Review

Nach dem gestrigen Mentaltraining durch den Genuss eines hochinteressantes Films, siehe Posting zu "The Monkey's Mask", brauchte ich am gleichen Abend noch dringend ein seelisches Aufbaumittel. Somit hatte ich mir dann noch "The Girl Gets Moe" eingeworfen, mal wieder ein Film etwas abseits des Mainstreams.

Die Story könnte fast von Tarantino sein, die Umsetzung übrigens auch. Ein typisch amerikanischer Geschäftsmann, aus der Branche Waffenhandel ohne Rückfragen, verliebt sich in ein hübsches Mädel. Es kommt, wie es nicht kommen mußte, der Typ ist hin und weg, frönt fortan der Monogamie, deren Neuanfang aber ein paar Tage warten muss, bis sie endlich will.

Waffenhändler, die ganz alleine sind, sind dem Hören nach häufig nach kurzer Zeit noch alleiner, von den Würmern einmal abgesehen. So hat auch unser Knabe einen "Bekannten", der ihn auf seinen Geschäftstouren begleitet und etwas durchgeknallt ist. Der Mann ist zwar lieb und nett, nur kann diese Erfahrung nicht jeder weitergeben, da dies erfordern würde, den Kontakt zu überleben.

Nach einem gemeinsamen Abend mit einem Kuppelversuch zwischen dem "Bekannten" und der weniger wählerischen Schwester der Angebetenen kommt man sich zu Hause näher. Während unser Waffenhändler nun endlich in den Genuss kommt, mit der monogamen Beziehung auch in horizontaler Lage voranzukommen, vergnügen sich der Bekannte und die Schwester ein Geschoss tiefer. Es kommt, wie es kommen muss - ein kleiner Unfall, die Schwester ruscht aus und der Bekannte steht mal wieder vor einer Leiche. Wohlwissend, dass sein Chef zum aktuellen Zeitpunkt eine Unterbrechung nicht gut finden würde, aber auch später kaum eine positive Haltung zu der Leiche aufbauen könnte, versteckt unser Bekannter diese erst einmal.

Selbstverständlich wird diese entdeckt. Zuerst von unserem Waffenhändler, dann von der Angebetenen, die im übrigen auch gerne eine Beretta in der Hand hält. Die Frau ruft die Polizei, dummerweise einen Freund unseres Waffenhändlers. Während die Frau sich im weiteren Verlauf abwechselnd mit ihrem Ex-Geschäftsmann, seinen Bekannten, einem korrupten Polizisten sowie ihrem auf sie scharfen Nachbarn rumschlägt, kämpft auch unser Waffenhändler an mehreren Fronten.

Nicht nur, dass er versucht seine vermeintlich Zukünftige zurückzugewinnen, er wird auch noch von seinem Cousin bedrängt, der ihn in einen ganz neuen und sogar prinzipiell legalen Geschäftszweig einweihen will: man kauft dahinsiechenden, sehr alten oder sehr kranken Leuten ihre Lebensversicherungen günstig ab. Die Verkäufer kriegen damit vor der Kiste noch etwas Geld in die Hand, der Käufer kurze Zeit danach umso mehr. Zumal der Zeitpunkt zwischen Verkauf der Versicherung und dem Ableben ja von mehreren, durchaus extern beeinflussbaren Faktoren abhängt.

Zu den Darstellern: Tony Danza spielt den Waffenhändler ganz passabel, ab und zu erscheint die Rolle allerdings für einen derartigen Geschäftsmann etwas weich bzw. naiv. Dies ist aber zum großen Teil durch die Rolle begründet. Hervorragend dagegen Louise Fletcher als schiessfähige, junge Frau ohne Erfahrungen in der Horizontalen. Ebenfalls schlichtweg genial mal wieder Michael Madsen als durchgeknallter Cousin des Waffenhändlers. Seine Rolle ähnelt sehr stark seinem Auftritt in Reservoir Dogs, seine Darbietung ist auch hier genial.

Leider kann die DVD (deutsch, RC2, FSK18) nicht mit dem sehr unterhaltsamen Film mithalten. Zwar ist der Film uncut, aber leider nur im Vollbild vorhanden. Die Tonspur liegt als DD 2.0 vor und reißt sicher auch keinem vom Hocker. Für einen Film von 1997 hätte man mehr erwartet.

Fazit: das DVD Archiv ist wieder um einen Film reicher - im Fall einer Neuauflage mit anamorphem Bild im Originalformat und besserer Tonspur wird es sicher einen Austausch geben. Wer Tarantino mag, sollte sich diesen Film gönnen.

Details
Ähnliche Filme