Review

Menschen, Macht und Matriarchate


Ruben Östlund hat sich mit messerscharfen (und zugeben wohl etwas selbstverliebten) Gesellschaftssatiren wie „The Square“ zurecht einen Namen gemacht unter anspruchsvolleren Filmfreunden und nun legt er (zumindest auf dem Papier/in der Theorie) seine thematische Vollendung und sein Magnus Opus vor: „Triangle of Sadness“ spielt in drei langen Kapitel im Modezirkus, auf einer Luxusyacht und auf einer Insel - zwischen reich und arm, zwischen schlau und plump, zwischen „The Rules of the Game“ und „Ballermann 6“, zwischen oberen Zehntausend und modernen Sklaven, zwischen Himmel und Hölle, zwischen Kapitalismus und Kommunismus, zwischen goldenem Löffel und echtem Können…

„Eat the Rich“ ist schwer angesagt und hatte letztes Jahr mit dem auch starken „The Menu“ ja schon einen tollen Vertreter, der sich zu einem perfiden Doppel mit Östlunds Dreifaltigkeit treffen könnte. Ebenso steht „Triangle of Sadness“ in der Tradition von Bunuel, Dali und Godard, mit ihren Würgeengeln und charmanten Bourgeoisien. Hier wird nach oben getreten, aber auch nach unten gespuckt. Nach links und rechts geschaut, aber mutig nach vorne marschiert. Vor allem das zweite Kapitel auf See ist schwindelerregend gut. Mein (ausverkaufter!) Kinosaal hat vollkommen zurecht getobt. Schlechter Geschmack richtig gemacht. Da wird gekotzt, gekackt, gefeuert aus allen Rohren. Woody Harrelson als schrulliger Captain. Iris „In den Wolken!“ Berben. Auch die Beziehung der beiden jungen Influencer und Models, die man noch am ehesten als Hauptfiguren nennen könnte, hat es in sich und nimmt etliche Geschlechter- wie Gesellschaftsrollen konstant auseinander. Das letzte Drittel zwischen „Lost“, „Herr der Fliegen“ und „Old“ fällt ein wenig ab und überstrapaziert Konzept wie Geduld. Doch die meiste Zeit ist „Triangle of Sadness“ über jeden Zweifel erhaben. 

Fazit: Dreiecke der Machtverhältnisse. Selbst wenn das dritte und letzte Kapitel etwas abfällt und alles in die Länge zieht, nochmal wiederholt - die meiste Zeit war „Triangle of Sadness“ ein bitterböser Spaß und Abgesang auf eine hoffnungsvolle Menschheit. Recht theoretisch. Aber doch lockerleicht genug. 

Details
Ähnliche Filme