Nach einer wahren Begebenheit: Steve McQueen spielt Henri Charriére, Papillon genannt, der unschuldig wegen Mordes verurteilt wird und als Strafgefangener nach Französisch-Guayana deportiert wird. Dort muss er unter menschenunwürdigen Bedingungen leben, bis er schließlich zusammen mit seinem Mitgefangenen, gespielt von Dustin Hoffman, einen Ausbruch zu planen beginnt, womit er jedoch in das Visier der Wärter rückt.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Henri Charriére, der tatsächlich in eine Straf-Kolonie gesteckt wurde und existierte bereits seit Jahrzehnten und mit Franklin J. Schaffner widmete sich endlich ein Regisseur dem Stoff und, nachdem er bereits mit "Planet der Affen" und "Patton" zwei sehr starke Filme in Szene setzte, leistet er erneut gute Arbeit, macht aber auch Fehler.
Schaffner stellt die menschenunwürdigen Zustände im Gefängnis von Französisch-Guayana knallhart und realistisch dar und schnell wird dem Zuschauer wegen der trostlosen Kulisse und der gespannten, düsteren und melancholischen Atmosphäre, bei der der Tod und das Elend förmlich in der Luft liegen klar, warum die Gefängnisse in Französisch-Guayana schließlich geschlossen wurden. Mit der nötigen Brutalität ist der Film dabei stellenweise wirklich verstörend, zumal man als Zuschauer weiß, dass die Handlung nicht bei den Haaren herbeigezogen ist und, dass die Geschichte auf Tatsachen basiert.
Die Filmmusik, von einem besten Filmkomponisten aller Zeiten, Jerry Goldsmith, der unter Anderem die Scores zu "Michealangelo", "China Town", "Alien" und "L.A. Confidential" schrieb, passt perfekt in den Film und unterlegt die dramatische und emotionale Szenerie mit einfühlsamen Klängen, mit denen die melancholische Atmosphäre noch weiter verstärkt wird. Handwerklich gibt es also überhaupt nichts zu bemängeln, wobei die meisten Aspekte des mittlerweile schon 35 Jahre alten Films durch verschiedene Gefängnisdramen wie "Die Verurteilten" oder "The Green Mile" getoppt wurden und der Film damit in der heutigen Zeit nicht mehr so schockieren kann wie damals, auch wenn er für die damalige Zeit enorm aufwendig gemacht und in Szene gesetzt ist und auch der Kulissenwechsel, zwischen Gefängnis und Tropenparadies sehr gut gemacht ist.
Schaffner lässt sich bei seiner Inszenierung zu viel Zeit. Nach einer quälend langen Exposition beginnt Schaffner sehr langsam damit Spannung und Dramatik aufzubauen und nimmt dem Film auch im Mittelteil stellenweise die Fahrt. Die Charakterkonstruktion ist daher relativ vielschichtig geworden, ist aber auch nur ein kleiner Wehrmutstropfen für eine langweilige erste Stunde. Anschließend überschlagen sich die Ereignisse, die Wendungen sind unvorhersehbar, die Story wird immer interessanter und Schaffner beginnt das Tempo immer weiter zu steigern und baut somit zunehmend Spannung und Dramatik auf und kann den hohen Unterhaltungswert bis zum Finale halten. Papillons zahlreiche Ausbruchsversuche stellen dabei natürlich den Fokus des Films dar und Die Tatsache, dass der Film auf wahren Begebenheiten basiert, gibt dem Film dabei natürlich noch einmal zusätzlich Fahrt.
Die Story wurde stellenweise abgeändert, entspricht aber im Großen und Ganzen seiner Vorlage. Stellenweise wird die Hauptfigur dabei sehr heroisch und idealisiert dargestellt, womit die vielschichtige und ausführliche Charakterkonstruktion zumindest teilweise ihre Glaubwürdigkeit verliert. Vielleicht hätte man es mit dem Bild des tragischen Helden nicht so sehr übertreiben sollen. Die Ausbruchsversuche sind genau geschildert und interessant in Szene gesetzt, wobei auch hier stellenweise eine übertriebene Dramatisierung zu spüren ist. Im Groben und Ganzen hat die interessante Story jedoch kaum Kritikpunkte, auch wenn man stellenweise besser auf dem Boden der Tatsachen geblieben wäre.
Auch wenn er in "Thomas Crown ist nicht zu fassen" und "Die glorreichen Sieben" tragende Rollen in echten Klassikern übernehmen durfte, wird die Rolle des Papillon wohl auf ewig die Rolle sein, mit der Steve McQueen identifiziert wird. McQueen spielt die Rolle absolut überlebensgroß und zieht die Sympathie des Zuschauers von der ersten bis zur letzten Minute auf den tragischen Helden und spielt in allen Belangen überzeugend. Ob er nun in der Einzelhaft am Rad dreht, ob er gerade in die Freiheit entkommen ist, oder ob er gerade gedemütigt und erniedrigt wird, McQueen ist absolute klasse und zeigt zudem seine Vielseitigkeit in der emotionalen Biografie. Dustin Hoffman ist neben dem überragenden McQueen eher eine Randerscheinung, verkauft sich aber ebenfalls sehr gut und überzeugt als Mitgefangener voll und ganz. Nach "Die Reifeprüfung", "Little Big Man" und "Asphalt-Cowboy" war "Papillon" ein weiterer wichtiger Karriereschub für Hoffman, bevor er schließlich mit "Die Unbestechlichen" und "Kramer gegen Kramer" endgültig in die obere Schauspiel-Riege aufstieg.
Fazit:
Die Story nach wahrer Begebenheit ist hochinteressant und bis auf ein paar künstliche Dramatisierungen voll überzeugend. Schaffner lässt sich vor allem Anfangs bei seiner Inszenierung ein bisschen zu viel Zeit und braucht eine Weile, bis er schließlich auf ein hohes Unterhaltungsniveau kommt, kann dann aber mit der verstörenden Darstellung der menschenunwürdigen Bedingungen auf der Strafkolonie, der perfekten Musik von Jerry Goldsmith und mit der überragenden Leistung von Steve McQueen Spannung und Dramatik gleichermaßen steigern. Auch wenn "Pappilon" spätestens seit "Die Verurteilten" deutlich übertroffen wurde, worunter die desillusionierende Wirkung des Films teilweise gelitten hat, ist er immer noch empfehlenswert und für Cineasten ein Muss.
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