Basierend auf dem gleichnamigen Roman inszenierte Franklin J. Schaffner dieses Drama um den Papillon genannten Häftling einer Strafkolonie vor Französisch-Guyana. Die Buchvorlage von Henri Charrière beinhaltet autobiographische Elemente, da er selbst in den 1930er Jahren als Sträfling dorthin verbracht wurde. So sollen im Film diverse Begebenheiten seinen Erlebnissen ähneln, mit etwas Recherche stößt man allerdings auf diverse abweichende Aussagen von damaligen Beteiligten. Das soll die Qualität von Schaffners Film aber in keiner Weise beeinträchtigen. Als Biographie sollte man „Papillon“ nicht sehen, sondern einfach als gelungenes Knast-Flucht-Drama mit einer ansprechenden Besetzung und stimmigen Atmosphäre.
Schon zu Anfang, wenn die Verurteilten einer Prozession gleich durch die Straßen in Richtung Schiff marschieren und die Überfahrt zu der Gefängnisinsel nicht nur einiges an Zeit, sondern auch die Personen in Anspruch nimmt, versetzt der Film einen in die durchgehend herrschende Stimmung. Vom Beginn an etabliert er die Fäden, an denen sich die Geschichte entlanghangelt, es entwickeln sich Beziehungen und Abhängigkeiten. Stets wird man mit dem Tod konfrontiert und der Korruption, die als Mittel zum Zweck taugt – wenn man an den Richtigen gerät.
Unterteilt ist das in verschiedene Stationen, den zugeteilten Arbeiten, den Widerstand, die Einzelhaft bis zum Verlust des Verstandes. Der Wille soll gebrochen werden, wirre Träume und Isolation setzen dem Protagonisten zu und doch ist da dieser unsterbliche Gedanke an die Flucht, die Wiederlangung der Freiheit. Es kommt zu Verflechtungen mit anderen Insassen, dem Personal, den Menschen außerhalb der Mauern und nie weiß man, ob man auf ein Happy End hoffen darf. Das schwingt immer mit, ebenso das Misstrauen, welches das Skript als Daueremotion hier etabliert. Dabei ist es eigentlich nicht so einfach, den Leuten die Daumen zu drücken. Was an auch nicht unbedingt muss, eine gewisse Distanz zu den Handelnden ließ sich für mich meist nicht überwinden. Man weiß nicht bei allen, warum sie in dieses Lager verbracht wurden und wenn man's weiß, macht es das nicht unbedingt besser. Papillon selbst beteuert seine Unschuld, man mag ihm glauben oder nicht. Dem gegenüber stehen die herrschenden unmenschlichen Bedingungen und so ist das Szenario von einer gewissen Ambivalenz und einer Gewissheit an Unbehaglichkeit durchzogen.
Und das vor einer teils traumhaften Kulisse, unter anderem gedreht in Französisch-Guyana. Dazu noch in Spanien, Klippen auf Hawaii und auf Jamaika. Man spürt förmlich die Sonne, gleichsam aber auch den Schweiß und Dreck, den die Leute hier mit sich herumtragen. Und doch findet sich auch hier und da etwas Humor. Auffällig ist die sparsam eingesetzte Musik von Jerry Goldsmith und manch längere Passage ohne gesprochenes Wort. Dazu ist „Papillon“ angenehm unaufgeregt gefilmt, verfällt nie in eine unpassende Hektik, sodass sich die aufgebaute Atmosphäre nicht bricht. Daran hat auch das Ensemble seinen Anteil, Steve McQueen durchleidet die Stationen mit einer sehenswerten Leistung von kräftig bis schwach und zurück und nochmal. Dustin Hoffman als schrulliger Degas spielt eine gute zweite Geige, bleibt aber eher prominenter Stichwortgeber. McQueen ist stets das Zentrum und der Ankerpunkt des Films. Eine schwache Leistung kann man niemandem hier attestieren. Und merkt man dem Streifen seine Überlänge meist nicht an, ist es gerade der Schlussakt, der sich etwas zieht. Doch bekommt man über die Gesamtzeit betrachtet einen zu guten Film, als dass das schwer wiegen würde.
„Make the best of what we offer you and you will suffer less than you deserve.“
Mit einem steten Fluss ausgestattet und in seinen Kapiteln fast immer atmosphärisch und dramatisch ist „Papillon“ ein sehenswertes Drama um die Gefangenschaft, Willensstärke und Freiheitsdrang. Der Weg dorthin ist eingefangen in teils paradiesische Bilder, die das unmenschliche Szenario in ihrer Gegensätzlichkeit ergänzen. Trotz kleiner Längen im letzten Akt lohnt sich das Abenteuer aufgrund seiner Präsentation, einem starken Steve McQueen und den in sich gegensätzlichen Figuren.