn klar zu erkennen ist in den letzten vierzig Minuten fast nichts.

Den vier Mimen kann man noch weitgehend bodenständige Performances zugute halten und auch Teile der Sounduntermalung kommen partiell leicht bedrohlich rüber. Andere fallen hingegen arg schrill aus und man verlässt sich auch nicht komplett auf das Rohmaterial, welches angeblich von der Polizei gefunden wurde, da an einigen Stellen deutlich Sounds oder gar Musik hinzugefügt wurde.

Am Ende kommt das Werk wie ein missglückter Experimentalfilm rüber, der zum Schluss zwar für zwei Einstellungen auf blutige Details zurückgreift, was jedoch nur einen Bruchteil des nebulösen Geschehens erklärt. Der Rest gestaltet sich überaus anstrengend für Auge, Ohr und Verstand, wonach man sich die viel zu langen 110 Minuten definitiv ersparen sollte.
2,5 von 10 


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