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Die grandiose Verfilmung der Lebensgeschichte von Henri Charriere. Charrieres ausgeschmückte Autobiographie landete zuerst auf dem Buchmarkt und war dort so erfolgreich, dass der Roman in Dutzenden von Sprachen aufgelegt wurde. Trotz der Tatsache dass manche Abschnitte eher einem Abenteuerroman, oder schon fast einer Story a la Münchhausen gleich sind, weiss dieses Werk zu fesseln, in Buch sowie in Filmform. Dalton Trumbo verfasste den Roman in ein Screenplay um und Franklin J. Schaffer übernahm den Part der Regie. Heraus kam ein zweineinhalbstündiger, aber stets fesselnder Gefängnisfilm, der 1973 im Kino einschlug wie eine Bombe und heute zu Recht als Klassiker zitiert wird. Kurze Zeit später schob Roger Corman mit "Meuterei auf der Teufelsinsel" eine Art Remake in B-Form nach. Den ganzen Trouble bekam Charriere leider nicht mehr mit, denn er verstarb 1967 an Kehlkopfkrebs. Doch nach seiner Flucht von der Teufelsinsel hatte er noch ein erfülltes Leben. Durch sein Buch wurde er steinreich, obendrein hatte er in Venezuela einen großen Nachtclub.

Henri Charriere (Steve McQueen) wird wegen seines Tattoos in Schmetterlingsform von Allen nur Papillon genannt. Wegen des angeblichen Mordes an einem Zuhälter, wird er zu lebenslänglicher Haft auf der Teufelsinsel verurteilt. Auf der Reise dorthin lernt er den Fälscher Louis Dega (Dustin Hoffmann) kennen. Papillon beschützt den schwachen Dega auf der Fahrt ins Gefängnis, dafür soll Dieser ihm ein Boot bezahlen. Doch gleich die erste Flucht schlägt fehl und Papillon muss zwei Jahre Einzelhaft über sich ergehen lassen. Der Drang nach Freiheit lässt ihn kurze Zeit später wieder eine Flucht planen. Mit Dega und Maturette (Robert Deman) gelingt ihm die Flucht. Doch schon fast in Freiheit wird Maturette angeschossen und Dega muss er wegen eines gebrochenen Knöchels zurücklassen. Bald landet Paillon bei den Indianern und schließlich in einem Kloster, wo er verraten wird. Wieder muss er eine Einzelhaft über sich ergehen lassen, um schließlich auf den Teufelsfelsen verbannt zu werden. Papillon hat immer noch nicht aufgegeben.

Hauptdarsteller Steve McQueen ist hier in Hochform und hätte sich für diese authentische Verkörperung locker einen Oscar verdient. So eine vielseitig Rolle glaubwürdig darszustellen verlangt selbst von einem Profi alles ab. Allein schon die Einzelhaft, wie Papillon in der Dunkelheit bei halber Ration langsam wahnsinnig wird, könnte man nicht besser darstellen. Auch die Maske liefert perfekte Arbeit. Man lässt Papillons Haare ergrauen, sein Gesicht einfallen. Eine weitere Meisterleistung gibt Dustin Hoffmann als Fälscher Dega zum Besten. Auch er hat einen durchaus schweren Part zu mimen. Die restlichen Darsteller machen alle einen brillanten Job, sind aber nicht sonderlich bekannt. Für die Kulisse musste Produzent Ted Richmond den Großteil des Budgets hergeben, denn so eine realistische Gefängniskulisse konnte nur noch "Midnight Express" bieten. Da die Kolonien schon seit ein paar Jahre zu waren, musste man Diese nachbauen. Der Abspann zeigt Bilder, wie es dort 1973 aussah, der Film spielt ja in den 30er Jahren. Unter menschenunwürdigen Bedingungen werden die Gefangenen erst mit dem Schiff auf die Inseln gebracht und dann in die Kolonien zum Arbeiten gesteckt.

Dort arbeiten sie den ganzen Tag unter sängender Hitze, müssen Leichen vergraben, werden von Krokodilen attackiert und obendrein noch von den Wärtern misshandelt. Papillon wagt bald die Flucht, wird aber verraten und macht mit der Einzelhaft die Hölle durch. Wie man mit der Einzelhaft einen Menschen brechen kann, wurde noch nie so realistisch dargestellt. Aber Papillons Drang nach der Freiheit ist so stark, dass er kurze Zeit später wieder einen Versuch wagt, diesmal erfolgreicher. Er landet bei einer Lebrakolonie, muss seine Freunde zurücklassen, um schließlich auf einem hübschen Fleckchen Erde bei den Indianern zu landen. Doch er bleibt nur kurz, sein Ziel ist Honduras, doch dort wird er in einem Kloster verraten. Man erfährt weder im Buch noch im Film, ob Charriere den Zuhälter nun ermordet hat, oder nicht. Er ist uns Zuschauer ein charismatischer Mensch, doch er lässt auch ohne zu zögern seine Kumpanen im Stich. Während der Film stets hochspannend ist und den Zuschauer fesselt, so ist nur in den letzten zehn Minuten etwas die Luft raus. Papillons finale Flucht vom Teufelsfelsen ist nicht sonderlich spektakulär, obwohl McQueen den Klippensprung selbst ausführte.

Die Verfilmung von Henre Charrieres Leidensweg hätte man in keinster Weise besser machen können.

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