Der unbrechbare Wille nach Freiheit und die unumstößliche Freundschaft zwischen zwei Männern; nie wurden diese beiden Themen intensiver dargestellt als in Franklin J. Schaffners „Papillon“.
Henri Charrière (Steve McQueen) – von allen nur wegen seines Schmetterlings-Tattoos auf der Brust „Papillon“ genannt – wird zu Unrecht wegen eines Mordes verurteilt und nach Französisch-Guyana gebracht, um dort seine Strafe abzusitzen und anschließend dort seinen Lebensabend bei Zwangsarbeit zu verbringen. Auf dem Weg dorthin lernt er den Fälscher Louis Dega (Dustin Hoffman) kennen. Die beiden erkennen recht schnell, dass sie einander brauchen: Dega braucht Papillon, damit dieser ihn vor körperlichen Übergriffen der Mitgefangenen bewahrt; und Papillon braucht Dega, der über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um seine Fluchtpläne in die Tat umzusetzen. So entwickelt sich mit der Zeit aus dieser zweckgebundenen Partnerschaft eine tiefe Freundschaft.
Statt als kühler Rebell, als den wir ihn kennen und lieben gelernt haben, tritt Steve McQueen hier als leidenschaftlicher Kämpfer für seine eigene Freiheit auf. Vor allen Dingen dadurch, dass sein Charakter des Papillon so intensiv analysiert und durchleuchtet wird, hebt sich die Rolle, die er hier spielt eindeutig von seinen sonstigen Rollen ab. Er verkörpert als Henri Charrière den unbändigen Willen nach Freiheit, den jeder Zuschauer nur allzu gut nachvollziehen kann. Dabei durchläuft McQueen bzw. Papillon mehrere Phasen, die ihm als Darsteller einen Facettenreichtum abverlangen, den man McQueen zuvor nur schwerlich zugetraut hätte: Vom starken Mann, der auf der Gefängnisinsel abgesetzt wird über den körperlich und geistig verfallenen, schon beinahe gebrochenen Gefangenen, der nahe am Wahnsinnigwerden steht, bis hin zum sehnsüchtig in die Ferne blickenden, gealterten Papillon: in sämtlichen Phasen des hier dargestellten Lebensabschnittes Henri Charrières weiß Steve McQueen zu überzeugen und den Zuschauer noch tiefer in den Bann dieser spannenden und herzergreifenden Geschichte zu ziehen. Als würdige Nebenbesetzung erweist sich da auch Dustin Hoffman, der den ruhigen Gegenpol zu Papillon verkörpert. Statt sich gegen die Gefangenschaft aufzulehnen, möchte er sich am liebsten in seinem Schicksal ergeben und darauf hoffen, dass seine Frau im fernen Frankreich seine Freilassung erwirkt. In dieser Rolle agiert Hoffman seinem Kollegen McQueen nahezu ebenbürtig und es bleibt nur, das Urteil zu fällen, dass man keine bessere Besetzung für diese beiden Rollen hätte wählen können.
Neben den herausragenden schauspielerischen Leistungen ist es vor allen Dingen die visuelle Komponente, in der „Papillon“ auf ganzer Linie überzeugen kann. Schaffner erschlägt den Zuschauer schon fast mit den beeindruckendsten und intensivsten Landschaftsaufnahmen, die er aus der tropischen Kulisse hervorzaubern konnte.
Eingebettet in diese tollen Kulissen und den eindringlichen Score von Jerry Goldsmith entwickelt sich die Lebens- und Leidensgeschichte von Henri Charrière zu einem fesselnden Drama rund um Freundschaft, Freiheit und Lebensfreude, das trotz seines ernsten Themas immer wieder mit komischen Momenten auftrumpfen kann. Rundum ein wundervoller Film, der sicherlich einen Höhepunkt in der Karriere McQueens darstellte und für mich sein mit Abstand bester Film ist. 9 von 10 Punkten!